belangen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungbe-lan-gen (computergeneriert)
Grundformlangen
Wortbildung mit ›belangen‹ als Letztglied: ↗anbelangen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Jura jmdn. vor Gericht stellen, verklagen
Beispiele:
den Schuldigen gerichtlich, disziplinarisch, gesetzlich, polizeilich belangen
jmdn. wegen eines Verbrechens, wegen Verleumdung, Beschimpfung belangen
jmdn. bei Gericht belangen
Und jeder Gefangene weiß, daß er wegen Unterschlagung belangt wird [FalladaWolf2,240]
jmdn., etw. zur Verantwortung ziehen
Beispiele:
Abgeordnete können belangt werden
die Zeitung für die Unrichtigkeit der Nachricht belangen
2.
veraltend, papierdeutsch was jmdn., etw. belangtwas jmdn., etw. angeht, betrifft
Beispiele:
was ihn belangt, so muss man Rücksicht auf ihn nehmen
was diese Sache belangt, so sollte man hier eine Änderung schaffen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

belangen · anbelangen · Belang · belanglos · Belanglosigkeit
belangen Vb. ‘verklagen, zur Verantwortung ziehen’, bei (heute veraltetem) unpersönlichem Gebrauch ‘angehen, betreffen’. Ahd. bilangēn (11. Jh.), mhd. belangen, blangen, Präfixbildung zu gleichbed. ahd. langēn, mhd. langen (zu ↗lang, s. d.), heißt (unpersönlich, meist mit Genitiv) ‘es verlangt, gelüstet jmdn. wonach’. Diese Verwendung geht (bis auf Reste in obd. Mundarten) im Frühnhd. unter. Im Mhd. und Mnd. entwickelt sich die Bedeutung ‘erreichen, sich erstrecken’ (vgl. ahd. gilangōn), an die sich ‘zur Verantwortung ziehen’ (als Rechtsausdruck mnd. und vom 15. Jh. an frühnhd., jetzt allgemein verbreitet) und ‘angehen, betreffen’ (15. Jh.; vgl. nl. belangen ‘betreffen’, engl. to belong ‘gehören, in Beziehung stehen’) anschließen. anbelangen Vb. ‘angehen, betreffen’, bereits im 15. Jh. neben gleichbed. belangen und anlangen stehend (vgl. entsprechendes nl. aanbelangen ‘betreffen’), verdrängt in dieser Bedeutung einfaches belangen zunehmend seit dem 18. Jh. Belang m. ‘Bedeutung, Wichtigkeit’. Mhd. belanc ‘Verlangen’, rückgebildet aus mhd. belangen ‘verlangen, gelüsten’, lebt nur noch im Frühnhd. bis zum 16. Jh. weiter. Gleichbed. mnl. belanc bildet daneben die Variante ‘Vorteil, Gewinn’ aus, zu der sich mnd. belanc ‘Bedeutung, Interesse’ stellt. In diesem Sinne erscheint nhd. Belang vor allem in Fügungen wie von (geringem, hohem, keinem) Belang, ohne Belang seit Mitte des 18. Jhs. im Hd., zunächst im Kanzleistil, dann auch, namentlich durch Lessings Einfluß, im allgemeinen Sprachgebrauch. Im 20. Jh. breitet sich die schon im 19. Jh. vorkommende Verwendung des Plur. Belange als ‘Interessen, Angelegenheiten’ rasch aus. belanglos Adj. ‘bedeutungslos, unwichtig’, Ende des 19. Jhs. zu Belang gebildet, sehr gebräuchlich im 20. Jh.; dazu Belanglosigkeit f. ‘Unwichtigkeit’, auch ‘unbedeutende Sache’ (um 1900).

Thesaurus

Synonymgruppe
ahnden · belangen · ↗bestrafen · ↗maßregeln · ↗strafen · zur Verantwortung ziehen  ●  ↗abstrafen  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) beikommen · (jemanden) belangen · (jemanden) zu fassen bekommen  ●  (jemanden) am Arsch kriegen  derb · (jemanden) an den Hammelbeinen kriegen  ugs., fig. · (jemanden) an den Wickel bekommen  ugs. · (jemanden) an den Wickel kriegen  ugs., salopp · (jemanden) zu fassen kriegen  ugs.
Assoziationen
  • (jemanden) strafrechtlich verfolgen · (jemanden) zur Verantwortung ziehen  ●  (jemanden) beim Arsch kriegen  derb · (jemanden) beim Wickel packen  ugs., variabel · ↗(jemanden) drankriegen  ugs. · ↗(sich) (jemanden) schnappen  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anstiftung Beleidigung Betrug Bußgeld Einzelperson Fahrerflucht Falschaussage Geldbuße Hausfriedensbruch Immunität Insolvenzverschleppung Justiz Meineid Nachrede Ordnungswidrigkeit Rechtsbeugung Steuerhinterziehung Strafrecht Strafunmündiger Vergehen Verjährung Verkehrssünder Verleumdung Verstoß Volksverhetzung anbelangen gerichtlich juristisch strafrechtlich zivilrechtlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›belangen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Belangt werden können die Kinder nicht, denn sie sind unter 14.
Der Tagesspiegel, 28.03.2003
Weil sie das nicht gemacht habe, müßte er sie eigentlich wegen Schwarzfahrens belangen.
Süddeutsche Zeitung, 28.05.1997
Ich erfuhr bald, daß es für besser gehalten worden war, ihn auf der Stelle zu belangen.
Schädlich, Hans Joachim: Tallhover, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 245
Dieser konnte aber nicht mehr belangt werden, weil mittlerweise Verjährung eingetreten war.
Bebel, August: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8087
Den weltlichen Obrigkeiten stehe es nicht zu, »in solchen Sachen den Glauben belangend zu erkennen« 9.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 6792
Zitationshilfe
„belangen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/belangen>, abgerufen am 19.05.2019.

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