beseelen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-see-len
GrundformSeele
Wortbildung mit ›beseelen‹ als Erstglied: ↗Beseelung  ·  mit ›beseelen‹ als Letztglied: ↗unbeseelt  ·  mit ›beseelen‹ als Grundform: ↗Beseeltheit
eWDG, 1967

Bedeutung

gehoben etw., sich, jmdn. beseelenetw., sich, jmdn. mit Seele, mit innerem Leben erfüllen
Beispiele:
der Künstler hat den alten Stoff neu beseelt
eine von ihrem Dichter beseelte Gestalt
strahlende Augen beseelten ihr Antlitz
das Instrument schien sich unter seinen Händen zu beseelen
oft im Part. Prät.
Beispiele:
ein beseeltes Antlitz
beseelte Hände
ein beseelter (= seelenvoller) Blick
beseelte Worte
das beseelte (= gefühlvolle, verinnerlichte) Spiel des Geigers, Schauspielers
aus den Gehirnautomaten wieder beseelte Wesen zu machen [HalbeInsel d. SeligenII]
jmdn. mit etw. beseelenjmdn. mit etw. erfüllen
Beispiele:
jmdn. mit Mut beseelen
dein Brief hat mich mit neuer Hoffnung beseelt
etw. beseelt jmdn.etw. erfüllt jmdn.
Beispiele:
Freude, Hoffnung, Hass beseelte ihn
alle beseelte der gleiche Geist, ein gemeinsamer Wille
ihn beseelte nur der Wunsch, mit ihr zusammen zu sein
von etw. beseelt sein
Beispiele:
alle sind von einem Gefühl, Verlangen, einer Absicht beseelt
vom Glauben an den Sieg der guten Sache beseelt
ich sehe ... daß du von guten und lobenswerten Grundsätzen beseelt bist [Th. MannBuddenbrooks1,218]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Seele · seelisch · beseelen · entseelt · seelenverwandt · Seelsorge · Seelsorger
Seele f. ‘Gesamtbereich der menschlichen Empfindungen und des Erlebnisvermögens’, in religiösem Sinne ‘der für unsterblich gehaltene spirituelle Teil des Menschen’, ahd. sēla (8. Jh.), mhd. sēle, asächs. sēola, siola, sēla, mnd. sēle, mnl. siele, nl. ziel, afries. sēle, aengl. sāwol, sāw(e)l, engl. soul, got. saiwala (die nordgerm. Ausdrücke beruhen auf Entlehnung aus dem Aengl.). Herkunft unbekannt. Man vermutet in germ. *saiw(a)lō eine l-Ableitung von dem unter ↗See (s. d.) behandelten Substantiv (‘die vom See Herstammende, zum See Gehörende’), da nach altem Glauben der Germanen die Seelen der Menschen vor der Geburt und nach dem Tod im Wasser leben sollen. Fraglich bleibt jedoch, ob dieser Glaube allgemein verbreitet war; daher wird auch die Meinung vertreten, Seele als bisher unerklärtes Tabuwort anzusehen. Häufig sind formelhafte Fügungen und Wendungen; vgl. Leib und Seele für die ‘körperliche und geistige Seite’ des Menschen, mhd. līp unde sēle, ahd. līhhamo joh sēla (9. Jh.); mit, an Leib und Seele ‘völlig, ganz und gar’ (16. Jh.). Auf der christlichen Vorstellung des göttlichen Ursprungs der unsterblichen Seele beruhen Beteuerungsformeln wie bei meiner Seele, vgl. mhd. bī sēl und triuwe swern. Die Seele wird als der innere, der empfindende Teil des Menschen angesehen, vgl. jmdm. auf der Seele liegen ‘ihn belasten, bedrücken’, auf der Seele haben (18. Jh.), auf die Seele fallen, auf der Seele brennen (19. Jh.); etw. (eine Last) von der Seele wälzen (18. Jh.); jmdm. aus der Seele sprechen ‘die Überzeugung, die Empfindungen eines anderen ausdrücken’ (19. Jh.). Die Fügung schöne Seele, seit den Mystikern des 14. Jhs. (mhd. diu sēle schœne) bis ins 17. Jh. dem religiösen Bereich angehörend, wird unter dem Einfluß Wielands (1750), der „Nouvelle Héloïse“ Rousseaus (frz. belle âme) und der engl. Romanliteratur im Sinne von ‘empfindsames, tugendhaftes Gemüt’ Ausdruck einer Harmonie von innerer Haltung und äußerer Erscheinung. Häufig mit charakterisierendem Attribut für ‘Mensch’ schlechthin, vgl. eine gute Seele ‘ein guter Mensch’, fromme, ehrliche, arme, schwarze Seele (sämtlich 18. Jh.); auch keine Seele ‘niemand’ (17. Jh.), 200 Seelen (18. Jh.); eine Seele von Mann, von Mensch u. ä. (18. Jh.). Die alte Vorstellung, daß sich die Seele im Hauch, im Atem manifestiere, liegt Ausdrücken für ‘sterben’ zugrunde: seine Seele ausblasen (17. Jh.), mhd. die sēle gēt ūʒ dem munde. seelisch Adj. ‘auf die Seele bezüglich, psychisch’ (16. Jh.). beseelen Vb. ‘mit einer Seele versehen’ (17. Jh.), übertragen ‘mit Inhalt, mit Leben, mit Gefühl erfüllen’. entseelt Part.adj. ‘der Seele beraubt, tot’ (17. Jh.), zu entseelen (16. Jh.). seelenverwandt Adj. ‘in seinem innersten Empfinden und Fühlen übereinstimmend oder ähnlich’ (18. Jh.). Seelsorge f. ‘Hilfe, Beratung und Leitung der Gemeindemitglieder’ (durch den Geistlichen im Auftrag der Kirche, 16. Jh.), nach älterem Seelsorger m. ‘Pfarrer’ (15. Jh.), frühnhd. vereinzelt auch ‘Testamentsvollstrecker’ (15. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Dankbarkeit Drang Ehrgeiz Eifer Enthusiasmus Gedanke Geist Gesinnung Glaube Glauben Hauch Haß Ideal Idealismus Leidenschaft Materie Mission Offensivgeist Pathos Pioniergeist Sendungsbewußtsein Siegeswillen Sportsgeist Tatendrang Verlangen Wille Willen Wunsch Zeitgeist beleben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beseelen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es wird vielleicht nur von ihm dann abhängen, einen Toten zu beseelen.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 390
Dabei war das angeklagte Trio vielleicht sogar von einer guten Absicht beseelt.
Süddeutsche Zeitung, 27.03.2002
Auch ist der Kongreß heute von neuem Elan beseelt, Verantwortung zu übernehmen.
Die Zeit, 26.12.1975, Nr. 53
Die japanische Regierung sei vom ernsten Willen beseelt, die zwischen den beiden Ländern schwebenden Fragen einer Lösung entgegenzuführen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1940]
Die materiellen Elemente sind die »Mütter« aller Dinge, sind beseelt.
Eisler, Rudolf: Wörterbuch der philosophischen Begriffe - M. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1904], S. 20239
Zitationshilfe
„beseelen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/beseelen>, abgerufen am 23.09.2019.

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