bildungsfern

GrammatikAdjektiv · Komparativ: bildungsferner · Superlativ: am bildungsfernsten, Steigerung selten
Worttrennungbil-dungs-fern
WortzerlegungBildungfern
Wortbildung mit ›bildungsfern‹ als Grundform: ↗Bildungsferne2
ZDL-Vollartikel, 2019

Bedeutung

bildungssprachlich, (gelegentlich) abwertend ungebildet, von mangelhafter (schulischer) Bildung; an herkömmlicher (schulischer) Bildung und deren Inhalten uninteressiert
Gegenwort zu bildungsnah
Beispiele:
Wer das Pech hat, in eine bildungsferne Familie geboren zu sein, hat wenig Chancen, den Startvorsprung seiner Altersgenossen mit gebildeten Eltern im Laufe seines Lebens aufzuholen. [Der Spiegel, 05.05.2014, Nr. 19]
Man könnte meinen, die soziale Schicht und der Bildungsgrad der Eltern spielten bei dem Ankommen im Land die entscheidendere Rolle, doch die Vietnamesen, die in den 70er-Jahren kamen, waren auch bildungsfern. Dennoch machen ihre Kinder heute bessere Schulabschlüsse als selbst Einheimische. [Die Welt, 07.04.2018]
Die […]Studie hat bestätigt, was bereits aus vielen Untersuchungen bekannt ist: Kinder aus eher bildungsfernen Haushalten lesen weniger Bücher als Gleichaltrige, deren Eltern einen tertiären Bildungsabschluss haben. [Neue Zürcher Zeitung, 27.09.2015]
Der Ausdruck »bildungsfern«, als verständnisvoller Euphemismus gedacht, ist in Wahrheit grausamer als »ungebildet«. [Süddeutsche Zeitung, 06.08.2015]
Bei 53 Prozent der Kinder aus bildungsfernen Schichten steht ein TV-Gerät in dem Raum, in dem gegessen wird (bildungsnahe Schicht: 21 Prozent). [Bild am Sonntag, 16.01.2011, Nr. 3]
Man kann doch nicht einfach zu den Arbeitern sagen: Ihr Arbeiter seid eine bildungsferne Schicht, eure Kinder sollen etwas Besseres werden: gebildete Akademiker mit Abitur und Universitätsstudium. Es wäre viel ehrlicher, gerechter und vernünftiger, so zu den Arbeitern zu sprechen: »Ihr seid wichtige Leute, viel wichtiger als manche, die sich Akademiker nennen. […]« [Süddeutsche Zeitung, 02.01.1992]
Bafög wurde mit der Absicht geschaffen, Kindern aus einkommensschwächeren und sogenannten bildungsfernen Familien das Studieren zu ermöglichen. [Die Zeit, 25.11.1977, Nr. 48]
Die, die am bildungsfernsten leben, haben kein Gefühl dafür entwickelt, wie zentral Bildung ist. [Süddeutsche Zeitung, 15.01.2018] ungewöhnl.
Kollokationen:
als Adjektivattribut: bildungsferne Schichten, Elternhäuser, Familien, Migrantenfamilien, Haushalte, Milieus
in Koordination: bildungsfern und einkommensschwach, arm, schwach, benachteiligt

Thesaurus

Synonymgruppe
kulturlos · ↗ungebildet · ↗unkultiviert · ↗unzivilisiert  ●  ↗bildungsarm  geh. · bildungsfern  geh. · ↗bildungsschwach  geh. · ↗böotisch  geh., griechisch, veraltet
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Elter Elternhaus Familie Haushalt Herkunft Migrantin Milieu Schicht arm benachteiligt bildungsnah eher einkommensschwach schwach

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bildungsfern‹.

Zitationshilfe
„bildungsfern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/bildungsfern>, abgerufen am 19.10.2019.

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