berücksichtigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-rück-sich-ti-gen (computergeneriert)
Wortbildung mit ›berücksichtigen‹ als Letztglied: ↗mitberücksichtigen  ·  formal verwandt mit: ↗unberücksichtigt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
auf etw., jmdn. Rücksicht nehmen, etw., jmdn. in Betracht ziehen
Beispiele:
einen besonderen Umstand, die Verhältnisse berücksichtigen
das Finanzamt hat seine schwierige Lage weitgehend berücksichtigt
Gehaltsempfänger mit niedrigem Einkommen müssen bei Steuererlass besonders berücksichtigt werden
daß morgen ... die Zeit abläuft, wo ein Gnadengesuch noch berücksichtigt werden kann [A. ZweigGrischa384]
2.
etw., jmdn. beachten, respektieren
Beispiele:
jmds. Verdienste gebührend berücksichtigen
man sollte diesen tüchtigen Menschen unbedingt berücksichtigen
wenn der Heingeiger als Vater den letzten Willen seiner so tragisch ums Leben gekommenen Tochter nicht berücksichtige [O. M. GrafUnruhe274]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Rücken · zurück · Rückblick · Rückfall · rückfällig · Rückgang · rückgängig · Rückkehr · Rücksicht · rücksichtslos · rücksichtsvoll · berücksichtigen · Rücksprache · Rückstand · rückständig · Rückzug · Rückhalt · rücklings · Rucksack · Rückseite · rückwärts · rückwärtig
Rücken m. ‘Rückseite des menschlichen Oberkörpers, Oberseite des tierischen Rumpfes’, ahd. (h)ruggi (8. Jh.), mhd. rügge, rugge, rück(e), ruck(e), asächs. hruggi- (in hruggibēn ‘Rückenknochen’), mnd. rugge, mnl. rugghe, rigghe, regghe, nl. rug, aengl. hrycg (auch ‘Anhöhe’), engl. ridge (auch ‘Gebirgskamm, Erhöhung, First’), anord. hryggr, schwed. rygg (germ. *hrugja-) führen mit außergerm. Verwandten wie aind. krúñcati ‘krümmt sich, bewegt sich in Krümmungen’, lat. crux (Genitiv crucis) ‘Balken (mit Querholz), Marterpfahl’ (s. ↗Kreuz), ir. crūach ‘Haufen, Schober, Hügel’, korn. cruc ‘Hügel’, lit. kriáuklas ‘(Ge)rippe, Skelett’, kriaũklė ‘Schneckenhäuschen’ auf ie. *(s)kreuk-, eine Erweiterung von ie. *(s)kreu-, seinerseits Erweiterung der verbreiteten und vielfach weitergebildeten Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (s. ↗Reis n.). Mhd. frühnhd. rück(e) nimmt im 16. Jh. die Endung -en aus den obliquen Kasus des zur schwachen Flexion übergetretenen ehemaligen ja-Stammes an. zurück Adv. ‘rückwärts, (nach) hinten, hinter, wieder zum Ausgangspunkt’, ahd. zi rugge (9. Jh.), mhd. ze rucke, zerucke, zerücke ‘hinter sich, rückwärts’, eigentlich ‘nach dem Rücken, auf dem, im Rücken, dem Rücken zu’, mnd. to rugge, mnl. terugghe, nl. terug. zurück bildet Zusammensetzungen mit Verben (vgl. zurückblicken, -gehen, -liegen, -rufen) und in der Regel deren Ableitungen auf -ung (vgl. Zurückbildung, -haltung), während Verbalnomina mit eigener Stammbildung die Kurzform Rück- bevorzugen. Rückblick m. ‘Blick auf Vergangenes’ (Ende 18. Jh.). Rückfall m. ‘Teil der Mitgift, der nach kinderlosem Absterben an die Verwandten zurückgeht, das Zufallen eines Lehens an den Lehnsherrn beim Tode des Lehnsträgers’ (Ende 17. Jh.); dann (wohl als Übersetzung von lat. bzw. medizin.-lat. recidīva) ‘Rückkehr in einen scheinbar überwundenen Krankheitszustand’, übertragen ‘Rückkehr in einen früheren (schlechteren) Zustand’ (18. Jh.); rückfällig Adj. (17. Jh.). Rückgang m. ‘Verringerung, Abnahme’; rückgängig Adj. ‘zum Ausgangspunkt zurückführend, sinkend’ (beide 17. Jh.). Rückkehr f. ‘das Zurückkehren, Heimkehr, Fahrt zum Ausgangspunkt zurück’ (Anfang 18. Jh.). Rücksicht f. ‘Achtsamkeit gegenüber Interessen, Gefühlen anderer, wohldurchdachte Erwägungen, Gründe’ (18. Jh.), Übersetzung von gleichbed. lat. respectus (s. ↗Respekt); rücksichtslos Adj. ‘ohne Rücksicht handelnd, unbedenklich, schonungslos, selbstsüchtig’ (Anfang 19. Jh.), rücksichtsvoll Adj. ‘voll Rücksicht handelnd, Rücksicht nehmend’ (19. Jh.); berücksichtigen Vb. ‘Rücksicht nehmen, in Betracht ziehen, beachten’ (Anfang 19. Jh.). Rücksprache f. ‘Besprechung noch ungeklärter Fragen’ (18. Jh.), eigentlich ‘Bericht des Verhandlungsbevollmächtigten an den Auftraggeber’, wohl aus der nd. Kanzleisprache, mnd. ruggesprāke. Rückstand m. ‘Zurückbleibendes, Rest, noch ausstehende Forderung’ (17. Jh.); rückständig Adj. ‘restlich, übrigbleibend, noch ausstehend (von Zahlungen), überholten Ansichten anhängend, au fniederer Entwicklungsstufe verharrend’ (Ende 17. Jh.). Rückzug m. ‘Zurückweichen vor dem Angriff eines Gegners und Aufgabe des bis dahin besetzten Gebietes’ (17. Jh.). Mit Rücken bzw. älterem Rück(e) sind zusammengesetzt Rückhalt m. ‘Stütze, Hilfe, Rückendeckung, Vorbehalt’ (16. Jh.). rücklings Adv. ‘rückwärts, nach hinten, mit dem Rücken nach vorn oder nach unten’, ahd. ruggilingūn ‘rückwärts, hinten’ (um 900), mhd. rückelingen, frühnhd. rücklings (16. Jh., Luther), s. ↗-lings. Rucksack m. ‘mit Traggurten versehener, auf dem Rücken zu tragender sackartiger Behälter’ (2. Hälfte 19. Jh.), aus den obd. Alpenmundarten in umlautloser Form, vgl. schweiz. ruggsack (Mitte 16. Jh.). Rückseite f. ‘rückwärtige, hintere Seite, Kehrseite’ (18. Jh.). rückwärts Adv. ‘nach hinten, zurück, der ursprünglichen Bewegung entgegengesetzt, mit dem Rücken zuerst, hinten’ (17. Jh.), eigentlich ‘nach der Richtung, wo sich der Rücken befindet’ (s. ↗-wärts). Vgl. spätmhd. zurucke wart (14. Jh.). Auch, zumal bair. und öst., für ‘hinten’ (nach rückwärts ‘nach hinten’), wozu die Weiterbildung rückwärtig Adj. ‘dahinter, hinten, an der Rückseite befindlich oder geschehend’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) genügen · Genüge tun · Rechnung tragen · ↗achten · ↗beachten · berücksichtigen · ↗denken (an) · ↗entsprechen · ↗respektieren · ↗sicherstellen
Assoziationen
Synonymgruppe
(einer Sache) Rechnung tragen · ↗bedenken · berücksichtigen · ↗einberechnen · ↗einbeziehen · ↗einkalkulieren · ↗einplanen · ↗einrechnen · ↗erwägen · in Betracht ziehen · in Erwägung ziehen · in Rechnung stellen · in der Kalkulation berücksichtigen · ↗integrieren · mit einbeziehen · nicht vergessen dürfen  ●  ↗einpreisen  fachspr. · im Hinterkopf behalten  ugs. · in Anschlag bringen  geh. · ↗inkludieren  fachspr. · ↗sehen  ugs.
Assoziationen
Antonyme
  • außer Acht lassen
Synonymgruppe
beachten · berücksichtigen · ↗einplanen · im Gedächtnis behalten
Assoziationen
Synonymgruppe
berücksichtigen · ein offenes Ohr haben für · sich einlassen auf · ↗zuhören

