bildsam

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbild-sam (computergeneriert)
Wortzerlegungbilden-sam
Wortbildung mit ›bildsam‹ als Erstglied: ↗Bildsamkeit  ·  mit ›bildsam‹ als Letztglied: ↗unbildsam
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben
entsprechend der Bedeutung von bilden (Lesart 1 und 4)
entsprechend der Bedeutung von bilden (Lesart 1)
Beispiele:
bildsames Wachs, bildsamen Ton kneten
bildsames Gestein bearbeiten
die Ärzte verlängerten ihr ... den noch bildsamen Schädel [Th. MannJoseph5,262]
entsprechend der Bedeutung von bilden (Lesart 4)
Beispiele:
ein Kind, Jugendlicher ist noch bildsam
[Schulen] wo er es ... mit noch offeneren, bildsameren, erziehbareren Schülern zu tun haben würde [HesseGlasperlensp.6,331]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bilden · abbilden · ausbilden · einbilden · Einbildung · Einbildungskraft · eingebildet · Bildner · bildsam · Bildung
bilden Vb. ‘formen, gestalten, hervorbringen, darstellen, sein’, übertragen ‘erziehen, die geistigen Anlagen entwickeln’, ahd. biliden ‘formen, gestalten, zum Beispiel geben, nachahmen’ (9. Jh.) und bilidōn ‘abbilden, nachahmen, Vorbild sein, gestalten’ (8./9. Jh., vom 10. Jh. an vorherrschend), postnominale Ableitungen von ahd. bilidi (s. ↗Bild), fallen zusammen in mhd. bilden ‘mit Bildern verzieren, gestalten, nachbilden, vorstellen’ (vgl. gleichbed. mnd. bē̌lden, bilden und nl. beelden ‘bilden, abbilden, malen’). Das bis heute ein Formen realer Gegenstände, namentlich ein Gestalten visuell erfaßbarer Kunstwerke (bildende Kunst, 18. Jh., anfangs im Plur.) bezeichnende Verb findet im Sprachgebrauch der Mystiker auch Anwendung auf den geistig-seelischen Bereich; von der Mitte des 18. Jhs. an und besonders in der Klassik wird bilden zum Ausdruck für die Bestrebungen der bürgerlich-humanistischen Pädagogik; gleichzeitig werden daher auch das Part.adj. gebildet, das das Erziehungsergebnis kennzeichnet, und dessen Substantivierung der Gebildete üblich. Sich anschließende Präfixbildungen sind abbilden Vb. ‘im Bilde darstellen’ (16. Jh.; dazu Abbildung f. ‘bildliche Wiedergabe’, 2. Hälfte 16. Jh.); ausbilden Vb. ‘mit bestimmten Kenntnissen und Fertigkeiten versehen’, auch ‘entwickeln, formen’, mhd. ūʒbilden ‘eine Nachbildung zeigen’ (dazu Ausbildung f. ‘Schulung, Entwicklung’, 1. Hälfte 17. Jh.); einbilden Vb. reflexiv ‘sich der Wirklichkeit widersprechende Vorstellungen machen, sich etw. in den Kopf setzen’, mhd. īnbilden ‘einprägen, in der Seele abbilden’ (bei den Mystikern), im älteren Nhd. (reflexiv) noch allgemein ‘sich etw. vorstellen’, dann ‘sich falsche Vorstellungen machen’ (auch hinsichtlich des eigenen Wertes); dazu gehören Einbildung f. ‘falsche Vorstellung, Überheblichkeit’, mhd. īnbildunge ‘das Einbilden, In-die-Seele-Senken’, das Kompositum Einbildungskraft f. ‘Phantasie’ (1. Hälfte 17. Jh., vereinzelt im 16. Jh.) sowie das in jüngerer Zeit sich verselbständigende eingebildet Part.adj. ‘überheblich’ (17. Jh.). Bildner m. ‘Gestalter, Former’, ahd. bilidāri, bilideri ‘Bildner, Gestalter, Schöpfer’ (9. Jh.?), mhd. bildære, bildenære ‘Bildner, Schöpfer’, auch ‘Vorbild, Muster’, nhd. Bilder ‘Schöpfer’ noch bis ins 18. Jh. neben sich schließlich durchsetzendem Bildner, das jetzt auf die gehobene Ausdrucksweise beschränkt ist oder als zweites Kompositionsglied z. B. in Bühnen-, Kostüm-, Maskenbildner vorkommt. bildsam Adj. ‘formbar’, übertragen auch ‘für Lehren empfänglich, erziehbar’, vereinzelt spätmhd. bildsam ‘vorbildhaft’, nhd. in den heutigen Verwendungen seit Mitte des 18. Jhs. Bildung f. ‘der Vorgang des Entfaltens der geistigen Anlagen, des Erziehens sowie dessen Ergebnis’, auch ‘Schaffung, Formung’ und ‘Gestalt’, ahd. bilidunga ‘Widerschein, Abbild’ (11. Jh.), bei Notker (für lat. imāginātio) ‘Vorstellung, Vorstellungskraft’ (vgl. asächs. unbiliðunga ‘Unförmigkeit’, 11. Jh.), mhd. bildunge ‘Bildnis, Gestalt, Muster’, in der Mystik ‘Phantasie’; nhd. zunächst vor allem ‘bildliche Darstellung, Abbild’ und (sehr verbreitet im 18. Jh.) ‘Gestalt’, seit Mitte des 18. Jhs. (dem Verb bilden entsprechend, s. oben) auch ‘geistig-seelische Formung des Menschen, Erziehung’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Material Stoff

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bildsam‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sind die Kinder vor dem zehnten Lebensjahr nicht „geistig hungrig“, nicht „bildsam“?
Die Zeit, 09.08.1985, Nr. 33
Der Ton eignete sich vorzüglich für die Töpferscheibe, war bildsam.
o. A.: Lexikon der Kunst - B. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1987], S. 8184
Bedauerlicherweise setzt ihre dankenswerte Tätigkeit erst dann ein, wenn die jungen Menschen die bildsamste Phase ihres Lebens bereits abgeschlossen haben, zu spät also.
Die Welt, 03.09.2003
Das Kind dagegen ist wie bildsames Wachs gegenüber den Einflüssen der Umwelt.
Gesundheit und Erziehung, 1933, Nr. 4, Bd. 46
Es sind nur gewisse Teile der Lebensordnung weicher, bildsamer gemacht, es sind die Türen aufgemacht für Ausnahmen und Besonderheiten.
Schmoller, Gustav: Grundriß der Allgemeinen Volkswirtschaftslehre Erster Teil, Berlin: Duncker & Humblot 1978 [1900], S. 50
Zitationshilfe
„bildsam“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/bildsam>, abgerufen am 21.10.2019.

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