austilgen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungaus-til-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-tilgen
Wortbildung mit ›austilgen‹ als Erstglied: ↗Austilgung · ↗austilgbar
eWDG, 1967

Bedeutung

etw., jmdn. völlig vernichten
Beispiele:
Ungeziefer austilgen
das ganze Geschlecht wurde ausgetilgt
die schreckliche Krankheit soll nicht nur unter Kontrolle gebracht, sondern gänzlich ausgetilgt werden
er bot ihm an, Israel, wie es da sei, zu zerschmettern und auszutilgen [Th. MannGesetz9,931]
übertragen etw. auslöschen
Beispiele:
die Erinnerung, Idee, der Eindruck war nicht wieder auszutilgen
das Andenken derer, die mit uns gelebt haben, vermögen wir nicht auszutilgen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tilgen · Tilgung · austilgen · vertilgen · Vertilgung
tilgen Vb. ‘streichen, auslöschen, beseitigen, vernichten’, ahd. tīligōn (um 1000; firtīligōn, 8. Jh.), mhd. tīligen, (mit Kürzung von -i- vor Doppelkonsonant) tilgen, tiljen, tillen ‘auslöschen, vernichten’ ist wie mnd. dē̌lgen, dēligen, dēlegen, delligen, dilligen, mnl. delighen, nl. delgen im Zuge der angelsächsischen Mission aus gleichbed. aengl. ādīlegian, ādīl(i)gian hervorgegangen, das als Wort der Klostersprache vor allem ‘Geschriebenes auswischen, auslöschen’, dann ‘vernichten’ bedeutet. Das aengl. Verb ist eine Entlehnung aus lat. dēlēre ‘zugrunde richten, zerstören, vernichten’, auch ‘Eingegrabenes, Geschriebenes tilgen, auslöschen’, eigentlich ‘abwischen’ (Geschriebenes von Wachstafeln). Daneben steht ahd. tīlōn (9. Jh.), irtīlēn ‘vernichten’ (8. Jh.), das direkt auf lat. dēlēre zurückgeht. Heute vor allem im Sinne von ‘streichen, auslöschen, aufheben’ in Wendungen wie eine Strafe, die Eintragung im Strafregister, eine Schuld, Schulden tilgen, während die Bedeutung ‘vernichten’ meist durch aus- und vertilgen (s. unten) ausgedrückt wird. Tilgung f. ‘Streichung, Beseitigung, Vernichtung, Rückzahlung’ (Ende 17. Jh.); doch vgl. ahd. tīligunga (um 1000) und mnd. dē̌lginge ‘Tilgung, Löschung einer Eintragung’. austilgen Vb. ‘vernichten, ausrotten’ (Ungeziefer), übertragen ‘auslöschen’ (Erinnerung, Andenken), spätmhd. ūʒtīligen, ūʒtilgen. vertilgen Vb. ‘vernichten, ausrotten’ (Ungeziefer, Unkraut), ahd. firtīligōn (8. Jh.), mhd. vertīligen, vertī̌ljen ‘vernichten, zerstören’; vgl. aengl. fordīlegian, fordīl(i)gian. Landschaftlich vertilgen ‘(große Mengen) verzehren, aufessen, austrinken’ (19. Jh.). Vertilgung f. ‘Vernichtung, Ausrottung’, ahd. firtīligunga (Hs. 12. Jh.), spätmhd. vertilgunge.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausmerzen · ↗ausrotten · austilgen · ↗beseitigen · ↗exterminieren · tilgen · ↗vernichten  ●  (etwas) den Garaus machen  ugs. · ↗(etwas) plattmachen  ugs. · ↗plätten  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
  • auslöschen · ↗eliminieren · ↗löschen · tilgen  ●  ↗annihilieren  geh.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Erinnerung Spur tilgen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›austilgen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die Kommunisten seien, wo immer sie auch auftreten, bestrebt, die ganze Welt nach ihrem tyrannischen Muster zu formen und die Freiheit aus der Welt auszutilgen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1950]
Aber die eigenen geistigen Quellen eines Volkes sind, von der technischen Universalkultur nicht ausgetilgt.
Der Spiegel, 17.03.1986
Es muß der Zweck der Gesetze sein, Verbrechen zu verhüten, sie auszutilgen, die Gemeinschaft von dem Verbrecher zu befreien.
Knittel, John: Via Mala, Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft 1957 [1934], S. 979
Der Wille, um den es sich handelt, stammt aus dem Mangel und verschwindet nicht, bis der Mangel ausgetilgt ist.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 1, Berlin: Aufbau-Verl. 1954, S. 45
Bei hohen Bewußtheitsgraden wird gelehrt, wie Erfahrung in den Menschen ausgetilgt werden kann.
Sloterdijk, Peter: Kritik der zynischen Vernunft Bd. 2, Frankfurt: Suhrkamp 1983, S. 786
Zitationshilfe
„austilgen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/austilgen>, abgerufen am 21.07.2019.

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