beschwören

GrammatikVerb · beschwor, hat beschworen
Nebenform veraltend beschwören · Verb · beschwur, hat beschworen
Aussprache
Worttrennungbe-schwö-ren (computergeneriert)
Grundformschwören
Wortbildung mit ›beschwören‹ als Letztglied: ↗heraufbeschwören · ↗hervorbeschwören  ·  mit ›beschwören‹ als Grundform: ↗beschworen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. durch einen Schwur bekräftigen
Beispiele:
er beschwor seine Aussagen vor Gericht
er war sofort tot, ich kann es beschwören
ich kann beschwören (= weiß ganz genau), dass er dabei war
veraltend auf dem Rütli einzutreffen, wo der Bund beschworen wurde [G. KellerGr. Heinrich4,327]
veraltend ich tat, was meine beschworene Pflicht als Gemeindearzt war [Wasserm.Wahnschaffe2,309]
2.
jmdn. dringend, inständig bitten
Beispiele:
er beschwor sie, von ihrem Vorhaben abzulassen
ich beschwöre dich bei allem, was dir heilig ist, sage die Wahrheit
sie rief beschwörend, er solle hier bleiben
ihre Stimme nahm einen beschwörenden Ton an
sie streckte bittend und beschwörend die Hand aus
er verstand nicht ihren beschwörenden (= Einhalt gebietenden) Blick
sprach der taube Professor zu Unrat einige beschwörende (= eindringliche) Worte über die Würde des Erzieherstandes [H. MannUnrat1,511]
3.
durch zauberhafte, magische Gewalt
a)
Macht über etw. erlangen
Beispiel:
Schlangen beschwören
bildlich
Beispiel:
Beichte vollständig! Es ist das einzige Mittel, den aufsteigenden Sturm zu beschwören (= beschwichtigen) [Immerm.8,71]
b)
etw. erscheinen oder verschwinden lassen
Beispiele:
Geister, den Teufel beschwören
Dämonen mit Zauberformeln beschwören
Die Kraft der bösen Geister ist gebannt und beschworen [ScheffelEkkehard1,216]
gehoben, übertragen etw. erstehen lassen
Beispiele:
dieses Buch beschwört die Vergangenheit
[Narziß, der] das Bild der verlorenen Mutter in ihm beschworen hatte [HesseNarziß5,167]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schwören · beschwören · verschwören · Verschwörer · Verschwörung
schwören Vb. ‘(vor Gericht feierlich) einen Eid ablegen’. Das gemeingerm., zu den j-Präsentien gehörende, stark flektierende Rechtswort ahd. swer(i)en, swerren (8. Jh.), mhd. swern, asächs. swerian, mnd. swēren, mnl. swēren, auch ‘fluchen’, nl. zweren, afries. swera, swara, aengl. swerian, engl. to swear, anord. sverja, schwed. svära (germ. *swarjan) und (ohne j-Suffix) got. swaran ist verwandt mit (schwach flektierendem) anord. svara ‘antworten, verteidigen’, svar ‘Antwort, Verteidigung’, schwed. svar ‘Antwort’, asächs. andswōr ‘Antwort’, aengl. andswaru, engl. answer. Die Herkunft ist schwierig zu beurteilen. Wenn sich griech. hermēné͞us (ἑρμηνεύς) ‘Übersetzer, Deuter, Ausleger’, lat. sermo (aus *su̯ermō-?) ‘Wechselrede, Unterhaltung, Gespräch, Vortrag’, aslaw. svarъ ‘Kampf, Streit’, russ. (derb) svára (свара), ssóra (ссора, aus *sъsora) ‘Streit, Zank, Hader’ vergleichen lassen, kann auf eine Wurzel ie. *su̯er- (auch *ser-?) ‘sprechen, reden’ zurückgegangen werden. Es bleibt offen, ob damit die Schallwurzel ie. *su̯er- ‘surren’ mit aind. svárati ‘gibt einen Ton von sich, tönt, erschallt, (be)singt’ (s. ↗Schwarm, ↗schwirren, ↗surren) identisch ist, die hier dann auf ‘sprechen, reden’ ausgedehnt wäre. Vornehmlich aus semantischen Gründen hält Seebold 482 einen Anschluß des Verbs mit beweglichem s- an die Wurzel ie. *u̯er- ‘feierlich sagen, sprechen’ (s. ↗Wort) für möglich. Die Grundbedeutung ist wohl ‘(vor Gericht) reden, aussagen’ und ‘eine Formel feierlich aussprechen’ (vgl. got. aiþis swaran ‘Eide schwören’). Bereits in früher Zeit kann schwören die Bedeutung ‘fluchen’ (noch um 1700 und bis heute z. B. im Engl.) annehmen (bedingt durch den Inhalt des feierlich Versprochenen oder das biblische Verbot, einen Schwur zu leisten?). Redensartlich Stein und Bein schwören ‘etw. fest behaupten’ (16. Jh.); zu erklären aus Stein ‘Altar’ und Bein ‘Heiligenreliquie’? beschwören Vb. ‘durch einen Schwur bekräftigen, inständig bitten, durch Zauberworte Geister und dgl. herbeirufen’, ahd. biswer(i)en, biswerren ‘flehentlich bitten’ (um 800), ‘durch Schwur bezeugen’ (9. Jh.), mhd. beswern, auch ‘mit Zaubersprüchen rufen oder bannen’. verschwören Vb. ‘sich gegen jmdn. mit jmdm. verbinden, ein Komplott schmieden’ (16. Jh.), nach lat. coniurāre ‘sich eidlich verbünden’ und daher anfangs entsprechend sich zusammen verschwören ‘geloben, etw. (nicht) zu tun’; ahd. firswer(i)en ‘falsch schwören’ (9. Jh.), mhd. verswern ‘falsch schwören, sich durch Eid lossagen, eidlich geloben, versichern (etw. nicht zu tun)’, im Sinne von verstärktem schwören. Verschwörer m. ‘Teilnehmer an einer Verschwörung’ (Anfang 19. Jh.); mhd. verswerer ‘wer sich von einem durch Eidschwur lossagt’. Verschwörung f. ‘Komplott’ (17. Jh.); vgl. ahd. firswerunga ‘Beschwörung, Meineid’ (Hs. 12. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
beschwören · ↗hexen · ↗zaubern
Synonymgruppe
(einen) Eid ablegen · (etwas) auf seinen Eid nehmen · Stein und Bein schwören · auf etwas schwören · ↗beeiden · beschwören · durch einen Eid bekräftigen · feierlich schwören · mit einem Eid bekräftigen · schwören beim Leben (seines / ihres ...)  ●  (etwas) schwören  Hauptform
Assoziationen
  • (fest) behaupten · ↗beteuern · ↗betonen · ↗versichern  ●  (jemandem) Brief und Siegel geben (auf)  sprichwörtlich, fig. · ↗affirmieren  geh. · ↗asserieren  geh.
  • den Eid abnehmen · jemanden vereidigen · schwören lassen (auf)
  • (die) Hand darauf geben · (jemandem) in die Hand versprechen · ↗(sein) Ehrenwort (darauf) geben · ↗(sein) Wort (darauf) geben · ein Versprechen (ab)geben · fest versprechen · fest zusagen · hoch und heilig versprechen · ↗verheißen  ●  ↗geloben  fig. · tausend Eide schwören  fig. · ↗versprechen  Hauptform
  • jemanden durch Eid auf, zu etwas verpflichten · unter Eid (stehen) · vereidigt
  • bei allem, was mir heilig ist · bei meiner Ehre · bei meiner Seligkeit · beim Barte des Propheten · beim Leben meine(s) (...) · ich schwöre (es) auf (...) · so wahr mir Gott helfe  ●  auf Ehre und Gewissen  veraltend · ich schwöre (es)  Hauptform · ich schwöre dir nackend in die Hand (dass)  ugs., ruhrdt.
  • (weiter) aufrechterhalten (Aussage, Behauptung) · beharren auf · bestehen auf · bleiben bei · nicht abzubringen sein von · steif und fest behaupten

