ausufern

GrammatikVerb · uferte aus, ist ausgeufert
Worttrennungaus-ufern
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
übertragen etw. ufert ausunkontrolliert über ein vertretbares Maß hinausgehen
Beispiele:
Die Regierung sieht sich bei der EU und Deutschland im Wort, das Defizit nicht ungehemmt weiter ausufern zu lassen. [Die Zeit, 19.03.2009 (online)]
Seine Lesungen sind ausufernd, überbordend, von Abschweifungen und Unterbrechungen durchwürzt, ein Solokonzert mit tausend Stimmen bis tief in die Nacht. [Der Tagespiegel, 27.03.2005]
Einmal ließ es Walter Jens an formaler Zucht fehlen. Seine Sprachbrillanz uferte aus, verlor sich in endlose Assoziations-Kaskaden; der Rhetoriker stellte dem Dramatiker ein Bein. [Die Zeit, 09.09.1966, Nr. 37]
Kollokation:
mit Aktivsubjekt: die Bürokratie ufert aus; Kosten, Verluste, Konflikte, Debatten ufern aus
2.
selten etw. ufert ausvon Gewässern   über die Ufer treten
Beispiele:
[…] Über 25 000 Hektar ufert dieses Gebiet [der Spreewald] aus, das voller Wasserarme, Fließe und Inseln ist und zum größten Teil unter Landschaftsschutz steht. [Ketman, Per u. Wissmach, Andreas, DDR – ein Reisebuch in den Alltag, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1986, S. 286]
Der anschließende, geschlossene Kanal schafft aber dieses Hochwasser nicht weg, so daß er einen einen Rückstau in das Zulaufgerinne verursacht und den Bach dadurch zum Ausufern bringt. [Vischer, Daniel u. Huber, Andreas: Wasserbau, 6. Aufl., Berlin u. a.: Springer 2002, S. 170 (1. Auflage 1977)]
[…] »du glaubst, ein Bach müsse ausufern, vertrocknen, mit einem Wort verkommen, wenn man nicht ein Mühlrad in ihn hängt«. [Stehr, Hermann, Der Heiligenhof, Berlin: S. Fischer 1918, S. 248]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Ufer · uferlos · ausufern
Ufer n. ‘Begrenzung eines Gewässers, Küste, Strand’. Das nur westgerm. Substantiv mhd. uover, (md.) ūber, mnd. ōver (vgl. Hannover ‘(am) hohen Ufer’), mnl. nl. oever, aengl. ōfer, ōfor (in engl. Windsor, aus aengl. Windles ōfer ‘Ufer des Flusses Windel’), westgerm. *ōbera- n. vergleicht sich außergerm. mit griech. ḗpeiros (ἤπειρος), dor. ápeiros (ἄπειρος) ‘Festland, Küste’ und führt auf ie. *āpero- ‘Ufer’, das (nach Specht Dekl. 23) als Komparativbildung zu dem unter ↗ab (s. d.) dargestellten ie. *apo ‘ab, weg’ angesehen werden kann; vgl. aind. áparaḥ ‘hinterer, späterer’, awest. apara-. Danach wäre als Ausgangsbedeutung etwa ‘weiter abgewandt’ und für Ufer ‘der rückwärts gelegene Teil’ vorauszusetzen. Ufer ist ursprünglich dem Obd. und Md. fremd; dafür ↗Gestade (s. d.). Es findet (in mhd. Zeit) nur zögernd bei obd. Schriftstellern Eingang, wird danach vor allem durch Luther, Sachs und Fischart geläufig. uferlos Adj. ‘grenzenlos, ohne Ende, maßlos’ (2. Hälfte 18. Jh.). ausufern Vb. ‘über die Ufer treten’, übertragen ‘ein bestimmtes Maß überschreiten, ausarten’ (Anfang 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) verschlechtern · ↗(sich) verschlimmern · ↗(sich) verschärfen · (sich) zum Negativen verändern · schlechter werden · schlimmer werden  ●  ausufern  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
  • (sich) verschärfen · ↗(sich) zuspitzen · aggressiver werden · an Schärfe gewinnen · auf die Spitze getrieben werden · ↗ausarten (in) · ↗eskalieren · schärfer werden
  • (eine) Spirale von etwas in Gang setzen · (sich) immer weiter hochschaukeln · (sich) immer weiter steigern · hemmungslos eskalieren · immer schlimmer werden
Synonymgruppe
ausufern · außer Kontrolle geraten · es gibt kein Halten mehr · ↗überhandnehmen  ●  aus dem Ruder laufen  ugs. · ↗entgleisen  ugs. · ins Kraut schießen  ugs.
Assoziationen
  • (eine) Inflation (an/von) · unkontrollierte Vermehrung · Überhandnehmen · übermäßiger Gebrauch
  • kein Maß kennen · maßlos sein · weder Maß noch Ziel kennen
  • zu viel werden · ↗überhandnehmen · übermäßig anwachsen
Synonymgruppe
(sich) explosionsartig vermehren · ausufern · immer mehr werden · ↗überhandnehmen · überproportional zunehmen
Assoziationen
  • (sich) stark ausbreiten · (sich) stark vermehren · auswuchern · immer neue Triebe bilden · ↗zuwachsen · zuwuchern · zügellos wachsen · ↗überwuchern  ●  ↗wuchern  Hauptform
  • zu viel werden · ↗überhandnehmen · übermäßig anwachsen
  • (das) Überhandnehmen · mangelnde Kontrolle (bei)  ●  ↗Wildwuchs  fig.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bürokratie Debatte Defizit Diskussion Gewalt Haushaltsdefizit Inflation Konflikt Korruption Kosten Kriminalität Krise Sache Staatsverschuldung Verschuldung derart manchmal nicht nie sonst ufern weiter

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausufern‹.

Zitationshilfe
„ausufern“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausufern>, abgerufen am 21.09.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Ausübungspreis
Ausübung
ausüben
austuschen
austurnen
Ausverkauf
ausverkaufen
ausverschämt
auswachsen
auswägen