desavouieren

GrammatikVerb · desavouierte, hat desavouiert
Aussprache
Worttrennungde-sa-vou-ie-ren · des-avou-ie-ren (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben jmdn. bloßstellen, im Stich lassen
Beispiele:
er wurde öffentlich desavouiert
der Gelehrte ließ sich nicht desavouieren
wollen Sie mich etwa desavouieren?
etw. nicht anerkennen
Beispiel:
jmds. Handlungen, einen Beschluss desavouieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

desavouieren Vb. ‘nicht anerkennen, bloßstellen, ablehnen’, Entlehnung (Anfang 18. Jh.) aus gleichbed. frz. désavouer, afrz. desavoer, einer Bildung mit dem Präfix afrz. des- (frz. dé-, vor Vokal dés-), das wie vorausgehendes lat. dis- (eigentlich ‘auseinander-’) die Aussage des Verbs aufhebt (s. ↗de- und ↗dis-), zu afrz. avoer ‘anerkennen’ (frz. avouer), das auf lat. advocāre ‘herbeirufen’ zurückzuführen ist.

Thesaurus

Synonymgruppe
blamieren · ↗bloßstellen · ↗kompromittieren · lächerlich machen · ↗vorführen · zum Gespött machen  ●  an den Pranger stellen  fig. · desavouieren  geh. · mit heruntergelassener Hose dastehen lassen  ugs., fig.
Assoziationen
  • (sich) fehl am Platz fühlen · (sich) fremd fühlen · (sich) nicht zugehörig fühlen · dumm dastehen · verloren herumstehen  ●  (rumhängen) wie ein Schluck Wasser in der Kurve  ugs. · blöd aus der Wäsche gucken  ugs. · blöd dastehen  ugs. · dastehen wie Pik Sieben  ugs. · dastehen wie bestellt und nicht abgeholt  ugs. · dumm aus der Wäsche gucken  ugs. · herumlaufen wie Falschgeld  ugs. · herumlaufen wie falsch Geld  ugs.
  • auf offener Straße · vor allen Leuten · vor aller Augen · vor aller Welt · vor aller Öffentlichkeit · vor versammelter Mannschaft · ↗öffentlich  ●  auf offener Bühne  fig. · ↗coram publico  lat. · in aller Öffentlichkeit  Hauptform · vor den Augen der Menge (ältere Sprache)  geh.
  • (jemandem etwas) anhängen · ↗(jemandem etwas) nachsagen · ↗(jemandem etwas) unterstellen · (jemandem) die Ehre abschneiden · (jemanden) ins Gerede bringen · (über jemanden negative) Behauptungen in die Welt setzen · Lügen verbreiten (über) · Sünden anderer aufzeigen · ↗diffamieren · ↗diskreditieren · ↗herabsetzen · in Misskredit bringen · in Verruf bringen · schlecht reden (über) · ↗schlechtmachen · ↗schmähen · ↗verhöhnen · ↗verleumden · ↗verunglimpfen · zynisch beschreiben  ●  ↗(jemandem etwas) andichten  ugs. · (jemandem etwas) ans Zeug flicken  ugs., veraltend · ↗anschwärzen  ugs. · kein gutes Haar lassen (an)  ugs.
  • frotzeln · ↗höhnen · ↗lästern · ↗scherzen · ↗spotten · ↗spötteln · ↗ulken · ↗verhöhnen · ↗verspotten · ↗witzeln  ●  ↗(sich) mokieren  geh.
  • (einen) Scherz machen (über) · (jemandem) ins Gesicht lachen · (sich) auf jemandes Kosten amüsieren · (sich) ein Lachen kaum verkneifen können (angesichts) · (sich) lustig machen (über) · (sich) mokieren (über) · Scherze treiben mit · Witze machen (über) · ↗auslachen · ins Lächerliche ziehen · lächerlich machen · seinen Spaß haben (mit/bei) · ↗spotten (über) · ↗verlachen · ↗witzeln · zum Gespött machen  ●  Späße treiben (mit)  veraltend · ↗verspotten  Hauptform · (jemandem) eine lange Nase drehen  ugs., fig. · (jemandem) eine lange Nase machen  ugs., fig. · (sich) belustigen (über)  geh. · Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen.  geh., Sprichwort · durch den Kakao ziehen  ugs., fig. · ↗frotzeln (über)  ugs. · ↗verhohnepiepeln  ugs.
  • bloßstellende Abstrahlung · kompromittierende Abstrahlung · kompromittierende Emission
  • (sein) Gesicht verlieren · (sich) bis auf die Knochen blamieren · ↗(sich) blamieren · (sich) lächerlich machen · (sich) nicht (gerade) mit Ruhm bekleckern · (sich) nirgendwo mehr sehen lassen können · (sich) zum Gespött machen · Hohn und Spott über sich ergehen lassen müssen · ausgelacht werden · kein Ruhmesblatt (für jemanden) sein · zum Gespött werden  ●  (sich) zum Hampelmann machen  ugs. · (sich) zum Hanswurst machen  ugs.
  • (etwas) weitergeben · ↗(jemanden / etwas) verraten · ↗denunzieren · ↗melden  ●  ↗(etwas) petzen  ugs. · ↗anscheißen  derb · ↗anschwärzen  ugs. · ↗vernadern  ugs., österr. · ↗verpetzen  ugs. · ↗verpfeifen  ugs.
  • verletzen  ●  auf den Fuß treten  fig. · auf den Schlips treten  fig. · ↗brüskieren  geh. · ↗düpieren  geh. · vor den Kopf stoßen  ugs., fig.
  • (sich) vorgeführt fühlen  ●  (sich) angepisst fühlen  derb

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absicht Anspruch Außenminister Begriff Bemerkung Bemühung Bundesrat Franzose Kanzler Koalitionspartner Kritiker Kultusminister Minister Papst Praxis Premier Premierminister Präsidium Regierungschef Verbündeter Verhalten Weise Wähler gleich gründlich selber selbst vollends Äußerung öffentlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›desavouieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Vereinten Nationen haben sich in seinen Augen völlig desavouiert.
Die Zeit, 26.07.2006, Nr. 31
Trotzdem haben sie 1975 mit einer Mehrheit von fünf zu drei das Parlament desavouiert.
Der Spiegel, 21.05.1990
Die Versammlung der Zehntausend desavouierte ihre Beamten und beschloß, die heiligen Gelder nicht länger anzutasten.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 12347
Scherzhaft bemerkt er, er werde sich desavouiert fühlen, falls es kein Land Thüringen geben werde.
Nr. 187: Gespräch Kohl mit Mitterrand vom 15. Februar 1990. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1990], S. 22232
Man habe die Nihilisten desavouiert, er zähle sich zu ihnen.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 7983
Zitationshilfe
„desavouieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/desavouieren>, abgerufen am 22.04.2019.

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