überläufer m
Fundstelle: Lfg. 3 (1921), Bd. XI,II (1936), Sp. 377, Z. 62
1)
transfuga. von allen wbb. seit dem 15. jahrh. gebucht, vgl. besonders Diefenbach gloss. 593ᵃ; Hulsius (1618) 253ᵇ; Stieler 1086; Steinbach 1, 998.
a)
so musten die überläuffer alle ausgeantwortet, und die gefangene knechte und officirer auf freyen fus gestellet werden Chemnitz schwed. krieg 2, 259; zween überläufer sind im lager angekommen Gottsched deutsche schaubühne 3, 197; aus ... gefangenen, überläufern und freiwilligen eine ... legion ... bilden Arndt werke 1, 145; an der weigerung ... die überläufer auszuliefern scheiterte das friedensgeschäft Mommsen röm. gesch. 2, 24.
b)
in weiterer verwendung:
mein Phöbus zürnt mit mir, dasz ich aus seinem orden
ein überläufer bin
Günther nachlese (1742) 172;
deine worte sind falsche überläufer, dein herz denkt mannhafter als du sprichst maler Müller werke 3, 203; mich armen hassen sie (die narren) aber ganz besonders, indem sie behaupten: ich sei von haus aus einer der ihrigen, ich sei ein abtrünniger, ein überläufer, der die heiligsten bande zerrissen Heine werke 3, 184 Elster; oder bist du etwa auch ein überläufer geworden, und hast zur schwarzen fahne der traurigen, langweiligen ernsthaftigkeit geschworen? Tieck schr. 6, 3.
2)
von thieren, die aus ihren fraszcentren wandern: ein in Oberschlesien 1770 erlegter (bär) galt aber schon als überläufer aus den wäldern Polens Wimmer gesch. d. deutsch. bodens 326.
3)
in der jägersprache für 2 jährige frischlinge (s. o. überlaufen I A 5 d): junge tiere (vom wildschwein) bis zum zweiten jahre heiszen frischlinge im zweiten jahre überläufer Brehm tierleben 3, 514; vgl. auch Dombrowski 8, 36ᵃ. —
Zitationshilfe
„überläufer“, in: Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, Erstbearbeitung (1854–1960), digitalisierte Version im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dwb/%C3%BCberl%C3%A4ufer>, abgerufen am 14.11.2019.

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