deklassieren

GrammatikVerb · deklassierte, hat deklassiert
Aussprache
Worttrennungde-klas-sie-ren (computergeneriert)
HerkunftFranzösisch
Wortbildung mit ›deklassieren‹ als Erstglied: ↗Deklassierung
eWDG, 1967

Bedeutung

jmdn. aus einer Gesellschaftsklasse ausstoßen oder innerhalb dieser Klasse degradieren, herabsetzen
siehe auch Klasse (Lesart a u. c γ)
Beispiel:
jmd. ist deklassiert worden
meist im Part. Prät.
Beispiele:
deklassierte Elemente verletzten die Rechtsordnung
so ist er nichts als ein klapprig deklassierter Schreiber [WerfelBernadette402]
der Künstler ist klassenlos, deklassiert von Geburt [Th. Mann11,603]
Sport einen Gegner überlegener besiegen, als dessen leistungsmäßige Klassifizierung erwarten lässt
Beispiele:
der Weltmeister wurde deklassiert
der Spitzenreiter der Fußballliga deklassierte den Tabellenletzten
eine deklassierte Mannschaft
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Klasse · Klassenbewußtsein · klassenbewußt · Klassengesellschaft · Klassenkampf · Klassenstaat · Klassement · klassieren · deklassieren · Klassifikation · klassifizieren · Klassifizierung · -klassig
Klasse f. Gegen Ende des 16. Jhs. wird Classe (später Klasse) in der allgemeinen Bedeutung ‘Abteilung, Gruppe mit gemeinsamen Merkmalen’, auch ‘Gruppe gleichaltriger Schüler’ sowie der ‘für diese bestimmte Raum’ (vgl. Klassenzimmer) aus lat. classis ‘militärisches Aufgebot, Heer, Flotte, Abteilung, Klasse von Schülern’ entlehnt. Im 18. Jh. wird Klasse zu einem wissenschaftlichen Einteilungsbegriff ‘Einheit mit gemeinsamen, sich von anderen unterscheidenden Merkmalen’, besonders im biologischen System der Tiere und Pflanzen zwischen Stamm und Ordnung (Klasse der Säugetiere, der Nadelhölzer). Schließlich gilt Klasse als kategorialer Begriff auch auf verschiedenen anderen Gebieten, z. B. zur Gliederung einer Akademie (Klasse für Mathematik, Medizin), im Sport zur Einteilung der Sportler, Mannschaften nach Alter, Gewicht, Leistung (Klasse der Junioren, Meister aller Klassen), bei Motorfahrzeugen zur Einteilung nach der Stärke des Motors (Klasse bis 1000 Kubikzentimeter), bei Segelbooten nach der Bauart (Klasse der Jachten), bei öffentlichen Verkehrsmitteln zur Qualitätsangabe der Dienstleistung (Abteil, Fahrkarte erster Klasse), bei Auszeichnungen zur Bezeichnung der Rangstufe (Schwarzer Adlerorden, Verdienstkreuz erster Klasse). Aus derartigen Verwendungen entwickelt sich die Bedeutung ‘Qualität’ (ein Künstler, Geiger erster Klasse ‘hervorragend’, Hotel dritter Klasse ‘weniger gut’, große Klasse ‘ganz ausgezeichnet’). Vor allem aber steht Klasse seit dem 18. Jh. unter Einfluß von frz. classe und engl. class für ‘Menschengruppe innerhalb der Gesellschaft’ (vgl. lat. classis ‘Volksklasse’ in der von Servius Tullius eingeführten Einteilung der römischen Bürger nach ihrem Besitz in sechs Klassen). Der Begriff wird von französischen Historikern und englischen Sozialökonomen aufgenommen, die die Existenz von Klassen in der bürgerlichen Gesellschaft aus ökonomischen Verhältnissen erklären. Er wird daraufhin zu einem zentralen Wort des Marxismus. Marx und Engels bestimmen Klasse als ‘große Gruppe von Menschen, die sich von einer anderen besonders nach ihrem Verhältnis zu den Produktionsmitteln und dadurch auch in der Erlangung und dem Umfang des Anteils am gesellschaftlichen Reichtum unterscheidet’ (s. ↗Arbeiterklasse). Vgl. dazu Klassenbewußtsein