durchbrennen

GrammatikVerb · brannte durch, ist durchgebrannt
Aussprache
Worttrennungdurch-bren-nen
Wortzerlegungdurch-brennen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
schmelzen und entzweigehen
Beispiele:
der Faden der Glühlampe, die Heizspirale ist durchgebrannt
die Sicherungen brannten durch, weil das Stromnetz überlastet war
2.
durch und durch brennen, glühen
Beispiele:
die Kohlen müssen erst durchbrennen, dann können wir den Ofen zuschrauben
die Kohlen sind durchgebrannt
das Feuer, der Ofen ist durchgebrannt (= die Kohlen glühen)
3.
salopp sich heimlich davonmachen, ausreißen
Beispiele:
der Schüler, Lehrling, Zögling ist (von der Schule) durchgebrannt
er ist seinen Eltern, sie ist ihrem Mann durchgebrannt
der Kassierer ist mit der Kasse, dem Geld durchgebrannt
er ist mit seiner Geliebten, seiner Sekretärin durchgebrannt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

brennen · abgebrannt · durchbrennen · Brennpunkt
brennen Vb. ‘in Flammen stehen, leuchten’. Die Herleitung ist im Hinblick auf die Doppelkonsonanz nicht ganz sicher. Häufig zurückgeführt auf einen Präsensstamm ie. *bhrenu̯- (mit einer nur im Germ. nachweisbaren n-Infigierung), der zu einer unter ↗Brot (s. d.) behandelten Erweiterung ie. *bhrē̌u-, *bhrū̌- der Wurzel ie. *bher(ə)- ‘aufwallen, in heftiger Bewegung sein’ (bezogen auf Wasser, Feuer, auf Koch- und Gärungsprozesse) gestellt wird. Außergerm. Verwandte sind aind. bhuráti ‘bewegt sich rasch, zuckt, zappelt’, járbhurīti ‘flackert, zuckt, hüpft’ und griech. porphȳ́rein (πορφύρειν) ‘in unruhiger Bewegung sein, aufwallen’. In nhd. brennen sind zwei Verben zusammengefallen: stark flektierendes intransitives brinnen ‘in Flammen stehen’, ahd. (8. Jh.), got. asächs. brinnan, mhd. brinnen, anord. brinna (germ. *brinnan), und schwach flektierendes kausatives transitives brennen ‘in Flammen setzen’, ahd. (8. Jh.), mhd. brennen, got. gabrannjan, asächs. brennian, anord. brenna (germ. *brannjan). r-Metathese liegt vor in afries. berna, burna, mnd. mnl. bernen (intransitiv und transitiv), aengl. beornan (intransitiv) und bærnan (transitiv), zusammengefallen in engl. to burn, ebenso wie in dem etymologisch verwandten ↗Born (s. ↗Brunnen). In obd. Mundarten werden beide Verben bis heute unterschieden. abgebrannt Part.adj. ‘finanziell mittellos’, zu abbrennen, in der 1. Hälfte des 17. Jhs. von der Sache (das Haus ist abgebrannt) auf den Betroffenen (er ist abgebrannt ‘feuergeschädigt’, dann ‘verarmt, mittellos’) übertragen. durchbrennen Vb. ‘sich heimlich davonmachen’; um die Mitte des 19. Jhs. in der Studentensprache ‘die Universität heimlich verlassen, sich mit Schulden davonmachen’. Brennpunkt m. Treffpunkt achsenparalleler, durch Linsen oder Hohlspiegel gebrochener Lichtstrahlen; in der Mitte des 17. Jhs. für lat. pūnctum ūstiōnis (Schwenter 1636), danach für lat. focus (Marperger 1712); bereits im 18. Jh. häufig ‘zentraler Punkt (auf den sich alle Aufmerksamkeit richtet)’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) auskommen · ↗(jemandem) weglaufen · ↗ausbüxen · ↗ausreißen · das Weite suchen · durchbrennen · ↗entlaufen · laufen gehen · sich aus dem Staub machen  ●  Reißaus nehmen  veraltend · ↗stiften gehen  ugs.