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aspekt Auswirkung Bedenken Bedürfnis Belang Bemessung Berechnung Besonderheit Beurteilung Bewertung Einwand Faktor Gegebenheit Gesichtspunkt Interesse Kosten Kriterium Kurs Planung Risiko Tatsache Umstand Vergabe Wunsch angemessen auch ausreichend dabei man stark

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›berücksichtigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Gerade bei älteren Juden muß man berücksichtigen, daß sie nicht verstehen, wie man interne Probleme an die Öffentlichkeit bringen kann.
Die Welt, 07.01.2005
Aber deren Erfahrungen kann man bei der Bestimmung des eigenen Wegs ruhig berücksichtigen.
Der Tagesspiegel, 05.01.2002
Neben der politischen Geschichte wird die von Verfassung, Wirtschaft weitgehend berücksichtigt.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 456
Und würde man etwa in der Bank bei der Beurteilung seiner Arbeit seine besondere Lage berücksichtigen?
Kafka, Franz: Der Proceß, Frankfurt a. M.: Fischer 1993 [1925], S. 132
Dabei sind indessen die Verluste, die das Heer auch abgesehen von den Kämpfen während eines Jahres erlitten haben muß, nicht genügend berücksichtigt.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,1. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 10971
Zitationshilfe
„berücksichtigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/berücksichtigen>, abgerufen am 24.04.2019.

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