n. ‘Widerspiegelung der materiellen Existenzbedingungen, der Klassenunterschiede im Bewußtsein der Angehörigen einer bestimmten gesellschaftlichen Klasse’ (Engels 1865); klassenbewußt Adj. (Engels 1888). Klassengesellschaft f. ‘aus antagonistischen Klassen bestehende Gesellschaftsformation auf der Grundlage des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der politischen Macht in den Händen der besitzenden Klasse’ (Engels 1878). Klassenkampf m. ‘offener oder versteckter Kampf zwischen den ausgebeuteten und den ausbeutenden Klassen’ (Marx, Engels 1847). Klassenstaat m. ‘Staat, in dem eine bestimmte gesellschaftliche Klasse über andere Klassen die Herrschaft ausübt’ (Marx 1877). Klassement n. ‘Einteilung, Ordnung’, im Sport ‘Rangliste, Reihenfolge’, Übernahme (19. Jh.) von frz. classement. klassieren Vb. ‘einteilen’, im Bergbau ‘das Geförderte bei der Aufbereitung nach der Größe sortieren’ (19. Jh.), nach frz. classer ‘nach Klassen einteilen, ordnen’; dazu deklassieren Vb. ‘jmdn. aus einer Gesellschaftsklasse, -schicht in eine niedrigere verweisen, herabsetzen’, im Sport ‘einem Gegner um eine Klasse überlegen sein und ihn unerwartet hoch besiegen’ (19. Jh.), nach frz. déclasser ‘die Klasseneinteilung umstoßen, aus einer (Gesellschafts-, Rang)klasse streichen’; älter (vereinzelt 18. Jh.) reflexiv ‘eine gesellschaftliche Ordnung verlassen’. Klassifikation f. ‘Einteilung, Einordnung’ (18. Jh.), nach frz. classification; klassifizieren Vb. ‘nach Klassen oder anderen Merkmalen einteilen, ordnen’; Klassifizierung f. (beide 18. Jh.). -klassig in Zusammensetzungen wie erstklassig ‘ausgezeichnet’, zweitklassig ‘von geringerem Wert’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abwerten · deklassieren · ↗herabsetzen · ↗herabstufen  ●  vom Sockel stoßen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Achtelfinale Amerikanerin Aufsteiger Außenseiter Europameister Gastgeber Gegnerin Halbfinale Hengst Herausforderer Konkurrentin Konkurrenz Kontrahent Landsmann Olympiasieger Olympiasiegerin Rivale Russin Tabellenführer Texaner Titelverteidiger Verfolger Vizemeister Weltelite Weltranglistenerste demütigen förmlich geradezu mühelos regelrecht

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›deklassieren‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst deklassierte er sie bei den Wahlen, dann schickte er sie in die Opposition.
Die Zeit, 17.10.2011, Nr. 42
Die Opfer waren meist sozial deklassierte, ideologisch verfemte Gruppen, insbesondere Juden.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2000
Auf dem Weg dorthin muss nicht jeder Gegner mit vier oder fünf Toren deklassiert werden.
Die Welt, 13.06.2003
Das Automobil aber sprang, galoppierte, hüpfte, war wie deklassiert auf dieser gepflasterten Lastenstraße.
Altenberg, Peter: Märchen des Lebens. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1908], S. 6288
Denn hier traten zu den in der Entwicklung der Agrarverfassung liegenden Umständen, welche den Bauer als solchen deklassieren mußten, andere soziale Momente.
Weber, Max: Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. In: Weber, Marianne (Hg.) Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. II, Tübingen: Mohr 1921 [1920-1921], S. 76
Zitationshilfe
„deklassieren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/deklassieren>, abgerufen am 18.04.2019.

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