Assoziationen
  • (das) Weite suchen · die Flucht ergreifen · ↗entkommen · ↗fliehen · ↗flüchten · ↗weglaufen · zu entkommen versuchen  ●  Fersengeld geben  veraltend · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · ↗(sich) dünn(e) machen  ugs. · ↗(sich) verdrücken  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗ausfliegen  ugs., ironisch · ↗stiften gehen  ugs. · ↗türmen  ugs. · ↗verduften  ugs. · zu entkommen suchen  geh.
  • abgehauen · ↗abwesend · auf der Flucht · auf und davon · ausgerissen · durchgebrannt · ↗entflohen · ↗entkommen · ↗flüchtig · ↗fort · geflohen · geflüchtet · hat sich abgesetzt · hat sich der Strafverfolgung entzogen · nicht da · weggelaufen  ●  ↗abgängig  Amtsdeutsch · ↗absent  veraltet · ausgeflogen  fig. · (und) ward nicht mehr gesehen (pseudo-literarisch)  geh., Spruch, scherzhaft · ausgebüxt  ugs. · entfleucht  geh., altertümelnd, scherzhaft · getürmt  ugs., Jargon · nicht mehr da  ugs. · stiften gegangen  ugs., regional · ↗weg (= fortgelaufen, weggefahren)  ugs., Hauptform · über alle Berge  ugs., fig.
  • entschwunden · ↗fort · hat sich verflüchtigt · nicht auffindbar · nicht aufzufinden · nicht zu finden · spurlos verschwunden · ↗unauffindbar · ↗verloren · verloren gegangen · vermisst (werden) · ↗verschollen · verschwunden · vom Winde verweht · von jemandem fehlt jede Spur  ●  ↗weg  Hauptform · (sich) in Luft aufgelöst haben  ugs. · abhanden gekommen  ugs. · ↗dahin  geh. · ↗flöten  ugs. · flöten gegangen  ugs. · ↗futsch  ugs. · futschikato  ugs., scherzhaft · ↗hops  ugs. · ↗perdu  ugs., franz. · ↗sonst wo  ugs. · verschütt gegangen  ugs. · von Windows verweht  ugs., scherzhaft · wie vom Erdboden verschluckt  ugs. · wie weggeblasen  ugs.
  • (sich) entfernen · ↗(sich) zurückziehen · auf und davon gehen · ↗davonziehen · plötzlich weg sein · ↗verschwinden · ↗weggehen  ●  ↗entfleuchen  scherzhaft, literarisch · (einen) Rückzieher machen  ugs. · ↗(sich) absentieren  geh., veraltend · (sich) davon machen  ugs. · (sich) in Luft auflösen  ugs. · ↗(sich) rausscheren  ugs. · ↗(sich) retirieren  geh., veraltet · ↗(sich) schleichen  ugs., süddt. · (sich) selbständig machen  ugs., ironisch · (sich) von dannen machen  geh., veraltend, literarisch · abdackeln  ugs. · ↗abdampfen  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗abschieben  ugs. · ↗abschwirren  ugs. · ↗abziehen  ugs. · abzischen  ugs. · ↗enteilen  geh. · ↗fortstreben  geh. · ↗gehen  ugs.
  • (sein) Bündel schnüren  fig. · mit unbekanntem Ziel verreisen  variabel, ironisch · (das) Weite suchen  ugs. · (das) sinkende Schiff verlassen  ugs., fig. · (den) Abgang machen  ugs. · (den) Adler machen  ugs. · (den) Sittich machen  ugs. · (die) Biege machen  ugs. · (die) Flatter machen  ugs. · (die) Fliege machen  ugs. · (die) Kurve kratzen  ugs. · (einen) Abgang machen  ugs. · (einen) flotten Schuh machen  ugs. · (einen) langen Schuh machen  ugs. · (sich) aus dem Staub machen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · Leine ziehen  ugs. · in die Ferne schweifen  geh.
