belanglos

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-lang-los (computergeneriert)
WortzerlegungBelang-los
Wortbildung mit ›belanglos‹ als Erstglied: ↗Belanglosigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

bedeutungslos, unwichtig
Beispiele:
eine belanglose Bemerkung, Episode, Zeitungsnotiz, Unterhaltung, Persönlichkeit
über belanglose Dinge sprechen
das Ergebnis, diese Arbeit ist für die Wissenschaft belanglos
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

belangen · anbelangen · Belang · belanglos · Belanglosigkeit
belangen Vb. ‘verklagen, zur Verantwortung ziehen’, bei (heute veraltetem) unpersönlichem Gebrauch ‘angehen, betreffen’. Ahd. bilangēn (11. Jh.), mhd. belangen, blangen, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. langēn, mhd. langen (zu ↗lang, s. d.), heißt (unpersönlich, meist mit Genitiv) ‘es verlangt, gelüstet jmdn. wonach’. Diese Verwendung geht (bis auf Reste in obd. Mundarten) im Frühnhd. unter. Im Mhd. und Mnd. entwickelt sich die Bedeutung ‘erreichen, sich erstrecken’ (vgl. ahd. gilangōn), an die sich ‘zur Verantwortung ziehen’ (als Rechtsausdruck mnd. und vom 15. Jh. an frühnhd., jetzt allgemein verbreitet) und ‘angehen, betreffen’ (15. Jh.; vgl. nl. belangen ‘betreffen’, engl. to belong ‘gehören, in Beziehung stehen’) anschließen. anbelangen Vb. ‘angehen, betreffen’, bereits im 15. Jh. neben gleichbed. belangen und anlangen stehend (vgl. entsprechendes nl. aanbelangen ‘betreffen’), verdrängt in dieser Bedeutung einfaches belangen zunehmend seit dem 18. Jh. Belang m. ‘Bedeutung, Wichtigkeit’. Mhd. belanc ‘Verlangen’, rückgebildet aus mhd. belangen ‘verlangen, gelüsten’, lebt nur noch im Frühnhd. bis zum 16. Jh. weiter. Gleichbed. mnl. belanc bildet daneben die Variante ‘Vorteil, Gewinn’ aus, zu der sich mnd. belanc ‘Bedeutung, Interesse’ stellt. In diesem Sinne erscheint nhd. Belang vor allem in Fügungen wie von (geringem, hohem, keinem) Belang, ohne Belang seit Mitte des 18. Jhs. im Hd., zunächst im Kanzleistil, dann auch, namentlich durch Lessings Einfluß, im allgemeinen Sprachgebrauch. Im 20. Jh. breitet sich die schon im 19. Jh. vorkommende Verwendung des Plur. Belange als ‘Interessen, Angelegenheiten’ rasch aus. belanglos Adj. ‘bedeutungslos, unwichtig’, Ende des 19. Jhs. zu Belang gebildet, sehr gebräuchlich im 20. Jh.; dazu Belanglosigkeit f. ‘Unwichtigkeit’, auch ‘unbedeutende Sache’ (um 1900).

