beobachten

GrammatikVerb · beobachtete, hat beobachtet
Aussprache
Worttrennungbe-ob-ach-ten (computergeneriert)
Wortbildung mit ›beobachten‹ als Erstglied: ↗beobachtbar  ·  formal verwandt mit: ↗unbeobachtet
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn., etw. in seinem Tun zu einem bestimmten Zweck (heimlich) betrachten
Beispiele:
jmdn. scharf, aufmerksam, genau, lange, dauernd, ängstlich, heimlich beobachten
etw. ungestört beobachten
jmds. Gesichtsausdruck beobachten
sich beobachtet wissen, fühlen, glauben
beobachtend stehenbleiben
beobachtende Blicke
zu einem bestimmten Zweck auf spezielle Besonderheiten von etw., jmdm. achten
Beispiele:
Naturerscheinungen, die sprachliche Entwicklung beobachten
die Bewegungen des Feindes beobachten
den Patienten in der Klinik beobachten
sich beobachten
Beispiel:
sich selbst bei der Arbeit, im Urlaub beobachten
etw. bemerken
Beispiele:
er beobachtete, dass sie in das Haus ging
das habe ich an ihm nie beobachtet
2.
gehoben
a)
etw. beachten
Beispiele:
eine Verordnung, Vorschrift, Regel, Ordnung, ein Verbot, die Etikette, die (Umgangs)formen beobachten
die schuldige Achtung, Höflichkeit, den nötigen Anstand gegen jmdn. beobachten
b)
etw. üben
Beispiel:
(Still)schweigen, Zurückhaltung, Rücksicht beobachten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

