dünn

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Wortbildung mit ›dünn‹ als Erstglied: ↗Dünnbier · ↗Dünnbrettbohrer · ↗Dünndarm · ↗Dünndruck · ↗Dünnmann · ↗Dünnpfiff · ↗Dünnschiss · ↗Dünnschliff · ↗dünnbehaart · ↗dünnbeinig · ↗dünnbesiedelt · ↗dünnbestrichen · ↗dünnbevölkert · ↗dünnbewachsen · ↗dünnbewimpert · ↗dünnbewohnt · ↗dünnemachen · ↗dünnflüssig · ↗dünngesät · ↗dünngliedrig · ↗dünnhaarig · ↗dünnhäutig · ↗dünnlippig · ↗dünnmachen · ↗dünnschalig · ↗dünnstämmig · ↗dünnwandig
 ·  mit ›dünn‹ als Letztglied: ↗extradünn · ↗hauchdünn · ↗millimeterdünn · ↗papierdünn
 ·  formal verwandt mit: ↗verdünnen
eWDG, 1967

Bedeutung

von geringer Stärke
a)
Gegenwort zu dick
Beispiele:
ein dünner Ast, Baumstamm, Stab, ein dünnes Brett
diese Frucht hat nur eine dünne Schale, Haut
ein dünnes Buch, Heft, Blatt, Blech
etw. in dünne Scheiben schneiden
durch die dünne Wand hört man jedes Geräusch
das Eis ist so dünn, dass es sofort bricht
jmd. hat dünne Arme, Beine, Waden
ein dünner Hals
ein dünner Mensch, Mann
umgangssprachlich, scherzhaft er liebt die Dünnen (= dünne Frauen)
nach der Abmagerungskur war er wesentlich dünner
Farbe, Lack, eine Schutzschicht dünn (mit einem Pinsel) auftragen
um Arthur Lees dünne (= schmale) Lippen war ein kleines Lächeln [Feuchtw.Füchse403]
entsprechend der Bedeutung von dünnmachen
Beispiel:
umgangssprachlich sich dünn machen (= wenig Platz einnehmen)
bildlich
Beispiel:
salopp das Brett bohren, wo es am dünnsten ist (= sich eine Arbeit bequem, leicht machen)
b)
fast durchsichtig
Gegenwort zu dicht
Beispiele:
ein dünner Vorhang, Schleier, ein dünnes Kleid
dünne Strümpfe
am Ärmel ist eine dünne (= abgenutzte) Stelle
dünnes (= schütteres) Haar
dünne (= leichte) Höhenluft
umgangssprachlich, bildlich
Beispiele:
jmdm. durch dick und dünn (= überallhin) folgen
für jmdn., mit jmdm. durch dick und dünn gehen
schwach
Beispiele:
dünner Rauch steigt auf
dünner Regen fiel den ganzen Tag über
der Wald, das Gras ist an dieser Stelle sehr dünn
die Nordhänge sind dünner bewachsen
das ganze Gebiet ist nur dünn besiedelt, bevölkert
umgangssprachlich gute Gaststätten sind hier dünn gesät (= sind wenig vorhanden)
der Besucherstrom wurde immer dünner
diesen Luxus konnte sich nur eine dünne (= zahlenmäßig kleine) Oberschicht leisten
jmd. spricht, ruft mit dünn Stimme
zu seinen Worten lächelte sie dünn
unsere Kompanien waren schon sehr dünn geworden (= hatten sich gelichtet) [CarossaGion146]
Damit ging Kretzschmar, von dünnem, aber anhaltendem Beifall begleitet [Th. MannFaustus6,77]
Als sie [die Mädchen] Stanislaus sahen, wurde ihr Gesang dünn und dünner, bis er in ein Kichern umschlug [StrittmatterWundertäter125]
c)
wenig gehaltvoll, wässrig
Beispiele:
eine dünne Suppe, Brühe, Soße
dünner Tee
dünnes Blut
übertragen
Beispiele:
umgangssprachlich, abwertend die Aussage des Buches ist sehr dünn
