bieten

GrammatikVerb · bietet, bot, hat geboten
Worttrennungbie-ten
Wortbildung mit ›bieten‹ als Erstglied: ↗Bieter  ·  mit ›bieten‹ als Letztglied: ↗anbieten · ↗aufbieten · ↗ausbieten · ↗darbieten · ↗feilbieten · ↗hinbieten · ↗mitbieten · ↗unterbieten · ↗überbieten
 ·  mit ›bieten‹ als Grundform: ↗bietend · ↗entbieten · ↗erbieten
 ·  formal verwandt mit: ↗Bot2 · ↗Bott
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdm. etw. in Aussicht stellen, versprechen, zusichern
Beispiele:
jmdm. Geld, eine hohe Summe bieten
dem Finder eine Belohnung bieten
jmdm. eine Entschädigung, einen Ersatz bieten
was bietest du mir dafür als Gegenwert?
jmdm. eine Chance, Möglichkeit bieten
etw. bietet sich (jmdm.)etw. eröffnet sich (jmdm.)
Beispiele:
jmdm. bietet sich eine günstige Gelegenheit, neue Chance, besondere Perspektive
eine Handhabe, Angriffsfläche bietet sich
2.
jmdm. etw. geben, gewähren
Beispiele:
gehoben einem Verzweifelten Trost, Halt bieten
gehoben jmdm. Obdach, Schutz, Unterschlupf, Asyl bieten
dem Käufer eine Garantie bieten
Schließlich, was kann ich einer Frau bieten? [G. Hauptm.SonnenaufgangIII]
3.
gehoben jmdm. etw. hinhalten, reichen
Beispiele:
jmdm. die Hand (zum Gruße), die Lippen, Wange (zum Kusse) bieten
einer Dame den Arm bieten
einem Raucher Feuer bieten
er bot den Herren seine Dose [Storm1,156]
bildlich
Beispiele:
jmdm. die Hand (= zum Frieden, zur Versöhnung) bieten
daß Ihr die Hand nicht zu einem falschen Spiel bietet [H. KurzSonnenwirt398]
übertragen jmdm. etw. als Widerstand entgegenhalten
Beispiele:
dem Feinde die Spitze, Stirn bieten
einer Gefahr Trotz, Widerstand bieten (= entgegensetzen)
Schach bieten (= beim Schachspiel den König des Gegners bedrohen)
4.
veraltend jmdm. einen Gruß bietenjmdn. grüßen
Beispiele:
jmdm. guten Weg bieten (= wünschen)
Bot ihm jemand einen Gruß, dann stellte er sich taub [PolenzBüttnerbauer1,372]
5.
etw. zeigen, darbieten
Beispiele:
ein neues Programm, wertvolle Filme, gute Musik bieten
er bot eine reife, gute Leistung
diese Arbeit bietet (= bereitet) große Schwierigkeiten
sich bieten
Beispiele:
gehoben unseren Augen bot sich ein herrlicher Anblick, erhebendes Schauspiel, Bild des Grauens
neue Schwierigkeiten bieten sich ihm
Die Schwarzen boten sich ... in schlichter Natürlichkeit [SchomburgkAfrika266]
6.
auf etw. bietenbei einer Versteigerung ein Angebot machen
Beispiele:
auf alte Grafiken bieten
Manz und Marti waren ... die einzigen, welche ernstlich auf den Acker boten [G. KellerRomeo6,78]
7.
jmdm. etw. zumuten
Beispiele:
das hätte mir einer bieten sollen!
[Kleidungsstücke] die man eigenen Mannschaften ... nicht mehr zu bieten wagen darf [A. ZweigGrischa117]
sich [Dativ] etw. (nicht) bieten lassensich etw. (nicht) gefallen lassen
Beispiele:
diese Behandlung hätte ich mir nicht bieten lassen!
