deuten

GrammatikVerb · deutete, hat gedeutet
Worttrennungdeu-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›deuten‹ als Erstglied: ↗Deuter · ↗deutbar  ·  mit ›deuten‹ als Letztglied: ↗andeuten · ↗ausdeuten · ↗herausdeuten · ↗hindeuten · ↗hineindeuten · ↗missdeuten · ↗umdeuten
 ·  mit ›deuten‹ als Grundform: ↗bedeuten  ·  formal verwandt mit: ↗eindeutig · ↗mehrdeutig · ↗vieldeutig · ↗zweideutig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. zu erklären versuchen, auslegen
Beispiele:
den Traum, ein Gleichnis, Zeichen, eine Schrift, einen Text, ein Gedicht deuten
etw. richtig, falsch, verkehrt, verschieden deuten
jmdm. etw. übel deuten
er deutet es in seinem Sinn, nach seinen Wünschen
umgangssprachlich etw. deutet sich leicht, schwer (= man kann es leicht, schwer deuten)
Versuch, die Welt als ein System des Guten zu deuten [KelsenRechtslehre27]
2.
mit etw. auf etw. hinweisen, zeigen
Beispiele:
mit dem Finger, Kopf, den Augen auf etw., jmdn., nach einer Richtung, Norden, rechts, oben deuten
Joseph deutete in die Ebene [BöllBillard229]
übertragen etw. deutet auf etw.etw. weist auf etw. hin, lässt etw. erwarten
Beispiele:
alles deutet auf einen baldigen Umschwung, eine Wetteränderung, Regen
das deutet auf nichts Gutes
alles deutet darauf, dass ...
Laute, die auf den Beginn des Festes deuteten [SeghersDie Toten6,115]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

deuten · Deutung · deutlich · deuteln · zweideutig · bedeuten · bedeutend · bedeutsam · Bedeutung
deuten Vb. ‘zu erklären versuchen, auslegen, (mit dem Finger) auf etw. zeigen, hinweisen’. Ahd. thiuten (um 1000), mhd. diuten ‘verständlich machen, erklären, zeigen, übersetzen, bedeuten’, mnd. dǖden, mnl. dūden, dieden, nl. duiden, aengl. geþīedan ‘übersetzen’, anord. þȳða ‘deuten, erklären’, schwed. tyda, dän. tyde sind wie ↗deutsch (s. d.) Denominativa zu germ. *þeuðō ‘Volk’, ie. *teutā ‘(Menge) Volk, Land’, das seinerseits t-Ableitung zur Wurzel ie. *tē̌u-, *teu̯ə- ‘schwellen’ (s. ↗Daumen) ist. Die Bedeutung des Verbs kann danach etwa ‘vor dem versammelten Volk erklären, für das Volk verständlich machen’ lauten. Daraus entwickelt sich früh ‘(Vorgänge, Erscheinungen und Äußerungen) erklären, auslegen’ und ‘(aus einer fremden Sprache in die eigene) übersetzen’, auch ‘einen bestimmten Sinn haben, bedeuten’; in mhd. Zeit kommt ‘auf etw. zeigen, hinweisen’ dazu. Deutung f. ‘Auslegung, Erklärung, Bedeutung’, mhd. diutunge, mnd. dǖdinge, nl. duiding. deutlich Adj. ‘klar erkennbar, verständlich, eindeutig’, spätmhd. diutlich, mnd. dǖdel(i)k, nl. duidelijk; vereinzelt mhd. frühnhd. diutelich, deutelich (mit Fugen-e), im 16./17. Jh. in adverbialer Verwendung gelegentlich diutelichen, deutelichen. deuteln Vb. ‘kleinlich, spitzfindig auslegen, (herum)deuten’ (1. Hälfte 16. Jh.), Iterativbildung zu deuten. zweideutig Adj. ‘zwei Deutungen zulassend, anzüglich’, seit der Mitte des 17. Jhs. als Verdeutschung von spätlat. aequivocus ‘doppelsinnig, mehrdeutig’ bezeugt, bald danach auch im Sinne von ‘unverständlich, rätselhaft, unklar’. Im 18. Jh. entwickelt zweideutig die Bedeutung ‘anzüglich, schlüpfrig’, die mehr und mehr an Gebrauchshäufigkeit zunimmt. bedeuten Vb. ‘einen bestimmten Sinn haben, von bestimmtem Wert, von Wichtigkeit sein’, ahd. bithiuten ‘meinen, bedeuten’ (11. Jh.), mhd. bediuten ‘andeuten, verständlich machen, mitteilen, urteilen’, auch reflexiv sich bediuten ‘bedeuten, zu verstehen sein’; dazu bedeutend Part.adj. ‘beachtlich, bemerkenswert, wertvoll, bedeutungsvoll’ (18. Jh.), ursprünglich ‘auf etw. hindeutend, etw. ausdrückend’; bedeutsam Adj. ‘wichtig, vielsagend, bedeutungsvoll’ (Ende 18. Jh.); Bedeutung f. ‘Sinn, Wort-, Begriffsinhalt, Wichtigkeit’, mhd. bediutunge ‘Auslegung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
deuten · ↗transkribieren · ↗übersetzen
Synonymgruppe
auslegen · ↗deuteln · deuten · ↗interpretieren
Oberbegriffe
Synonymgruppe
deuten · ↗weisen · ↗zeigen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anzeichen Ausdruck Beobachter Finger Geste Hinweis Indiz Phänomen Richtung Signal Sinn Symptom Vorzeichen Zeichen Zeigefinger an anders andeuten ansagen ausdeuten darauf daraufhin eher hin hindeuten jedenfalls mißdeuten richtig umdeuten Äußerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›deuten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch der Trend deutet in die richtige Richtung, die operativen Verluste schrumpfen merklich.
Süddeutsche Zeitung, 01.02.2001
Womöglich war Gift im Spiel; darauf deutet ein kleiner Behälter.
Der Tagesspiegel, 30.07.1999
Er deutet aus dem Fenster auf die langgestreckten Häuser der Siedlung.
Kursbuch, 1971, Bd. 24
Das ließe sich zur Not noch als ein Nebeneinanderstehen im zweiten Treffen deuten.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 476
Er deutete mit dem Kopf nach den beiden sacht gehenden Beamten.
Ball, Hugo: Flammetti. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1918], S. 4918
Zitationshilfe
„deuten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/deuten>, abgerufen am 26.04.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
deuteln
Deutelei
deutbar
Deut
Deus ex Machina
Deuter
deuter-
Deuteragonist
Deuteranomalie
Deuteranopie