benehmen

GrammatikVerb · benimmt, benahm, hat benommen
Aussprache
Worttrennungbe-neh-men (computergeneriert)
Grundformnehmen
Wortbildung mit ›benehmen‹ als Letztglied: ↗danebenbenehmen · ↗vorbeibenehmen  ·  mit ›benehmen‹ als Grundform: ↗Benehmen · ↗benommen  ·  formal verwandt mit: ↗Benimm
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
sich in einer bestimmten Art in seiner Umwelt bewegen, sich betragen
Beispiele:
sich anständig, manierlich, korrekt, höflich, zurückhaltend gegen jmdn. benehmen
sich unhöflich, flegelhaft, ungehörig, albern, dumm, schlecht, unflätig, unpassend, anstößig, kindisch, linkisch jmdm. gegenüber benehmen
salopp sich schäbig, schofel, gemein jmdm. gegenüber benehmen
sich wie eine Dame, ein Kavalier benehmen
umgangssprachlich sich wie ein dummer Junge benehmen
umgangssprachlich sich wie ein Elefant im Porzellanladen benehmen (= sich ungeschickt, tolpatschig b.)
ich wusste nicht, wie ich mich dabei benehmen sollte
er weiß sich zu benehmen
sich nicht benehmen können
2.
gehoben jmdm. etw. nehmen, entziehen
Beispiele:
die Häuser benehmen mir die Aussicht
das Tempo, die Hitze, der Schreck benahm ihm den Atem
die Verblüffung benahm ihm die Sprache, Worte
der Kopfschmerz benimmt mir jeden Gedanken
etw. benimmt jmdm. den Mut, die Lust, Appetit, die Hoffnung
jmdm. den Irrtum, Wahn, Zweifel, die Einbildung, den Argwohn, Verdacht, die Besorgnisse benehmen
es ist dir nicht benommen, dich frei zu entscheiden (= du kannst dich frei entscheiden)
der Wein benimmt mir den Kopf, die Sinne (= macht mir klare Gedanken unmöglich, betäubt mich)
der Wein benimmt mich
3.
veraltet sich mit jmdm. verständigen, ins Benehmen setzen
Beispiele:
ich möchte mich deswegen noch mit Ihnen benehmen
sich mit einem anderen Staat benehmen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