wenn du dir alles bieten lässt, kann dir niemand helfen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bieten · Bot(t) · botmäßig · Botmäßigkeit · unbotmäßig · Unbotmäßigkeit · anbieten · Angebot · aufbieten · Aufbietung · Aufgebot · darbieten · Darbietung · entbieten · erbieten · Ehrerbietung · ehrerbietig · erbötig · gebieten · Gebieter · Gebieterin · gebieterisch · Gebot · verbieten · Verbot
bieten Vb. ‘darreichen, anbieten, gewähren’. Ahd. biotan ‘bekanntmachen, entgegenstrecken, anbieten’ (8./9. Jh.), mhd. bieten ‘anbieten, darreichen, gebieten’ erweist sich durch Entsprechungen wie asächs. biodan ‘bieten’, mnd. bēden, mnl. nl. bieden, afries. biāda ‘bieten’, aengl. bēodan ‘gebieten, anbieten, ankündigen, zeigen’, engl. to bid (verschmolzen mit dem unter ↗bitten behandelten Verb, s. d.) ‘bieten, ankündigen, gebieten’, anord. bjōða ‘bieten’, schwed. bjuda ‘gebieten, anbieten, zeigen’ und got. anabiudan ‘entbieten, befehlen’, faúrbiudan ‘verbieten’ als gemeingerm. Verb (germ. *beudan); dieses stellt sich lautlich zu außergerm. Verwandten wie griech. pé͞uthesthai (πεύθεσθαι), pynthánesthai (πυνθάνεσθαι) ‘erfragen, erfahren, merken’, aind. bṓdhati ‘wacht, beachtet, versteht’ (wozu das Kausativum aind. bōdháyati ‘erweckt, macht aufmerksam’ und das Part. Perf. buddháḥ ‘erweckt, erleuchtet’, vgl. Buddha), aslaw. bъděti ‘wachen’, bl’usti ‘wahren, achtgeben’, russ. budít’ (будить) ‘wecken’, bljustí (блюсти) ‘behüten, bewahren’, lit. budė́ti ‘wachen’. Gemeinsamer Ausgangspunkt ist ie. *bheudh- mit differenzierter Bedeutungsentfaltung: ‘wach, geistig rege sein, beobachten, erkennen’, auch (so in den germ. Sprachen) ‘zur Aufmerksamkeit veranlassen, kundtun, gebieten, darbieten’. Im Dt. gehen bestimmte Bedeutungen des einfachen Verbs in den älteren Sprachstufen (‘bekanntmachen’, ‘gebieten’) zunehmend auf Präfixbildungen über (s. unten). Zu bieten im Sinne von ‘befehlen’ das ablautende Verbalabstraktum Bot(t) n. (heute nur landschaftlich) ‘Gebot, Befehl, Angebot, Aufgebot, Versammlung’, ahd. bot ‘Meinung, Beschluß’ (um 1000), mhd. mnd. mnl. bot, afries. aengl. bod, anord. boð (germ. *-buda-). Dazu botmäßig Adj. ‘untertan, tributpflichtig’, spätmhd. botmæzec (14. Jh.), Botmäßigkeit f. ‘Herrschaft’ (16. Jh.). Dazu im 19. Jh. unbotmäßig Adj. ‘widersetzlich’, Unbotmäßigkeit f. anbieten Vb. ‘darreichen, zur Verfügung stellen, vorschlagen’, mhd. an(e)bieten ‘anbieten, vor Gericht laden’, mnd. anbēden ‘anbieten, entbieten’, vgl. nl. aanbieden ‘anbieten, darreichen’ (hingegen got. anabiudan ‘entbieten, befehlen’, asächs. anbiodan ‘entbieten, melden’). Dazu Angebot n. ‘Vorschlag, Bereitschaftserklärung’, auch ‘Gesamtheit der zum Verkauf stehenden Waren’; als Ableitung vom präfigierten Verb zunächst in der Form mnd. anbot, nhd. Anbot (15. bis 19. Jh., danach noch öst.), seit Ende des 18. Jhs., wohl durch Einwirkung von gebieten (s. unten) und ↗Gebot (s. d.), in der heutigen Lautgestalt; in der Sprache der Wirtschaft von der 1. Hälfte des 19. Jhs. an oft in dem terminologischen Wortpaar Angebot und Nachfrage. aufbieten Vb. ‘aufrufen, aufwenden’ und ‘öffentlich verkünden’ (jetzt eingeschränkt auf die Bekanntgabe einer beabsichtigten Eheschließung), mhd. ūfbieten ‘in die Höhe strecken, darreichen, bekanntmachen, aufrufen’, mnd. upbēden ‘bekanntmachen, zur Einlösung eines Pfandes auffordern’; die im älteren