besinnlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-sinn-lich (computergeneriert)
Wortzerlegungbesinnen-lich
Wortbildung mit ›besinnlich‹ als Erstglied: ↗Besinnlichkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

beschaulich
Beispiele:
eine besinnliche Feierstunde
eine besinnliche Erzählung, Geschichte
besinnliche Worte
er ist ein besinnlicher Mensch
sie schaute besinnlich (= nachdenklich) ... vor sich hin [Feuchtw.Simone131]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

sinnen · besinnen · besinnlich · Besinnung · entsinnen · ersinnen · sinnieren · Ansinnen
sinnen Vb. ‘nachdenken, grübeln, seine Gedanken planend auf etw. richten’, ahd. sinnan ‘gehen, reisen, wandern, streben, verlangen’ (9. Jh.), mhd. sinnen ‘gehen, reisen, wahrnehmen, merken, verstehen, seine Gedanken oder Begierden auf etw. richten’, mnd. sinnen ‘erstreben, denken, nachsinnen’, nl. (aus dem Dt.) zinnen, aengl. sinnan, auch ‘achthaben, sorgen’. Für das stark flektierende Verb und das zugehörige, unter ↗Sinn (s. d.) behandelte Verbalsubstantiv ist von einem Nasalpräsens germ. *senþnan, *sendnan auszugehen, das sich mit ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’ (8. Jh.), mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Mal, Gang’, got. sinþs ‘Gang’ (s. ↗Gesinde sowie verwandtes ↗senden) und dem dazu gebildeten schwach flektierenden Verb ahd. sindōn ‘sich auf den Weg begeben, reisen’ (um 800), mhd. sinden, asächs. sīðon, aengl. sīþian, anord. sinna sowie mit air. sēt ‘Weg’, awest. hant- ‘gelangen (lassen)’, kymr. hynt ‘Weg, Straße’, lit. siũͅsti ‘senden, schicken’, auch mit lat. sentīre ‘fühlen, empfinden, wahrnehmen, Einsicht haben, meinen, denken’, sēnsus ‘Empfindung, Gesinnung, Ansicht, Sinn’, lit. sintė́ti ‘sich entschließen, denken’ auf eine Wurzel ie. *sent- ‘eine Richtung nehmen, gehen’, übertragen ‘empfinden, wahrnehmen’ zurückführen läßt. Als Ausgangsbedeutung für die heute allein geltende übertragene Verwendung ist ‘seine Gedanken in eine Richtung gehen lassen, sie auf etw. richten’ anzusetzen. besinnen Vb. ‘überlegen, nachdenken, sich erinnern’, in neuerer Zeit nur reflexiv, mhd. besinnen ‘worüber nachdenken, etw. ausdenken’, reflexiv ‘sich bewußt werden, überlegen’. besinnlich Adj. ‘nachdenklich, beschaulich’, mhd. besintlīche Adv. ‘mit Überlegung’ (mit unorganischem -t-), frühnhd. besynnlich (16. Jh.). Besinnung f. ‘Überlegung, Erinnerung, Bewußtsein’ (17. Jh.), ohne Besinnung ‘ohne Bewußtsein’ (18. Jh.). entsinnen Vb. reflexiv ‘sich erinnern’, älter auch transitiv ‘der Sinne berauben’, mhd. entsinnen ‘von Sinnen kommen’, reflexiv ‘zu Verstand kommen, bei Verstand sein, etw. in seinen Verstand aufnehmen, erkennen, erinnern’. ersinnen Vb. ‘erdenken, ausdenken’, mhd. ersinnen ‘erforschen, erdenken, erwägen’. sinnieren Vb. ‘grübeln, nachdenken’ (19. Jh.), moderne Weiterbildung in Analogie zu anderen Verben auf -ieren. Ansinnen n. ‘Forderung, (nicht zumutbarer) Vorschlag’ (15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
besinnlich · ↗nachdenklich
Synonymgruppe
beschaulich · besinnlich · ↗kontemplativ · versunken
Assoziationen
Religion
Synonymgruppe
besinnlich · ↗kontemplativ · ↗meditativ

Typische Verbindungen
computergeneriert

Advent Adventszeit Ausklang Einkehr Feiertag Fest Festtag Jahresausklang Lied Rückblick Rückschau Schlußwort Spaziergang Stille Vorweihnachtszeit Weihnachten Weihnachtsfeier Weihnachtsfest Weihnachtsgeschichte Weihnachtsstimmung Weihnachtstag Weihnachtszeit ausgelassen friedvoll fröhlich heiter nachdenklich ruhig still zugehen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›besinnlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Danach ist man für jede Form von besinnlicher Tätigkeit verdorben.
Die Zeit, 23.03.2000, Nr. 13
Schon in Bonn haben die Bayern alljährlich zur "Besinnlichen Stunde im Advent" eingeladen.
Der Tagesspiegel, 12.12.1999
Und damit verschwand auch das gewinnende Lächeln und machte einem besinnlichen Ernst Platz.
Morris, Gerda: Brigitte wehrt sich, Düsseldorf: Iltis 1952, S. 35
Zu seinem Jenseits gelangt Freud durch besinnliche Betrachtungen über das kindliche Spiel.
Bühler, Karl: Die Krise der Psychologie, Jena: G. Fischer 1929 [1927], S. 175
Schule, Landarbeit und Handwerksarbeit wechselten mit frohem Spiel und besinnlichen Feiern.
Blättner, Fritz: Geschichte der Pädagogik, Heidelberg: Quelle & Meyer 1961 [1951], S. 233
Zitationshilfe
„besinnlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/besinnlich>, abgerufen am 19.04.2019.

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