Thesaurus

Synonymgruppe
(mit etwas) hat es nicht viel auf sich · Bagatell... · Neben... · ↗Nebensache · Rand... · Zweit... · ↗bedeutungslos · belanglos · ↗egal · ↗irrelevant · kleiner · ↗marginal · ↗nachgeordnet · ↗nachrangig · ↗nebensächlich · nicht (weiter) der Rede wert · nicht entscheidend · nicht ins Gewicht fallend · nicht von Interesse · nicht wichtig · ↗nichtssagend · ohne Belang · ↗peripher · ↗sekundär · ↗unbedeutend · ↗unbeträchtlich · ↗unerheblich · ↗uninteressant · ↗unmaßgeblich · ↗unwesentlich · ↗vernachlässigbar · von untergeordneter Bedeutung · zu vernachlässigen · ↗zweitrangig  ●  ↗unwichtig  Hauptform · Sonst hast du keine Probleme?  ugs., Spruch · kannste vergessen  ugs. · keinen Schuss Pulver wert  ugs. · kleiner Fisch  ugs., fig. · sei's drum  ugs. · unter "ferner liefen" (kommen)  ugs.
Assoziationen
  • meinethalben · wenn es denn sein muss · wie Sie meinen · wie du meinst · wie du willst  ●  ↗meinetwegen (halbherzig zustimmend)  Hauptform · (es) soll mir recht sein  ugs. · geht (schon) in Ordnung  ugs. · in Gottes Namen  ugs. · ist (schon) in Ordnung  ugs. · mir soll's recht sein  ugs. · na schön  ugs. · ↗ruhig  ugs. · schon okay  ugs. · soll er (ruhig) machen ...  ugs. · soll er doch ...  ugs. · soll sie doch ...  ugs. · von mir aus  ugs. · wenn Sie meinen ...  ugs. · wenn du meinst ...  ugs.
  • (jemanden) nicht (im Geringsten) interessieren · im Grunde verachten · nur ein müdes Lächeln übrig haben für
  • (jemandem) einerlei sein · (jemandem) gleichgültig sein · (jemanden) gleichgültig lassen · (jemanden) nicht interessieren · (jemanden) nicht nervös machen · (jemanden) nicht tangieren · (jemanden) nichts angehen · (mit etwas) nichts zu tun haben · (sich) nicht scheren um · (völlig) kalt lassen · keinen Wert legen auf · mit den Achseln zucken · nichts am Hut haben (mit)  ●  ↗(an jemandem) abprallen  fig. · (jemandem) egal sein  Hauptform · (jemandem) nicht den Schlaf rauben  fig. · (jemanden) nicht kümmern  veraltend · (jemanden) nicht unruhig schlafen lassen  fig. · (herzlich) egal sein  ugs. · (jemandem) (glatt / direkt) am Arsch vorbeigehen  derb · (jemandem) Latte sein  ugs. · (jemandem) latte sein  ugs. · (jemandem) piepegal sein  ugs. · (jemandem) scheißegal sein  derb · (jemandem) schnuppe sein  ugs. · (jemandem) schnurz sein  ugs. · (jemandem) schnurzpiepe sein  ugs. · (jemandem) sowas von egal sein  ugs. · (jemandem) wumpe sein  ugs., regional · (jemandem) wurscht sein  ugs. · (jemanden) nicht anfechten  geh., veraltend · (jemanden) nicht die Bohne interessieren  ugs., Redensart · (jemanden) nicht jucken  ugs. · (jemanden) nicht kratzen  ugs. · (jemanden) nicht scheren  geh., veraltend · (jemanden) nur peripher tangieren  geh. · (sich) nicht (weiter) kümmern um  ugs. · Scheiß der Hund drauf.  derb · Scheiß drauf!  vulg. · das kannst du deinem Frisör erzählen  ugs., Spruch · das tangiert mich (äußerst) peripher  geh., Spruch · den lieben Gott einen guten Mann sein lassen  ugs., Redensart · drauf scheißen  vulg. · erzähl das der Parkuhr  ugs., veraltet · keinen gesteigerten Wert legen auf  ugs. · nichts geben auf  ugs. · sprich zu meiner Hand  ugs., Spruch