Nhd. vorherrschende Bedeutung ‘zum Heeresdienst aufrufen’ lebt heute in Übertragungen wie alle Kräfte, seinen ganzen Einfluß, Willen aufbieten. Substantivische Ableitungen sind Aufbietung f. ‘das Aufbieten’ (mnd. upbēdinge, nhd. seit 15. Jh.), anfangs zu verschiedenen Bedeutungen des Verbs, nach Ende 18. Jh. nur ‘Aufwendung’ (Aufbietung aller Kräfte, Mittel u. ä.), und Aufgebot n. ‘Bekanntmachung’ (namentlich einer beabsichtigten Eheschließung), früher vor allem ‘Aufforderung’ (zu Heeresdienst, Fron usw.) sowie ‘was aufgeboten wird’ (z. B. die Gesamtheit der Wehrpflichtigen); zunächst häufiger in der Form Aufbot (15. bis 18. Jh.), doch gewinnt das vereinzelt schon im 14./15. Jh. nachzuweisende (und mit einer im 15. bis 17. Jh. neben aufbieten bezeugten Variante aufgebieten korrespondierende) Aufgebot seit dem 17. Jh. den Vorrang. darbieten Vb. ‘anbieten, darreichen’ und übertragen ‘zeigen, vorführen’ (reflexiv ‘sich zeigen’), ahd. thara biotan (9. Jh.), mhd. dar bieten ‘dahin reichen’ sind wohl schon als Einheit von Adverb und Verb aufzufassen; fest verbunden mnd. dārbēden und im Frühnhd.; dazu Darbietung f. ‘das Darbieten’; seit Anfang 16. Jh. als Nomen actionis ‘das Anbieten’, so verbreitet im 17. Jh. und gelegentlich bis ins 20. Jh.; vom Beginn des 20. Jhs. an meist ‘künstlerisches Gestalten vor einem Publikum, Vorführen’ sowie ‘Vorführung, Vortrag’. entbieten Vb. ‘wissen lassen, mitteilen’, auch ‘zu sich beordern’, ahd. inbiotan ‘zur Kenntnis bringen, gebieten, darreichen’ (um 800), mhd. enbieten ‘durch jmdn. sagen oder gebieten lassen, darreichen’, mnd. en(t)bēden ‘sagen lassen, gebieten’, frühnhd. enbieten, embieten und entbieten, letzteres setzt sich im 17. Jh. durch; in älterer Zeit vorwiegend ‘eine Botschaft, einen Gruß übermitteln’, dann ‘durch Botschaft herrufen’ (17. Jh.); seit dem 19. Jh. nur noch selten. erbieten Vb. reflexiv ‘seine Bereitschaft erklären’, ahd. irbiotan ‘zur Kenntnis bringen, darreichen, erweisen’, reflexiv ‘sich zeigen, erweisen’ (8. Jh.), mhd. erbieten ‘darreichen, erweisen’, reflexiv ‘sich erweisen, darbieten’ (vgl. aengl. ābēodan ‘mitteilen, anbieten, gebieten’); vom Mhd. an bis ins 18. Jh. auch der substantivierte Infinitiv Erbieten n. ‘Angebot’; aus der häufig vorkommenden Fügung Ehre erbieten, ahd. ēra irbiotan, mhd. ēre (er)bieten entwickeln sich auf der Grundlage der postverbalen Ableitungen spätmhd. erbietunge, mnd. erbēdinge f. und frühnhd. erbietig, erbütig Adj. die Zusammensetzungen Ehrerbietung f. ‘Hochachtung’ (mnd. ērerbēdinge, frühnhd. 15. Jh.) und ehrerbietig Adj. ‘achtungsvoll’ (16. Jh.), denen zunächst Ehrbietung (15. Jh.; auch mnd. ērbēdinge) und ehrbietig (Anfang 16. Jh.) als Zusammenbildungen mit dem einfachen Verb bieten vorausgehen. Neben frühnhd. erbietig, erbütig steht ablautend erbötig Adj. ‘bereit, willig’, mnd. erbȫdich, erbōdich, frühnhd. seit dem 16. Jh. gebieten Vb. ‘befehlen, über etw. Befehls-, Verfügungsgewalt haben’, ahd. gibiotan ‘zur Kenntnis bringen, befehlen, herrschen’ (um 800), mhd. gebieten ‘ausstrecken, darreichen, entbieten, befehlen’; dem Westgerm. gemeinsame Präfixbildung (aengl. gebēodan ‘befehlen, bekanntmachen, anbieten’, asächs. gibiodan ‘gebieten, befehlen’, mnd. gebēden ‘gebieten, befehlen’, reflexiv ‘sich erbieten’, mnl. gebieden ‘bekanntmachen, befehlen, anbieten’), im Dt. anfangs mit perfektivem Sinn