  • durch die Finger schlüpfen · ↗entfleuchen · ↗entfliehen · ↗entgehen · ↗entkommen · ↗entlaufen · ↗entrinnen · ↗entwischen  ●  durch die Lappen gehen  ugs. · durchs Netz gehen  ugs. · ↗entweichen  geh. · nicht erwischen (können)  ugs. · nicht kriegen  ugs.
  • (die) Beziehung beenden  ●  (jemandem) den Laufpass geben  geh., fig. · ↗(jemanden) abschießen  ugs. · ↗(jemanden) abservieren  ugs., salopp · Schluss machen (mit)  ugs. · in die Wüste schicken  ugs.
  • (sich) zurückziehen · ↗fortgehen · ↗verschwinden  ●  ↗weggehen  Hauptform · (sich) auf den Weg machen  ugs. · (sich) davon machen  ugs. · ↗(sich) entfernen  geh. · ↗(sich) trollen  ugs. · ↗(sich) verdünnisieren  ugs. · ↗(sich) verziehen  ugs. · (sich) vom Acker machen  ugs. · Leine ziehen  ugs. · ↗abdampfen  ugs. · ↗abhauen  ugs. · ↗abtreten  fachspr. · abzischen  ugs. · die Düse machen  ugs. · ↗entschwinden  geh. · ↗verduften  ugs.
  • (mit jemandem) durchbrennen  ugs.
  • (jemandem) davonlaufen · ↗(jemandem) weglaufen · (mit jemandem) durchbrennen · nicht bleiben
Synonymgruppe
durchbrennen · ↗durchglühen · ↗verdampfen · ↗verglühen  ●  ↗abrauchen  ugs., salopp · ↗abschmieren (Sicherung)  ugs., salopp · ↗durchknallen  ugs., salopp · ↗durchschmoren  ugs.
Oberbegriffe
  • (sich selbst) zerlegen · (sich) in seine Einzelteile auflösen · ↗auseinanderbrechen · ↗auseinanderfallen · ↗durchbrechen · ↗entzweibrechen · ↗entzweigehen · in ... Teile zerbrechen · in Stücke brechen · in alle Einzelteile auseinanderfallen · in den Eimer gehen · in die Brüche gehen · in seine Einzelteile auseinanderfallen · in zwei Teile brechen · ↗kaputtgehen · mitten durchbrechen · ↗zerbröckeln · zerfetzt werden · zerstört werden  ●  (sich) in Wohlgefallen auflösen  ironisch · (die) Grätsche machen  ugs., salopp · aus dem Leim gehen  ugs. · ↗auseinandergehen  ugs. · in Stücke gehen  ugs. · in die Binsen gehen  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem) davonlaufen · ↗(jemandem) weglaufen · (mit jemandem) durchbrennen · nicht bleiben
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Birne Braut Decke Ehefrau Ehemann Feuer Freund Freundin Geliebte Glühbirne Kabel Kasse Kohle Lampe Liebhaber Mädchen Pferd Reaktor Schwester Sekretärin Sicherung Tochter Zirkus brennen da endgültig heiraten irgendwann mal verlieben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›durchbrennen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Konfus, nach dem 0:2 brannte ihm die Sicherung durch.
Bild, 11.03.2000
Ihr Vater vermutet, sie sei mit Mark durchgebrannt, doch vermag er sie nicht aufzuspüren.
Fath, Rolf: Rollen - J. In: Reclams Opernlexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1998], S. 9689
Fällt plötzlich eine Last weg, etwa weil ein Kabel reißt, dann brennen anderswo die Geräte durch.
Die Zeit, 06.11.1995, Nr. 45
Im Hause selbst kann eine Sicherung durchbrennen oder ein Wackelkontakt auftreten.
Rhein, Eduard: Du und die Elektrizität, Berlin: Ullstein 1956 [1940], S. 152
Der Verwalter ließ mich rufen, zeigte mir den Brief und fragte, ob ich daran denke, nach Amerika durchzubrennen.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8692
Zitationshilfe
„durchbrennen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/durchbrennen>, abgerufen am 18.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Durchbrechung
durchbrechen
durchbrausen
durchbraten
durchboxen
Durchbrenner
durchbringen
durchbrochen
Durchbruch
Durchbrucharbeit