bläuen

GrammatikVerb
Worttrennungbläu-en (computergeneriert)
Ungültige Schreibungbleuen
Rechtschreibregeln§ 16
Wortbildung mit ›bläuen‹ als Letztglied: ↗durchbläuen · ↗einbläuen
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. blau färben
Beispiele:
Lackmuspapier wird gebläut
Kochkunst den Fisch bläuen (= blauen)
die Wäsche bläuen (= durch Zusatz von blauem Farbstoff zum Spülwasser die gelbliche Tönung von Wäsche überdecken, sodass sie blendend weiß erscheint)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

blau · blaublütig · blauäugig · Bläue · blauen · bläuen · bläulich · Blaubart · Blaubeere · Blausäure · Blaustrumpf
blau Adj. in der Farbe dem wolkenlosen Himmel ähnlich, ahd. (8. Jh.), asächs. blāo ‘blau’ (in allen Schattierungen), mhd. mnd. blā, mnl. blā, blau, blaeu, nl. blauw, anord. blār ‘blau, dunkel, schwarz’, schwed. blå setzt ein zur Wurzel ie. *bhel- ‘glänzen(d), weiß’ gehöriges ie. *bhlēu̯os ‘blau, gelb, blond’ (germ. *blēwa-) voraus und ist verwandt mit lat. flāvus ‘goldgelb, rotgelb, blond’ und lat. fulvus ‘rotgelb, braungelb’. blau ist mit anderen germ. Farbadjektiven (s. ↗blank, ↗brünett, ↗greis, ↗blond) in roman. Sprachen entlehnt, vgl. frz. bleu ‘blau’ (daraus engl. blue), aprov. blau ‘blau’. Die meisten Farbbezeichnungen sind anfangs noch nicht genau bestimmt; so ist die ursprüngliche Bedeutung von blau wahrscheinlich ‘hell, glänzend’; noch ahd. blāo steht gelegentlich als adäquater Ausdruck für lat. flāvus ‘gelb’. Erst im Mhd. wird blau deutlicher abgegrenzt, zugleich tauchen Komposita für einzelne Abstufungen auf: lāsūrblā ‘blau wie Lasur’, liehtblā ‘hellblau’, satblā ‘gesättigtes Blau, dunkelblau’, wolkenblā ‘himmelblau’. Im Nhd. folgen schwarzblau, blauschwarz, graublau, tiefblau, kornblumenblau, veilchenblau. blau begegnet in zahlreichen Wendungen. Die Haut nimmt infolge von Schlägen blaue Färbung an, daher grün und blau schlagen (Anfang 17. Jh.), ein blaues (‘blutunterlaufenes’) Auge haben, mit einem blauen Auge (‘glimpflich’) davonkommen. Es wird mir blau vor den Augen (heute es wird mir schwarz vor den Augen) als Zeichen beginnenden Schwindelgefühls ist seit dem 16. Jh. bezeugt. Daran schließt sich offenbar die neuerdings häufig gebrauchte Wendung blau (‘betrunken’) sein an. Als Farbe der Sinnestäuschung vor allem in dem seit dem 16. Jh. belegten Ausdruck blauen Dunst vormachen ‘Unwahres glaubhaft zu machen suchen’. Vielleicht hängt damit zusammen sein blaues Wunder erleben ‘ganz verwundert sein’; eine ähnliche Wendung aus dem 17. Jh. lautet da sollte man seine blauen Wunder gesehen haben. Nicht mit Sicherheit erklärbar ist die Redensart ins Blaue hinein reden ‘ohne Plan und Zweck reden’. Unter einem blauen Brief versteht man einen ‘Mahnbrief der Schule’; im 19. Jh. bezeichnet man damit in Preußen ein Schreiben des Königlichen Kabinetts (nach den blauen Umschlägen); in den 70er Jahren überträgt man den Ausdruck auf die offiziell ergangenen Mahnungen an Offiziere und Beamte, ihre Versetzung in den Ruhestand zu beantragen. Die blaue Blume (Novalis 1802) wird zum Sinnbild der Sehnsucht in der romantischen Dichtung. Der blaue Montag ist ursprünglich vielleicht der Montag vor Fastnacht, wegen der für diesen Tag vorgeschriebenen liturgischen (violetten) Farbe; an diesem Tag wird nicht gearbeitet, der Ausdruck daher allmählich auf alle Montage übertragen, an denen man nicht seiner Arbeit nachgeht (in diesem Sinne zuerst 1550, anfangs auch guter Montag genannt); danach blaumachen ‘feiern, nicht arbeiten’. blaues Blut als Zeichen adliger Abstammung (1. Hälfte 19. Jh.), nach span. sangre azul oder goda ‘blaues’ oder ‘gotisches Blut’, geht auf die durchschimmernden blauen Adern der hellfarbigen (westgotischen) spanischen Adligen zurück; dazu blaublütig Adj. ‘adlig’ (2. Hälfte 19. Jh.). blauäugig Adj. ‘mit blauen Augen ausgestattet’, blauäugicht (17. Jh.), ‘treuherzig, naiv’ (Mitte 19. Jh.). Bläue f. ‘blaue Färbung’, ahd. blāwī (11. Jh.), mhd. blæwe. blauen Vb. ‘blau werden, sein’ (17. Jh.); bläuen Vb. ‘blau färben’, mhd. blæwen; zuweilen auch blauen (Goethe). bläulich Adj. ‘ins Blaue spielend’ (17. Jh.); älter sind blawelich, blaulicht, blaulecht (16. Jh.). Blaubart m. ‘Frauenmörder’ (Ende 18. Jh.), nach dem französischen Märchen vom Ritter Barbe-Bleue ‘Blaubart’, der die Neugier seiner Frauen prüft und sie tötet, wenn sie die Probe nicht bestanden haben. Blaubeere f. landschaftliche, besonders nordd. Bezeichnung für ‘Heidelbeere’ (18. Jh.); vgl. dän. blåbær. Blausäure f. farblose, sehr giftige Säure, Zyanwasserstoff; von ihrem Entdecker Scheele 1782 aus Berliner Blau dargestellt und Berliner-Blau-Säure genannt. Blaustrumpf m. im 17. und 18. Jh. Schimpfwort für den damals vielfach blaue Strümpfe tragenden Gerichtsdiener im Sinne von ‘Spitzel, Verräter’; heute nur für eine ‘gelehrte Frau ohne weiblichen Charme’. In dieser Bedeutung aus engl. bluestocking übersetzt, einer spöttischen Bezeichnung für literarische Zirkel um 1750 in London und deren Teilnehmerinnen. Im Dt. vereinzelt um 1800, danach durch Börnes „Pariser Briefe“ (1830) allgemein bekannt.

