bedingt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungbe-dingt
Grundformbedingen
Wortbildung mit ›bedingt‹ als Letztglied: ↗unbedingt  ·  mit ›bedingt‹ als Grundform: ↗-bedingt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eingeschränkt
Beispiele:
ein bedingtes Lob
Es liegt ... in diesem Komplimente etwas so verzweifelt Bedingtes [MörikeNolten2,102]
adverbiell
mit Vorbehalt
Beispiele:
etw. ist nur bedingt verwendbar, richtig
eine Regierung bedingt anerkennen
bedingt (= bis zu einem gewissen Grade) tauglich
2.
von bestimmten Bedingungen abhängig
a)
Beispiel:
eine bedingte Zusage
b)
Jura
Beispiele:
eine bedingte Verurteilung (= eine Verurteilung, bei der die Strafvollstreckung unter der Bedingung nicht stattfindet, daß sich der Verurteilte während einer Bewährungsfrist einwandfrei führt)
eine bedingte Strafaussetzung (= eine Aussetzung der Strafvollstreckung unter der Bedingung, dass sich der Verurteilte während einer Bewährungsfrist einwandfrei führt)
c)
Physiologie
Beispiel:
ein bedingter Reflex (= ein Reflex, der während des Lebens durch Erfahrung erworben worden ist)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

bedingen · ausbedingen · Beding · Bedingung · Bedingnis · Bedingungssatz · bedingungslos · bedingt · unbedingt
bedingen Vb. ‘zwangsläufig zur Folge haben, voraussetzen, fordern’. Das Verb wird anfangs nur schwach flektiert, starke Formen treten wie bei dem Simplex dingen seit dem 17. Jh. auf. Das Präfixverb bedingen ist wie einfaches ↗dingen (s. d.) ursprünglich ein Wort der Rechtssprache, mhd. bedingen ‘verhandeln, durch Verhandlung gewinnen, Bedingungen vorschreiben’, danach ‘vereinbaren, (sich) vorbehalten’, wofür heute ausbedingen Vb. mhd. ūʒbedingen. Die heute übliche Bedeutung von bedingen ist durch die Verbalsubstantive Beding n. (15. Jh.), Bedingung f. mhd. bedingung und Bedingnis f. (14. Jh.) beeinflußt, die im 16. Jh. eine ‘vertragliche Abmachung’, dann eine ‘Voraussetzung’ (im rechtlichen Sinn) bezeichnen. Bedingung ‘Voraussetzung’ geht im 18. Jh. in die philosophische Fachsprache, danach in die Allgemeinsprache ein, der Plural nimmt dabei die Bedeutung ‘Verhältnisse, Gegebenheiten’ an. Der grammatische Terminus Bedingungssatz m. gilt seit Beginn des 19. Jhs., älter Bedingungsrede (Stieler 1691). bedingungslos Adj. ‘ohne eine Bedingung, uneingeschränkt, vorbehaltlos’ kommt Mitte des 19. Jhs. auf. Wie Bedingung gelangt auch bedingt Part.adj. ‘von bestimmten Voraussetzungen abhängig, eingeschränkt’ und unbedingt Part.adj. ‘von keiner Voraussetzung abhängig, uneingeschränkt’ aus der Rechtssprache (bedingte Verurteilung) über die Verwendung in der Fachsprache der Philosophie in die Allgemeinsprache, wo unbedingt als Adverb den Sinn ‘auf jeden Fall, unter allen Umständen’ entwickelt.

Thesaurus

Synonymgruppe
abhängig (von) · bedingt (durch) · gekoppelt (mit) · gepaart (mit) · verbunden (mit)  ●  ↗syndetisch  geh., griechisch
Assoziationen
Synonymgruppe
bedingt · eingeschränkt · ↗relativ · ↗tendenziell · ↗vergleichsweise · ↗verhältnismäßig  ●  ↗eher  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ansatzweise · bedingt · eingeschränkt · nur teilweise · unter Vorbehalt
Assoziationen
  • bis zu einem gewissen Grad(e) · ein Stück weit · in gewissem Maß(e) · in gewissem Rahmen · in gewissem Umfang · ↗teilweise · zum Teil  ●  in gewisser Hinsicht  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erkrankung Haarausfall Ja Kapital Kapitalerhöhung Kompilierung Krankheit Reflex Tötungsvorsatz Vorsatz arteriosklerotisch beruflich dadurch demographisch eignen erblich genetisch historisch jahreszeitlich klimatisch konjunkturell nur psychisch saisonal steuerlich strukturell taugen technisch weiterhelfen zutreffen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›bedingt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dadurch ist der Fonds aber nur bedingt zu einer echten unternehmerischen Beteiligung geworden.
Die Welt, 30.08.2003
Die Psychologie wisse jedoch nur bedingt etwas über die Empfindungen der Täter.
Der Tagesspiegel, 27.04.2002
Dabei ist für den Mann am Steuer sein Verhalten allein durch die Situation auf der Straße bedingt.
Schwanitz, Dietrich: Männer, Frankfurt a. M.: Eichborn 2001, S. 297
Diese Arbeiten lassen eine praktische Auswertung jedoch nur sehr bedingt zu.
Schenkel, Gerhard: Kunststoff-Extrudertechnik, München: Hanser 1963 [1959], S. 156
Also ist die Schönheit dadurch bedingt, daß das Gesetz erfüllt wird!
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Zitationshilfe
„bedingt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/bedingt>, abgerufen am 22.08.2019.

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