  • (mit etwas) ist (auch) keinem geholfen · wirkungslos verpuffen  ●  (auch) verzichten können auf  ugs. · (den) Kohl (auch) nicht fett machen  ugs. · (es) kommt nichts (Gescheites) heraus (bei)  ugs. · nicht (richtig) weiterhelfen  ugs. · nicht viel bringen  ugs. · nichts bringen  ugs., salopp
  • bedeutungsleer · ↗gehaltlos · ↗inhaltsarm · ↗inhaltsleer · ohne Substanz · ↗substanzlos  ●  ↗sinnentleert  geh. · ↗substanzarm  geh.
  • Bagatelle · ↗Banalität · ↗Belanglosigkeit · ↗Geringfügigkeit · ↗Kleinigkeit · ↗Lappalie · ↗Nebensache · ↗Nebensächlichkeit · ↗Nichtigkeit · ↗Petitesse · Unwichtiges · ↗Unwichtigkeit · keine große Geschichte · keine große Sache  ●  Sturm im Wasserglas  fig. · ↗Fliegenschiss  derb, fig. · ↗Kiki  ugs. · ↗Kinkerlitzchen  ugs. · ↗Kleckerkram  ugs. · Kleinkleckerkram  ugs. · ↗Kleinkram  ugs. · ↗Marginalie  geh. · ↗Peanuts  ugs., engl. · ↗Pillepalle  ugs. · ↗Pipifax  ugs. · ↗Quisquilien (Plur., lat.)  geh. · Schnullibulli  ugs. · Tüddelkram  ugs., norddeutsch, variabel
  • noch nicht spruchreif · ↗verfrüht  ●  ungelegte Eier  ugs.
  • kleines Licht · kleines Rädchen im Getriebe
  • (unwichtige) Begleiterscheinung · ↗Nebensache · ↗Nebensächlichkeit · ↗Randerscheinung · Randphänomen
  • (sich) fehl am Platz fühlen · (sich) nicht beachtet fühlen · (sich) vernachlässigt fühlen · (sich) vorkommen wie das fünfte Rad am Wagen · (sich) überflüssig vorkommen
  • Belangloses · Belanglosigkeiten · ↗Nebensächlichkeit(en) · Trivia · Vermischtes · am Rande notiert · aus der Enzyklopädie des unnützen Wissens · dies und das · kurz und uninteressant
  • nicht (so) wichtig · nicht erforderlich · nicht nötig · ↗unwichtig · ↗verzichtbar · ↗überflüssig  ●  ↗unnötig  Hauptform · ↗entbehrlich  geh. · muss nicht sein  ugs. · nicht brauchen (zu)  ugs.
Synonymgruppe
belanglos · ↗flach · ↗oberflächlich · ohne Tiefgang · ohne tiefere Bedeutung · ↗seicht  ●  ↗platt  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anekdote Beiwerk Episode Floskel Geplapper Geplauder Geplänkel Geschwätz Kleinigkeit Konversation Mitteeilunge Nebensächlichkeit Plauderei Schlager Smalltalk Spielerei abtun banal bieder eher erscheinend letztlich scheinbar scheinend seicht trivial vergleichsweise verhältnismäßig ziemlich Äußerlichkeit

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›belanglos‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man hört die zwei fast nie reden, was nichts macht, denn die Dinge, die man in solchen Nächten sagt, sind belanglos.
Süddeutsche Zeitung, 07.01.2004
Die Worte sind belanglos, das Schweigen ist beredt, am lautesten sprechen die Hände.
Die Zeit, 25.02.1974, Nr. 08
Seine tiefsten Erkenntnisse erschienen ihm teils belanglos, teils fremd, teils unverständlich.
Stehr, Hermann: Der Heiligenhof, München: List 1952 [1918], S. 449
Ob es zur akustischen Äußerung kommt oder nicht, ist praktisch sehr wichtig, theoretisch völlig belanglos.
Voßler, Karl: Positivismus und Idealismus in der Sprachwissenschaft, Heidelberg: Winter 1904, S. 43
Wir wechselten ein paar belanglose Worte und machten uns dann gemeinsam an unser Vorhaben.
Schrott, Raoul: Tristan da Cunha oder die Hälfte der Erde; Hanser Verlag 2003, S. 363
Zitationshilfe
„belanglos“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/belanglos>, abgerufen am 20.05.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
belangen
Belang
belämmert
belämmern
Belami
Belanglosigkeit
belangreich
belangvoll
Belarusse
belassen