ob1 · Obacht · beobachten · Obdach · obdachlos · Obhut · Obmann · obliegen · Obliegenheit · obsiegen · obwalten · obgedacht · obgemeldet · obberührt · obgenannt
ob1 Präp. ‘wegen, auf Grund’, heute ungebräuchlich, jedoch bis ins jüngere Nhd. noch in gehobener oder altertümelnder Ausdrucksweise; die ursprüngliche Funktion der aus einem lokalen Adverb hervorgegangenen Präposition, ein räumliches Verhältnis anzugeben (‘oberhalb von’, vgl. den Ortsnamen Rothenburg ob der Tauber), ist nur im Schweiz. länger bewahrt, während sich sonst nahe verwandtes ↗über (s. d.) durchsetzt. Reste des adverbiellen Gebrauchs begegnen im präfixartigen ersten Glied nominaler und verbaler Komposita (s. unten). Ahd. oba (8. Jh.), mhd. ob(e) Adv. ‘oben, oberhalb’, Präp. ‘über, oberhalb von’, aengl. ufe- (in ufeweard Adj. ‘aufwärts gerichtet, ansteigend, höher, später’, Subst. ‘Oberteil, Außenseite’), anord. of Präp. Adv. ‘auf, über, durch, zwischen, wegen, gegen’, got. uf Präp. ‘unter’ gehen wie aind. úpa ‘gegen, hin, zu’, apers. upā̌ ‘hin, bei, in’, griech. hypó (ὑπό) Präp. ‘unter’, hýpo (ὕπο) Adv. ‘unten’, lat. sub Präp. ‘unter’ auf ie. *upo, *up, *eup ‘unten an etw. heran’, dann ‘(von unten) hinauf, über’ (s. auch ↗auf) zurück. Obacht f. ‘Aufmerksamkeit, Beachtung, Vorsicht’ (Anfang 17. Jh.), namentlich im Obd. verbreitete Zusammensetzung mit ↗Acht (s. d., daneben älteres Aufacht, zuerst 16. Jh.); heute vor allem in der Fügung Obacht geben ‘achtgeben, aufpassen’ (19. Jh., älter auch etw. in Obacht nehmen, halten, 17. Jh.); dazu beobachten Vb. ‘(über einen längeren Zeitraum) aufmerksam und genau betrachten, im Auge behalten, einhalten, sorgfältig beachten’ (Mitte 17. Jh., bis Ende des 18. Jhs. auch obachten), im wissenschaftlichen Sprachgebrauch häufig für lat. observāre, frz. observer (s. ↗Observatorium). Obdach n. ‘(vorübergehende) Unterkunft, Bleibe’, ahd. obthah ‘Dach, schützende Einfriedung’ (10. Jh.), mhd. ob(e)dach ‘Dach, Unterkunft, Schutz, Überzug, Baumkrone’, im jüngeren Nhd. meist auf die Sphäre gehobenen Stils beschränkt; dazu von der Verwaltungssprache ausgehendes obdachlos Adj. ‘wohnungslos, ohne Bleibe’ (2. Hälfte 19. Jh., vgl. Asyl für Obdachlose, Ende 19. Jh., Obdachlosenasyl, 20. Jh.). Obhut f. ‘fürsorgliche Beaufsichtigung’ (Mitte 17. Jh.), intensivierende Zusammensetzung mit ↗Hut f. (s. d.). Obmann m. ‘wer anderen übergeordnet ist, sie vertritt, Anführer, Vorsteher, Vertrauensmann’, auch ‘Schiedsrichter’, mhd. obeman; im Rechtswesen des 19./20. Jhs. Bezeichnung für den Vorsitzenden und Sprecher der Geschworenen. Als Pluralform steht Obleute (seit Ende 14. Jh.) neben Obmänner. obliegen Vb. heute nur geläufig in unpersönlicher Verwendung etw. obliegt jmdm. ‘etw. ist jmds. (dienstliche) Aufgabe’ (so seit Ende 19. Jh., zuerst obd.; älter etw. liegt jmdm. ob, um 1600), früher ebenfalls jmd. obliegt einer Sache, liegt einer Sache ob ‘jmd. beschäftigt sich mit einer Sache, befleißigt sich ihrer’ (16. Jh.), wohl nach den entsprechenden Gebrauchsweisen von lat. incumbere ‘sich worauf legen, werfen, auf jmdm. lasten’ (spätlat. ‘jmds. Aufgabe sein’); voraus geht ahd. oba liggen ‘obenauf liegen’ (9. Jh.), mhd. obe (ge)ligen ‘oben liegen, die Oberhand gewinnen, siegen, überwinden’, noch fortlebend in frühnhd. obliegen, dann im Nhd. in diesen Bedeutungen nicht mehr üblich. Zum Verb im neueren Sinne stellt sich Obliegenheit f. ‘Aufgabe, Pflicht’ (Ende 17. Jh., den seit Beginn des 16. Jhs. gebräuchlichen substantivierten Infinitiv das Obliegen ablösend). Veraltende Bildungen sind obsiegen Vb. ‘den Sieg davontragen’ (15. Jh.) und obwalten Vb. ‘die Herrschaft ausüben, lenken, leiten’, dann ‘herrschen, vorhanden sein’ (18. Jh.), die höchstens noch in gewählter Rede vorkommen, ferner vorwiegend kanzleisprachliche Partizipialadjektive wie obgedacht, obgemeldet, obberührt (16. Jh.), obgenannt (18. Jh.) ‘oben erwähnt’.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufpassen · ↗beaufsichtigen · beobachten · ↗checken · im Blick haben · im Sichtfeld haben · im Visier behalten · im Visier haben · ↗kontrollieren · ↗nachhalten · ↗überwachen
Unterbegriffe
  • (jemandem) auf die Finger sehen · aufpassen, was jemand tut
Assoziationen
Synonymgruppe
angucken · ↗anschauen · ↗ansehen · beobachten · ↗besehen · ↗betrachten · ↗blicken · ↗gucken · ↗mustern · ↗schauen · ↗untersuchen · ↗zugucken  ●  ↗glotzen  abwertend · ↗kieken  berlinerisch · ↗(sich etwas) reinziehen  ugs. · ↗beaugapfeln  ugs. · ↗beäugen  ugs. · ↗lugen  ugs. · spannern  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(ein) waches Auge haben (auf) · (etwas) im Blick haben · (jemandem/etwas) Beachtung schenken · (sein) Augenmerk richten (auf) · ↗beachten · beobachten · ↗bewachen · ↗hüten · ↗zuschauen · ↗zusehen  ●  (etwas) in Evidenz halten  österr. · (etwas) im Auge behalten  ugs. · ein Auge auf etwas werfen  ugs.
Oberbegriffe
  • (die) Augen offen haben · (die) Augen offen halten · (sehr) aufmerksam sein · ↗(sich) vorsehen · ↗Acht geben · Vorsicht walten lassen · ↗aufpassen · vorsichtig sein
Assoziationen
Synonymgruppe
aufnehmen · ↗aufzeichnen · beobachten · ↗erfassen · ↗skizzieren · ↗verzeichnen
Oberbegriffe
Synonymgruppe
(jemanden) belauern · beobachten · im Auge behalten · nicht aus den Augen lassen · ↗observieren · ständig im Blick haben · ↗überwachen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Argusauge Argwohn Entwicklung Fenster Forscher Geschehen Kamera Nähe Passant Phänomen Sorge Szene Tendenz Tier Treiben Trend Verfassungsschutz Verhalten Vorgang Wissenschaftler Zeuge argwöhnisch aufmerksam aus dabei er genau ich sorgfältig wir

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›beobachten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie haben beobachtet, wie die Frauen sich galant in seine Nähe tanzen um ihn dann wie zufällig zu berühren.
Die Zeit, 27.09.2012, Nr. 40
Und das ist auch gut so, denn da kann er alles beobachten.
Schuh, Franz: Schreibkräfte, Köln: DuMont 2000, S. 33
Dabei kann man gut beobachten, wie sich das Lot verbindet; es »schießt«.
Rosenzweig, Gerhard: Unsere Modelleisenbahn, Gütersloh: Bertelsmann Verlag 1966, S. 139
Weiter läßt sich eine intensive eschatologische Erwartung am Passafest beobachten.
Lohse, B.: Quartadezimaner. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1961], S. 10944
Am nächsten Tage durfte ich ihn bei dem zweiten Teil seiner Arbeit mit erneutem Staunen beobachten.
Buddenbrock, Wolfgang von: Das Liebesleben der Tiere, Bonn: Athenäum 1953, S. 99
Zitationshilfe
„beobachten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/beobachten>, abgerufen am 17.10.2019.

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