salopp, abwertend War ja verdammt dünn, was ihr gestern [beim Fußballspiel] gezeigt habt [LoestSportgesch.156]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dünn · verdünnen
dünn Adj. ‘nicht dick, mager, schmal, schwach’, ahd. thunni ‘zart, schmal, schwach, dünn’ (8. Jh.), mhd. dünne ‘dünn, zart, seicht’, asächs. thunni ‘dünn, still, untief’, mnd. dünne, mnl. dunne, nl. dun, aengl. þynne ‘dünn, mager, flüssig, schwach, arm’, engl. thin, anord. þunnr, schwed. tunn (germ. *þunwi-, wohl aus *þenu-), außergerm. aind. tanúḥ ‘dünn, klein, schwächlich’, lat. tenuis ‘dünn, fein, zart’, griech. tanaós (ταναός) ‘gestreckt, ausgedehnt, weit, lang’, aslaw. tьnъkъ ‘fein, zart’, russ. tónkij (тонкий) ‘dünn, fein, schlank’. Alle Adjektivbildungen gehören zur Wurzel ie. *ten- ‘dehnen, ziehen, spannen’ (s. ↗dehnen) und bedeuten eigentlich ‘lang gedehnt’. verdünnen Vb. ‘dünn, flüssig machen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
bescheiden (Summe, Lohn) · ↗gering · ↗kaum · ↗klein · ↗marginal · ↗unbedeutend · von geringem Umfang · ↗wenig · ↗winzig  ●  dünn  ugs. · ↗mickerig  ugs. · ↗mickrig  ugs. · ↗überschaubar  ugs., ironisch
Oberbegriffe
Assoziationen
Anatomie
Synonymgruppe
dünn · ↗dürr · ↗hager · ↗knochig · ↗mager · ↗schlaksig · ↗schmal · ↗schmächtig  ●  ↗untergewichtig  medizinisch · ↗dystroph  fachspr., griechisch · ↗leptosom  fachspr. · nichts auf den Rippen haben  ugs. · nichts zuzusetzen haben  ugs. · ↗spillerig  ugs., norddeutsch
Oberbegriffe
Assoziationen
  • Hänfling · Schmächtling  ●  ↗Hering  ugs. · ↗Kümmerling  ugs. · Mickerling  ugs. · ↗Schmachtlappen  ugs., rheinisch · ↗Spargeltarzan  ugs. · Spinnewipp  ugs., ruhrdt., veraltet · ↗Spucht  ugs., norddeutsch · Strich in der Landschaft  ugs. · halbe Portion  ugs. · schmales Handtuch  ugs.
  • gertenschlank · rank und schlank · ↗schlank · schlank wie eine Gerte · schlank wie eine Tanne · ↗superschlank  ●  ↗rank  veraltet
  • an Mangelernährung leidend · fehlernährt · mangelernährt · nicht genug zu essen bekommen · schlecht ernährt · ↗unterernährt · vom Fleisch gefallen sein · zu wenig zu essen bekommen
  • (stark) unterernährt · ↗(stark) untergewichtig · ↗Hungerleider · abgemagert · ↗abgemergelt · ↗abgezehrt · ↗ausgehungert · ausgemergelt · ausgezehrt · ↗hohlwangig · ↗magersüchtig  ●  (die) Rippen einzeln zählen können (bei jemandem)  ugs. · (nur noch ein) Schatten seiner selbst  ugs. · (nur noch) Haut und Knochen  ugs. · (wie ein) lebender Leichnam (aussehen/herumlaufen)  ugs. · (wie ein) wandelndes Gerippe  ugs. · (wie eine) Leiche auf Urlaub  ugs. · (wie eine) wandelnde Leiche  ugs. · (wie) sein eigener Schatten  ugs. · ↗eingefallen  ugs. · ↗halb verhungert  ugs. · ↗klapperdürr  ugs. · ↗klapprig  ugs. · ↗knochendürr  ugs. · ↗marantisch  fachspr., medizinisch · ↗marastisch  fachspr., medizinisch · ↗morbid  geh. · ↗spindeldürr  ugs. · vom Fleisch gefallen  ugs.
