blutjung

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungblut-jung
WortzerlegungBlutjung
eWDG, 1967

Bedeutung

umgangssprachlich sehr jung
Beispiele:
ein noch blutjunges Mädchen
damals war er (noch) blutjung
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Blut · Blutbank · Blutbuche · bluten · Bluter · Bluthund · blutig · blutjung · blutarm · Blutrache · Blutschande · Blutschuld · blutsverwandt · Blutsverwandtschaft
Blut n. lebenserhaltende, rote Körperflüssigkeit. Ein alter ie. r/n-Stamm zur Bezeichnung des Blutes, erhalten z. B. in griech. éar (ἔαρ) ‘Blut’, wird in einzelnen ie. Sprachen, wohl aus Tabugründen, durch neue, etymologisch oft kaum deutbare Wörter ersetzt, vgl. griech. há͞ima (αἷμα) (vgl. Hämoglobin und s. ↗Hämorrhoiden), lat. sanguis (s. ↗sanguinisch). Zu solchen Ersatzwörtern gehört auch der gemeingerm. Ausdruck für ‘Blut’ ahd. (8. Jh.), mhd. bluot, asächs. aengl. blōd, engl. blood, mnd. blōt, mnl. bloet, nl. bloed, afries. blōd, anord. blōð, schwed. blod und mit grammatischem Wechsel got. blōþ. Diese Formen setzen germ. *blōþa- (mit Betonung auf der zweiten Silbe in allen Sprachen mit Ausnahme des Got.) voraus. Dieses läßt sich deuten als Bildung zu der in ↗blühen, ↗Blume, ↗Blüte (s. d.) vorliegenden Wurzelerweiterung ie. *bhlē-, *bhlō- mit dem (auch für Verbaladjektive verwendeten) Suffix ie. -to-, germ. -þa-. Hervorquellendes Blut würde danach metaphorisch als ‘etw. üppig Gesprossenes’ vorgestellt. Oder ist in germ. *blōþa- ein vorie. Substratwort zu sehen? Blutbank f. ‘zentrale Aufbewahrungs- und Abgabestelle für Blutkonserven’ (20. Jh.). Blutbuche f. Buche mit rötlichen Blättern (18. Jh.). Vom Substantiv abgeleitet bluten Vb. ‘Blut verlieren’, ahd. (8. Jh.), mhd. bluoten, mnd. blȫden, blōden, mnl. nl. bloeden, afries. blēda, aengl. blēdan, anord. blœða. Bluter m. ‘an der Bluterkrankheit Leidender’ (18. Jh.). Bluthund m. ‘Schweißhund’ (2. Hälfte 15. Jh.). blutig Adj. ‘voll Blut’, ahd. bluotag (8./9. Jh.), mhd. bluotec. blutjung Adj. ‘sehr jung’ (17. Jh.), Analogiebildung zu älteren Adjektivkomposita wie blutarm ‘arm bis aufs Blut’ (d. i. bis aufs Leben), ‘sehr arm’ (15. Jh.), wobei das erste Kompositionsglied intensivierenden Sinn hat und auf das Vorbild mhd. bluotrōt ‘blutrot’, d. h. ‘rot wie Blut’ als verstärkender Vergleich, zurückzuführen ist; vgl. auch ahd. bluotrōtī ‘Purpurröte’ (Hs. 12. Jh.). Dagegen (ab 19. Jh.) blutarm ‘arm an Blut, blaß, schwächlich, anämisch’. Blutrache f. ‘Tötung als Vergeltung für einen getöteten Sippenangehörigen’ (17. Jh.). Blutschande f. ‘Inzest’ (1. Hälfte 16. Jh.). Blutschuld f. ‘aus Mord erwachsene Schuld’ (16. Jh.). blutsverwandt Adj. ‘durch gleiche Abstammung verwandt’ (1. Hälfte 16. Jh.), davon abgeleitet Blutsverwandtschaft f. (1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sehr) jung · blutjung · ↗jungenhaft · ↗kindhaft · ↗kindlich · ↗knabenhaft · ↗minderjährig · ↗mädchenhaft  ●  unverschämt jung  ugs.
Assoziationen
  • adoleszent · ↗halbwüchsig · heranwachsend · ↗jugendlich · ↗juvenil
  • (eine) Lolita · ↗Kindfrau · ↗Unschuldsengel  ●  süßes Früchtchen  fig. · Nymphchen  geh. · ↗Nymphe  geh., bildungssprachlich
  • naiv · ↗unberührt · ↗unerfahren · ↗unschuldig  ●  ↗unverbildet  geh.
  • im jugendlichen Alter · ↗minderjährig · noch nicht 18 · noch nicht erwachsen · noch nicht voll geschäftsfähig · noch nicht volljährig · ↗unerwachsen · ↗unmündig · unter 18 Jahren  ●  ↗jugendlich  Hauptform · an der Schwelle zum Erwachsensein  geh. · an der Schwelle zum Erwachsenwerden  geh. · unter 18  ugs.
  • (...) Jahre jung sein · (...) Lenze zählen (lit. oder veraltet) · (...) geboren sein · ↗(...) sein · Jahrgang (...) sein · es auf (...) Jahre bringen · im Jahr(e) (...) geboren sein  ●  (...) Jahre alt sein  Hauptform · (...) Jahre zählen  veraltet · (...) Jahre auf dem Buckel haben  ugs.
  • Babyface · ↗Jungengesicht · Jungmädchengesicht
  • (erst) zarte (...) Jahre alt (sein) · jung · jung an Jahren (lit.)
  • das (ganze) Leben (noch) vor sich haben · jung an Jahren  ●  (gerade) den Kinderschuhen entwachsen  variabel · jung (sein)  Hauptform · jung und hübsch  ugs. · jung und schön  ugs. · jung und unschuldig  ugs. · jung und unverbraucht  ugs.
Antonyme

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anfänger Bursch Bursche Darsteller Dinger Geigerin Geliebte Hure Kerl Leutnant Model Musiker Mädchen Mädel Offizier Pianist Prostituierte Rekrut Schauspielerin Soldat Studentin Sängerin Talent Tänzerin bildhübsch bildschön damals hübsch meist unerfahren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›blutjung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenn man sich so kennen lernt, und man ist noch blutjung, und alles ist neu.
Die Zeit, 09.04.2003, Nr. 15
Sie sind blutjung, sie sind höflich, sie sind aufgeweckt, sie haben Talent.
Süddeutsche Zeitung, 23.03.2001
Erst war sie für uns allein im Hause; nach zwei, drei Tagen erschien eine Tochter, blutjung, blond, zurückhaltend ohne jede Ziererei.
Wilamowitz-Moellendorff, Ulrich von: Erinnerungen 1848-1914. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1928], S. 7642
Vor zwei Jahren war sie blutjung und schon verwitwet nach München gekommen.
Kolb, Annette: Die Schaukel, Frankfurt a. M.: Fischer 1960 [1934], S. 71
Unter ihm hatte der blutjunge Schauspieler Reinhardt sich die Sporen verdient, sogleich als Darsteller alter Männer.
Witkowski, Georg: Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863-1933. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 1145
Zitationshilfe
„blutjung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/blutjung>, abgerufen am 22.07.2019.

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