nehmen · benehmen · benommen · Benommenheit · unbenommen · Benehmen · Benimm · unternehmen · Unternehmen · Unternehmer · vernehmen · Vernehmung · vernehmlich · Nahme
nehmen Vb. ‘mit den Händen ergreifen, fassen, wegnehmen, entziehen’, ahd. neman (8. Jh.), mhd. nemen, asächs. niman, neman, mnd. mnl. nēmen, nl. nemen, afries. nema, aengl. niman, engl. (älter) to nim, anord. nema, got. niman (germ. *neman) sind vergleichbar mit griech. némein (νέμειν) ‘aus-, ver-, ordnungsgemäß zuteilen, lenken, leiten, verwalten, sich aneignen, besitzen, bebauen, Weideland zuteilen, (ab)weiden, verzehren’, lett. (mit sekundärer Palatalisierung des Anlauts) n̹emt, awest. nəmah- ‘Darlehen’, air. nem ‘Gift’, lat. numerus ‘Zahl, Anzahl’, lit. núoma, núomas, lett. noma ‘Miete, Pacht’, so daß eine Wurzel ie. *nem- ‘zuteilen, nehmen’ (von der Vorstellung der hingestreckten Hand), auch (von ‘zuteilen’ ausgehend) ‘anordnen, rechnen, zählen’ angesetzt werden kann. benehmen Vb. ‘wegnehmen, entziehen’, ahd. bineman (8. Jh.), mhd. benemen; reflexiv ‘sich verhalten, sich aufführen’, anfangs ‘sich besprechen, mit jmdm. verständigen’ (18. Jh.). benommen Part.adj. ‘schwindlig, betäubt’ (19. Jh.), eigentlich ‘weggenommen, behindert’; Benommenheit f. ‘das Gefühl, keinen klaren Kopf zu haben, Betäubtheit’ (Mitte 19. Jh.). unbenommen Part.adj. ‘nicht verwehrt, unversagt’, eigentlich ‘unbehindert’, meist in der Fügung unbenommen sein, mhd. unbenomen sīn. Benehmen n. ‘das Verhalten nach Regeln von Sitte und Takt (im Umgang mit Menschen)’ (1. Hälfte 18. Jh.); dazu umgangssprachlich Benimm m. (19. Jh.). unternehmen Vb. ‘beginnen, betreiben, machen’ (16. Jh., geläufig seit 18. Jh.); vgl. ahd. untarneman ‘unterbrechen, dazwischentreten’ (10. Jh.), mhd. undernemen ‘abschneiden, unterbrechen, verhindern, wegnehmen’, reflexiv ‘sich gegenseitig fassen, sich jmds. annehmen, etw. übernehmen, antreten’; Unternehmen n. ‘was unternommen wird, Vorhaben, Absicht’ (Anfang 17. Jh.), auch ‘wirtschaftliche Unternehmung, Betrieb’ (18. Jh.), dazu Unternehmer m. ‘wer einen Gewerbe- oder Industriebetrieb besitzt (und leitet)’ (18. Jh.), nach engl. undertaker, frz. entrepreneur; älter allgemein ‘wer etw. in die Wege leitet’ (Ende 17. Jh.). vernehmen Vb. ‘geistig erfassen und aufnehmen, hören, verstehen’, ahd. firneman ‘verstehen, verbrauchen’, auch ‘zur Kenntnis nehmen, erkennen’ (8. Jh.), mhd. vernemen ‘fest-, gefangennehmen, (an)hören, erfahren, erfassen, begreifen’; als Ausdruck der Gerichtssprache ‘jmdn. befragen und anhören, verhören’ (18. Jh.); Vernehmung f. ‘geistige Erfassung’ (15. Jh.), ‘gerichtliches Verhör’ (Ende 17. Jh.); vernehmlich Adj. ‘hörbar, laut, deutlich’ (18. Jh.), älter ‘mit einem der Sinne wahrnehmbar’, auch ‘verständig, klug’ (15. Jh.). Nahme f. ‘das Nehmen, das Gewonnene’, ahd. nāma ‘Beschlagnahme, Ergreifung’ (um 800), mhd. nāme ‘gewaltsames Nehmen, Raub, Beute’, Verbalabstraktum zu nehmen; heute nur in Präfixbildungen wie Abnahme (17. Jh.), Annahme (15. Jh.), Aufnahme (15. Jh.), Einnahme (15. Jh.), Entnahme (18. Jh.), Übernahme, (mhd. übernāme), Zunahme (Mitte 17. Jh.), die von den entsprechenden Präfixverben abgeleitet sind.

Thesaurus

Synonymgruppe
agieren · benehmen · ↗handeln · ↗reagieren · ↗verhalten
Unterbegriffe
Synonymgruppe
(irgendwie) auftreten · (sich) benehmen · ↗(sich) verhalten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Atem Axt Elefant Gentleman Idiot Porzellanladen Teenager anders anständig auffällig daneben danebenbenehmen dementsprechend gegenüber gesittet höflich ihr kleiden korrekt manierlich merkwürdig ordentlich rüpelhaft seltsam tadellos unauffällig ungebührlich ungeniert ungeschickt vorbildlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›benehmen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit ihren neunzehn Jahren benimmt sie sich wie eine Frau, die nichts mehr umhauen kann.
Der Tagesspiegel, 07.06.2000
Er benimmt sich nicht gerade wie einer, der im Land ist, um zu beschützen, um bedrohlich für den Nachbarn im Norden zu wirken.
Süddeutsche Zeitung, 02.05.2000
So wie heute hatte er sich nie in all den Jahren ihrer Ehe benommen.
Bredel, Willi: Die Väter. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelausgaben, Bd. 7, Berlin: Aufbau-Verl. 1973 [1946], S. 441
Wesentlich anders benehmen sich aber die Tiere in der Gruppe.
Lucanus, Friedrich von: Im Zauber des Tierlebens, Berlin: Wegweiser-Verl. 1926 [1926], S. 245
Ja, wenn ich das nicht wäre, so hätte ich mich doch anders benommen.
Hofmannsthal, Hugo von: Der Schwierige. In: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1917], S. 10520
Zitationshilfe
„benehmen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/benehmen>, abgerufen am 17.10.2019.

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