neben dem einfachen Verb, das ebenfalls ‘befehlen’ bedeutet, doch trennen sich die Verben hinsichtlich ihrer Bedeutungen seit dem Mhd. Als Ableitungen gehören hierzu ↗Gebiet, ↗Gebot (s. d.) sowie Gebieter m. ‘wer Befehlsgewalt hat’, ahd. gibiotāri (Hs. 13. Jh.), mhd. gebietære, gebieter, mnd. gebēder mit gleicher Bedeutung, dem sich Gebieterin f. ‘Herrin’ (mhd. gebietærinne, gebieterīn) und gebieterisch Adj. ‘herrisch, keinen Widerspruch duldend’ (Anfang 17. Jh.) anschließen. Gebot n. ‘Befehl, Anordnung, Vorschrift’, ahd. gibot ‘Befehl, Erlaß’ (um 800), mhd. gebot ‘Auftrag, Ladung zum Erscheinen, Verbot, Herrschaft’, asächs. gibod, mnd. gebot, gebode, mnl. ghebot, nl. gebod, aengl. (ge)bod. verbieten Vb. ‘untersagen, nicht erlauben’, ahd. firbiotan ‘zur Kenntnis bringen, gebieten, untersagen, verhindern’ (8. Jh.), mhd. verbieten ‘vorladen, verhindern, untersagen, mit Beschlag belegen’; vgl. dazu (teilweise mit einem nhd. vor, für entsprechenden Präfix) aengl. forbēodan, engl. to forbid, anord. fyrirbjōða ‘verbieten, verhindern’, got. faúrbiudan ‘verbieten’, mnd. vorbēden ‘gebieten, vorladen, anbieten, verbieten’; im Dt. drückt das präfigierte Verb anfangs (bis ins ältere Nhd.) sowohl das nachdrückliche Anordnen wie auch das Untersagen einer Handlung aus, jetzt gilt nur noch die letztere Verwendung. Abgeleitet ist Verbot n. ‘Anordnung, etw. zu unterlassen’, ahd. firbot ‘Verbot’ (9. Jh.?), mhd. verbot ‘Verbot, Beschlagnahme, Vorladung’, mnd. vorbot ‘Angebot, Verbot, Beschlagnahme’ (vgl. aengl. forbod ‘Verbot, Widerrufung’).

Thesaurus

Synonymgruppe
anbieten · ↗andienen · bieten · ↗zeigen
Synonymgruppe
anbieten · ↗bereithalten · ↗bereitstellen · bieten · ↗feilbieten · ↗offerieren · zur Verfügung stellen  ●  ↗entbieten  veraltet · ↗feilhalten  veraltet
Assoziationen
Synonymgruppe
(über etwas) verfügen · ↗aufweisen · ausgestattet sein (mit) · ↗besitzen · bieten · ↗haben  ●  aufwarten mit  geh., fig.
Assoziationen
Synonymgruppe
bieten · ↗eröffnen · ↗offenstehen
Synonymgruppe
aufwarten (können) mit · bieten · ↗vorweisen (können) · zu bieten haben
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alternative Anlaß Anreiz Beispiel Bild Chance Gelegenheit Gewähr Information Kunde Leistung Möglichkeit Paroli Perspektive Programm Schutz Service Sicherheit Stirn Vorsicht Vorteil an anbieten auch aufbieten dafür darbieten mehr nur sie

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bieten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und für Studenten hat die amerikanische Uni wirklich viel zu bieten.
Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11
Schließlich könnten die Deutschen mit ihrem Angebot nicht mehr Sicherheit bieten.
Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 330
Aber auch diese bieten ihnen nicht wirklich Musik des »ersten Daseins«.
Hoerburger, Felix u. a.: Volksgesang. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1966], S. 4486
Trotzdem bot der Führer abermals die Hand zum Frieden (4624 D).
Archiv der Gegenwart, 2001 [1944]
Auch hier bietet wieder die religiöse Sprache den charakteristischen Ausdruck.
Baeck, Leo: Das Wesen des Judentums, Frankfurt a. M.: Kauffmann 1932 [1905], S. 208
Zitationshilfe
„bieten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/bieten>, abgerufen am 23.10.2019.

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