bleuen · verbleuen · einbleuen · Bleuel · Pleuelstange
bleuen Vb. ‘schlagen’, ahd. bliuwan (8. Jh.), mhd. bliuwen, asächs. bleuwan, got. bliggwan ‘schlagen’, dazu auch mnl. nl. blouwen ‘Flachs brechen’, mundartlich ‘die Arme umeinander schlagen’. Jede weitere germ. und außergerm. Verwandtschaft bleibt unsicher, so daß ein Ansatz ie. *bheleu- ‘schlagen’ (Pokorny 1, 125) ungewiß ist und in dem Verb daher der bewahrte Rest eines vorie. Wortes vermutet wird (de Vries Nl. 67). Häufiger als das Simplex sind nhd. verbleuen Vb. ‘verprügeln’, ahd. firbliuwan (9. Jh.), mhd. verbliuwen, und einbleuen Vb. ‘durch Prügel beibringen’, übertragen ‘nachdrücklich einschärfen’ (16. Jh.), beide Verben in volksetymologischer Anlehnung an blau häufig in der Schreibung -bläuen Bleuel m. ‘hölzerner Schlegel’, ahd. bliuwil (9./10. Jh.), mhd. bliuwel ‘Mörserkeule, Stampfer’; einer Nebenform Pleuel folgt als Wort der modernen Technik Pleuelstange f. ‘Kolben-, Schubstange’ (19. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

ein einbleuen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bleuen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er bläut der Mannschaft ein, dass man nur von Spiel zu Spiel denken darf.
Die Zeit, 25.09.2010 (online)
In jungen Jahren schon bläute er seinen Namen dem Filmpublikum ein.
Die Welt, 13.03.2002
Wenn man Wäsche bläut, soll man nur gutes Waschblau verwenden.
Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 294
Dem Chef und seinem Gefolge bläuten sie ein, um Gottes Willen immer "Slowakei" zu sagen, nicht "Slowenien".
Süddeutsche Zeitung, 25.10.2000
Bis Mitte der siebziger Jahre bläuten die amerikanischen Gesundheitswächter dieses Mantra zunächst Herzkranken ein, danach auch der gesamten Bevölkerung.
Der Tagesspiegel, 12.01.2002
Zitationshilfe
„bläuen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/bläuen>, abgerufen am 15.10.2019.

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