deuteln

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungdeu-teln
Wortbildung mit ›deuteln‹ als Letztglied: ↗herumdeuteln
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. spitzfindig, kleinlich auslegen, deuten
Beispiele:
daran gibt es nichts, ist nichts, lässt sich nicht deuteln (= es ist eindeutig)
Nein, nicht mäkeln jetzt, nicht deuteln, nicht kritteln! [Feuchtw.Nero263]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

deuten · Deutung · deutlich · deuteln · zweideutig · bedeuten · bedeutend · bedeutsam · Bedeutung
deuten Vb. ‘zu erklären versuchen, auslegen, (mit dem Finger) auf etw. zeigen, hinweisen’. Ahd. thiuten (um 1000), mhd. diuten ‘verständlich machen, erklären, zeigen, übersetzen, bedeuten’, mnd. dǖden, mnl. dūden, dieden, nl. duiden, aengl. geþīedan ‘übersetzen’, anord. þȳða ‘deuten, erklären’, schwed. tyda, dän. tyde sind wie ↗deutsch (s. d.) Denominativa zu germ. *þeuðō ‘Volk’, ie. *teutā ‘(Menge) Volk, Land’, das seinerseits t-Ableitung zur Wurzel ie. *tē̌u-, *teu̯ə- ‘schwellen’ (s. ↗Daumen) ist. Die Bedeutung des Verbs kann danach etwa ‘vor dem versammelten Volk erklären, für das Volk verständlich machen’ lauten. Daraus entwickelt sich früh ‘(Vorgänge, Erscheinungen und Äußerungen) erklären, auslegen’ und ‘(aus einer fremden Sprache in die eigene) übersetzen’, auch ‘einen bestimmten Sinn haben, bedeuten’; in mhd. Zeit kommt ‘auf etw. zeigen, hinweisen’ dazu. Deutung f. ‘Auslegung, Erklärung, Bedeutung’, mhd. diutunge, mnd. dǖdinge, nl. duiding. deutlich Adj. ‘klar erkennbar, verständlich, eindeutig’, spätmhd. diutlich, mnd. dǖdel(i)k, nl. duidelijk; vereinzelt mhd. frühnhd. diutelich, deutelich (mit Fugen-e), im 16./17. Jh. in adverbialer Verwendung gelegentlich diutelichen, deutelichen. deuteln Vb. ‘kleinlich, spitzfindig auslegen, (herum)deuten’ (1. Hälfte 16. Jh.), Iterativbildung zu deuten. zweideutig Adj. ‘zwei Deutungen zulassend, anzüglich’, seit der Mitte des 17. Jhs. als Verdeutschung von spätlat. aequivocus ‘doppelsinnig, mehrdeutig’ bezeugt, bald danach auch im Sinne von ‘unverständlich, rätselhaft, unklar’. Im 18. Jh. entwickelt zweideutig die Bedeutung ‘anzüglich, schlüpfrig’, die mehr und mehr an Gebrauchshäufigkeit zunimmt. bedeuten Vb. ‘einen bestimmten Sinn haben, von bestimmtem Wert, von Wichtigkeit sein’, ahd. bithiuten ‘meinen, bedeuten’ (11. Jh.), mhd. bediuten ‘andeuten, verständlich machen, mitteilen, urteilen’, auch reflexiv sich bediuten ‘bedeuten, zu verstehen sein’; dazu bedeutend Part.adj. ‘beachtlich, bemerkenswert, wertvoll, bedeutungsvoll’ (18. Jh.), ursprünglich ‘auf etw. hindeutend, etw. ausdrückend’; bedeutsam Adj. ‘wichtig, vielsagend, bedeutungsvoll’ (Ende 18. Jh.); Bedeutung f. ‘Sinn, Wort-, Begriffsinhalt, Wichtigkeit’, mhd. bediutunge ‘Auslegung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
auslegen · deuteln · ↗deuten · ↗interpretieren
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

daran drehen herumdeuteln rütteln

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›deuteln‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Das ist das A und O. Daran gibt es nichts zu deuteln.
Der Tagesspiegel, 26.10.2003
Ich habe mich strafbar gemacht, daran gibt es nichts zu deuteln.
Die Zeit, 26.12.1997, Nr. 1
An der Überlieferung der Zahl ist nicht zu deuteln, doch darf man sie ebensowenig wie andere Zahlenangaben mittelalterlicher Quellen wörtlich nehmen.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 3598
Doch wird man schwer an der Angabe der alten Biographen, daß Otto aus Schwaben stammte, deuteln dürfen.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1927, S. 230
Den Gegensatz dazu bildet die Feststellung: Daran ist nichts zu drehen und zu deuteln: die Sache ist völlig eindeutig.
Röhrich, Lutz: Dreh, drehen. In: Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten [Elektronische Ressource], Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1994], S. 6440
Zitationshilfe
„deuteln“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/deuteln>, abgerufen am 23.04.2019.

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