Typische Verbindungen
computergeneriert

Apokalypse Delegierte Einheit Einigkeit Erinnerung Freundschaft Gefahr Geist Gemeinsamkeit Geschlossenheit Gespenst Magie Mythos Pathos Redner Solidarität Sonntagsrede Teamgeist Tugend Unschuld Untergang Vergangenheit Vision Zuhörer Zusammenhalt eindringlich gern herauf heraufbeschwören herbeibeschwören

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beschwören‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Tina beschwor ihren Vater, nicht mehr aufzutreten, doch der habe geantwortet, er müsse weiter singen, um Geld zu verdienen.
Süddeutsche Zeitung, 09.10.2000
Jedes der drei auf dem Programm stehenden Stücke beschwört auf seine Weise irgendwie das "Schicksal".
Der Tagesspiegel, 28.04.1998
Ich beschwor sie, auf der Stelle mit mir zu fahren.
Rinser, Luise: Mitte des Lebens, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1952 [1950], S. 162
Ob andere da waren, vermag ich nicht zu sagen, denn ich kann nicht beschwören, daß ich das ganze Lager gesehen hätte.
o. A.: Achtundsiebzigster Tag. Montag, 11. März 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 1333
Er beschwor Eva, vorläufig nichts seiner furchtbar verängstigten Frau zu erzählen.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1943. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1943], S. 73
Zitationshilfe
„beschwören“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/beschwören>, abgerufen am 18.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
beschwipst
beschwipsen
Beschwingtheit
beschwingt
beschwingen
Beschwörer
Beschwörung
Beschwörungsformel
Beschwörungskunst
beseelen