  • (kräftig) zulegen · an Gewicht zulegen · ↗ansetzen · dick(er) werden · in die Breite gehen · ↗zunehmen  ●  mehr werden  ironisch · (etwas) auf die Rippen kriegen  ugs.
  • hat ihr Idealgewicht · hat sein Idealgewicht · ↗normalgewichtig
  • feingliedrig · ↗schlankgliedrig · von zartem Körperbau · von zierlichem Körperbau · ↗zart (aufwertend) · zart gebaut · ↗zartgliedrig (aufwertend)  ●  ↗zierlich  Hauptform
  • hoch aufgeschossen · ↗schlaksig  ●  ↗(ein) Schlaks  ugs. · (ein) langes Ende  ugs. · ↗(eine) Bohnenstange  ugs., fig. · langer Lulatsch  ugs.
  • (anderen) auf den Kopf spucken können · ↗(ein) Riese · ↗baumlang · ↗groß · ↗hoch gewachsen · ↗hochgewachsen · mit Gardemaß · ↗stattlich · von Gardemaß · von hohem Wuchs  ●  ↗(ein) Turm  fig. · ↗lang  ugs.
  • (ein) (ganz) Langer  ugs. · (eine) (ganz) Lange  ugs. · (und) dann kam eine lange Dürre  ugs., Spruch, scherzhaft · ↗Bohnenstange  ugs., fig. · Heugeige  ugs., österr., fig. · ↗Hopfenstange  ugs., fig. · langer Lulatsch  ugs. · langes Elend  ugs., ironisch · langes Gereck  ugs., regional · langes Gestell  ugs.
  • Hungerkünstler  fig. · man kann alle Rippen (einzeln) zählen (bei)  variabel · nichts zwischen den Rippen haben  variabel · (an jemandem ist) nichts dran  ugs. · (ein) Haufen Knochen  ugs. · (ein) Strich in der Landschaft  ugs. · (ein) schmales Handtuch  ugs., regional · (ein) wandelndes Gerippe  ugs. · (nur noch) Haut und Knochen  ugs. · Hungerhaken  ugs. · ↗Klappergestell  ugs. · ↗Knochengestell  ugs., fig.
  • von zartem Körperbau · zartes Wesen  ●  ↗Elfe  fig. · ↗Reh  fig. · Rehlein  fig. · ätherisches Wesen  geh.
Antonyme
  • dünn
Synonymgruppe
dünn · ↗fragil · ↗mürbe · ↗zart · ↗zerbrechlich
Assoziationen
Synonymgruppe
ausgedünnt · dünn · ↗licht · ↗schütter · ↗spärlich
Synonymgruppe
durchsichtig · dünn · ↗gehaltlos · ↗inhaltsleer · ↗oberflächlich · ohne Tiefgang · ↗vordergründig
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Besiedlung Beweislage Decke Draht Eigenkapitaldecke Eis Eisdecke Eisschicht Faden Firnis Haar Haut Höhenluft Kapitaldecke Luft Personaldecke Rinnsal Scheibe Schicht Schlauch Schneedecke Seil Streife Suppe Wand besiedelt dick extrem äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›dünn‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihm zufolge sind die Ausführungen des Buches angesichts der Ereignisse im Jahr 1945 "eher dünn".
Die Zeit, 22.08.2006 (online)
Allerdings sollte man die Pfanne hinterher mit einer dünnen Ölschicht benetzen.
Der Tagesspiegel, 18.01.2005
Du schneidest einen Korken in etwa 4 mm dünne Scheiben.
Braun, Anne u. Nell, Edith: Man muß sich nur zu helfen wissen, Leipzig: Verl. für die Frau 1971, S. 101
Es ist sehr gefährlich, auf dem dünnen Ast sitzen die beide.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 01.08.1940, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Mit einem eigentümlichen Lächeln reichte er mir den dünnen Band.
Bischoff, Charitas: Bilder aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1912], S. 6998
Zitationshilfe
„dünn“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/dünn>, abgerufen am 23.05.2019.

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