betulich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-tu-lich (computergeneriert)
Wortbildung mit ›betulich‹ als Erstglied: ↗Betulichkeit
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mütterlich (rührig) besorgt, zutraulich
Beispiele:
eine alte betuliche Dame, Pensionswirtin
betuliche Fürsorge
erinnere ich mich noch an Geheimrat Haenel und die betulichen Krankenschwestern [KästnerJunge55]
2.
beschaulich, gemächlich
Beispiel:
Sie sah den Tapezierer betulich den Quast in den Kreideeimer tuppsen [BredelSöhne241]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tun · tunlich · betulich · Tunichtgut · abtun · antun · umtun · vertun · zutun · Zutat
tun Vb. ‘eine Tätigkeit verrichten’, reflexiv (unpersönlich) ‘sich ereignen’. Das Verb (mit ehemals reduplizierenden Präteritalformen) ahd. (8. Jh.), mhd. tuon, asächs. mnd. dōn, mnl. nl. doen, aengl. dōn, engl. to do ‘tun’ setzt westgerm. *dō- voraus, eine wohl ablautende Form der Wurzel ie. *dhē- ‘setzen, stellen, legen’. Als Verwandte sind vergleichbar aind. dádhāti ‘setzt, stellt hin, legt’, griech. tithénai (τιθέναι) ‘stellen, setzen, legen’, lat. abdere ‘weggeben, -tun, entfernen, verbergen, verstecken’, addere ‘hinzutun, -fügen, vermehren’, condere ‘gründen, einlegen, bergen, bedecken’, facere (Perf. fēcī) ‘tun, machen’, air. dorat ‘hat gegeben’, lit. dė́ti ‘setzen, stellen, legen, hineintun, säen, pflanzen’, aslaw. děti ‘legen, setzen, stellen’, dějati ‘tun, verrichten’, russ. det’ (деть) ‘hinlegen, verbrauchen’. S. auch ↗Tat (mit anord. dāð und got. -dēþs, die Reflexe des im Nordgerm. und Ostgerm. nicht belegten Verbs zeigen) und ↗-tum. tunlich Adj. ‘zum Tun geeignet, ratsam, sinnvoll, zweckmäßig, möglich’ (16. Jh.). betulich Adj. ‘rührig, besorgt, zutraulich, beschaulich’ (18. Jh.), zu heute veraltetem betun ‘sich geschäftig zeigen, sich abgeben’, ahd. bituon ‘verschließen, zumachen, behandeln’ (8. Jh.), mhd. betuon ‘be-, einschließen’. Tunichtgut m. ‘wer öfters Unfug treibt, Taugenichts’ (17. Jh.), imperativischer Satzname; vgl. Thukeingut (1586), Thunichts (Stieler 1691). abtun Vb. ‘ablegen, mit Geringschätzung erledigen, ins reine bringen’, mhd. abetuon ‘entfernen, abschaffen, abstellen’, ahd. (zweifelhaft) abatuon ‘entfernen’ (9. Jh.). antun Vb. ‘anziehen, jmdm., sich etw. zufügen, bereiten, erweisen’, ahd. anatuon ‘anziehen, auflegen, aufsetzen, (Böses) zufügen’ (8. Jh.), mhd. anetuon ‘anlegen’, reflexiv ‘sich ankleiden’. umtun Vb. ‘umhängen, umlegen’, reflexiv ‘sich umsehen, sich erkundigen, sich bemühen’ (16. Jh.), mhd. umbetuon ‘herumbringen, von seiner Ansicht abbringen, überwinden’. vertun Vb. ‘verschwenden, vergeuden, ohne rechten Sinn verbrauchen, nutzlos zubringen’, reflexiv ‘sich irren’, ahd. firtuon ‘freveln’, reflexiv ‘sich vergreifen an’ (9. Jh.; vgl. ahd. firtān Part.adj. ‘schlecht, böse’, 8. Jh.), mhd. vertuon ‘aufbrauchen, verzehren, vergeblich tun’, reflexiv ‘sich versammeln, verschwenderisch leben, sich durch Handeln verfehlen’. zutun Vb. ‘hinzufügen, zusetzen, hinzulegen, schließen’, ahd. (8. Jh.), mhd. zuotuon; Zutat f. ‘zur Herstellung einer bestimmten Sache notwendiger oder wünschenswerter Bestandteil, Beigabe, Ergänzung’ (18. Jh.), zuvor ‘zweckvolles Tun’ (16. Jh.); vgl. mnd. tōdāt ‘Hinzufügung, Hilfe’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(über)bemüht · ↗(über)fürsorglich · Umstände machen(d) · mütterlich besorgt · ↗tantenhaft · ängstlich besorgt  ●  betulich  Hauptform
Assoziationen
  • (jemandem) jede Arbeit abnehmen · hätscheln und tätscheln · ↗verhätscheln · ↗verpäppeln · ↗verweichlichen · ↗verwöhnen · ↗verziehen · ↗verzärteln · von vorne bis hinten bedienen · überbehüten  ●  in Watte packen  fig. · (es jemandem) vorne und hinten hereinstecken  derb, fig. · (immer nur) mit Samthandschuhen anfassen  ugs., fig. · (jemandem) Zucker in den Arsch blasen  derb, fig. · (jemandem) den (eigenen) Hintern hinterhertragen  ugs. · (jemandem) den Arsch nachtragen  derb, fig., variabel · (jemandem) den Arsch pudern  derb, fig. · betuddeln  ugs., norddeutsch · betutteln  ugs., norddeutsch · betüddeln  ugs., norddeutsch · ↗betütern  ugs., norddeutsch · ↗verpimpeln  ugs., regional
  • belehrend · ↗besserwisserisch · mahnend · ↗oberlehrerhaft · ↗schulmeisterlich · schulmeisternd · warnend  ●  mit erhobenem Zeigefinger  fig. · ↗gouvernantenhaft  geh.
  • bieder · brav und bieder · ↗hausbacken · ↗reizlos · ↗schlicht

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atmosphäre Erzähler Idyll Image Inszenierung Stil Text Ton Tonfall Umgang altmodisch bieder brav daherkommen eher erzählt fast geltend klingen manchmal oft sonst umständlich wirken wirkend zugehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›betulich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zum Schluss bekommt das allerdings auch einen betulich belehrenden Ton.
Die Zeit, 18.10.2010 (online)
Heute wird es nicht so betulich wie sonst zu gehen.
Bild, 06.06.2000
Und der Wirt kam, saß betulich in der Stube, redete mancherlei und erkundigte sich zum Schluß, ob nichts anzurichten sei.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 437
Seine kleine, rundliche, betuliche Frau segelte besorgt und geschäftig um ihn herum.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 268
Die wiederum waren höchst adrett, vielleicht um einen Schuß zu betulich.
Schröter, Heinz: Ich, der Rentnerkönig, Genf: Ariston 1985, S. 175
Zitationshilfe
„betulich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/betulich>, abgerufen am 22.10.2019.

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