ausstechen

GrammatikVerb · sticht aus, stach aus, hat ausgestochen
Aussprache
Worttrennungaus-ste-chen (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-stechen
Wortbildung mit ›ausstechen‹ als Erstglied: ↗Ausstechform
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. aus etw. herausstechen
a)
etw. mit einem spitzen Gerät herausholen
Beispiele:
Rasen, Torf ausstechen
Unkraut ausstechen
die junge Bäuerin, die eben Grünzeug ausstach [Anzengr.3,229]
b)
etw. durch Herausstechen entfernen
Beispiel:
jmdm. die Augen ausstechen
c)
etw. durch Herausstechen herstellen
Beispiele:
Kochkunst (aus dem Teig mit einer Form) Figuren ausstechen
Kochkunst die Mutter sticht Sterne, Plätzchen aus
Hinter dem breiten, sauber ausgestochenen Graben [SeghersSiebtes Kreuz4,29]
2.
umgangssprachlich jmdn. in den Schatten stellen, übertrumpfen
Beispiele:
sie kleidete sich besonders gut, um alle anderen auszustechen
Großvater und der Heimkehrer stechen einander aus ... Jeder will der Stärkere sein [StrittmatterTinko124]
jmdn. verdrängen
Beispiele:
einen Nebenbuhler ausstechen
es gelang ihm, mich bei ihr auszustechen
England auszustechen, euch an Englands Stelle zu setzen, war euer Traum [Th. Mann12,710]
3.
veraltet
Beispiel:
eine Flasche Wein ausstechen (= austrinken)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stechen · ausstechen · Stecher · Stechapfel · Stechpalme · abstechen · Abstecher · anstechen · Anstich
stechen Vb. ‘mit einer Spitze verletzen bzw. in etw. eindringen’, ahd. stehhan (um 800), mhd. stechen (auch ‘turnieren’), asächs. stekan, mnd. mnl. stēken, nl. steken, afries. steka (westgerm. *stekan) führen mit den unter ↗stecken, ↗Stachel, ↗Stake (s. d.) genannten Formen sowie mit ahd. stehhōn ‘anstacheln, erstechen’ (8. Jh.), got. staks ‘Wundmal’ auf ie. *(s)teg-. Demgegenüber setzen die außergerm. Verben und Nomina aind. tḗjatē ‘ist, wird scharf, schärft’, tigmáḥ ‘scharf, spitzig, heiß, heftig’, griech. stízein (στίζειν) ‘stechen, punkten, tätowieren, brandmarken’, stígma (στίγμα) ‘Stich, Brandmal, Malzeichen, Kennzeichen’, lat. īnstīgāre ‘anstacheln, anspornen, aufreizen’ ie. *(s)teig-, *(s)tig- voraus. Mit Sicherheit liegt eine ie. Ausgangsform mit i-Vokal bzw. i-Diphthong auch in aengl. stician ‘stechen, durchstoßen’, engl. to stick ‘stechen, stoßen, stecken’, einem Teil der unter ↗Stecken (s. d.) genannten Formen sowie in ablautendem anord. steikja ‘braten’, eigentlich ‘an den Bratspieß stecken’, vor. Bei einer Reihe verwandter Wörter aber (s. ↗Stich, ↗Stichel, ↗sticken, ↗ersticken) bleibt offen, ob das i der Wurzelsilbe aus dem Ie. ererbt oder (außerhalb des Got.) durch ein ursprüngliches i bzw. j der Folgesilbe aus e entstanden ist. Ie. *(s)teig-, *(s)tig- und die Variante *(s)teg- ‘stechen, spitz, Stange, Pfahl, Stock’ sind Gutturalerweiterungen der Wurzel ie. *(s)tei- ‘spitzig’, die unerweitert in lat. stilus, stimulus (s. ↗Stil, ↗stimulieren) enthalten ist. ausstechen Vb. ‘durch Stechen herausnehmen oder entfernen’, asächs. ūtstekan, spätmhd. ūʒstechen; auch ‘beim Turnier aus dem Sattel stechen’, daher ‘jmdn. von seinem Platze verdrängen, seine Stellung einnehmen, ihn übertreffen’ (17. Jh.). Stecher m. ‘wer sticht’, mhd. stechære, stecher, auch ‘gedungener Mörder, Turnierkämpfer, stechende Waffe, Dolch’; vgl. Kupferstecher, s. auch ↗Feldstecher. Stechapfel m. giftiges Nachtschattengewächs mit stachligen Früchten (16. Jh.). Stechpalme f. Strauch mit glänzenden, stachligen Blättern, dessen immergrüne Zweige vielfach am Palmsonntag geweiht und in der Prozession mitgeführt werden (16. Jh.). abstechen Vb. ‘mit einem Stichwerkzeug abtrennen, durch einen Stich schlachten, ablaufen lassen, markieren, abgrenzen, sich von oder gegen etw. abheben’, mhd. abestechen ‘abtrennen, durchtrennen, schlachten, durch Stechen (im Turnier) besiegen, übertreffen’. Abstecher m. ‘kleiner, von der vorgegebenen Route abweichender Ausflug’ (18. Jh., zuvor nd. affsteker, um 1700), zu abstechen in der älteren Bedeutung ‘sich entfernen, davonmachen’ (16. Jh.). anstechen Vb. ‘in etw. hineinstechen, es damit öffnen’ (ein Faß), mhd. anestechen ‘anzapfen’, auch ‘antreiben (mit den Sporen), Feuer anlegen’, ahd. anastehhan ‘hineinstechen’ (9. Jh.). Anstich m. ‘das Anzapfen’ (eines Fasses, 15. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) zuvorkommen · ↗(jemanden) ausbooten · ↗(jemanden) ausmanövrieren · ↗(jemanden) ausspielen · (jemanden) ausstechen  ●  (jemanden) ein Schnippchen schlagen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausstechen · ↗durchlöchern · ↗durchstechen · ↗einstechen · ↗lochen · ↗stanzen · stechen · ↗stoßen  ●  ↗piercen  engl. · ↗piken  ugs. · ↗piksen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) den Rang ablaufen · ↗(jemanden) (buchstäblich) stehen lassen · (jemanden) (weit) hinter sich lassen · ↗(jemanden) abhängen · (jemanden) blass aussehen lassen · ausstechen · ↗vorbeiziehen (an) · ↗überflügeln · ↗überholen · ↗überrunden · ↗übertreffen · ↗übertrumpfen  ●  (jemanden) alt aussehen lassen  ugs. · ↗schnupfen  ugs., österr., bair.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausstechen · ↗zuvortun

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auge Augen Bieter Cm Erzrivale Keks Konkurrent Konkurrentin Konkurrenz Mitbewerber Mitbieter Nebenbuhler Plätzchen Poker Rivale Rivalin Tierquäler Wettbewerber abhacken ausrollen backen bestreichen durchschneiden gegenseitig kneten mühelos stechen Ödipus Übernahmekampf übertrumpfen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausstechen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Entweder man bekommt zu viel davon, oder ein Werk sticht das andere aus.
Die Welt, 12.01.2002
Kürzlich sei sie einmal nur für fünf Minuten ins Haus gegangen; als sie zurückkehrte, rannte wieder ein Opfer mit ausgestochenen Augen fürchterlich schreiend umher.
Die Zeit, 29.11.1991, Nr. 49
Sie musste ihn wieder einmal ausstechen und ein tolles Geschenk vorbereiten.
Kerner, Charlotte: Blueprint Blaupause, Weinheim: Beltz & Gelberg 1999, S. 113
An seinen Augen und Ohren waren Henkersknechte beschäftigt, sie auszustechen und abzuschneiden.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Die Schwarz-Weiß-Brote können in Scheiben geschnitten oder mit Formen ausgestochen werden.
o. A.: Wir kochen gut, Leipzig: Verl. für d. Frau 1968 [1963], S. 17
Zitationshilfe
„ausstechen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausstechen>, abgerufen am 24.08.2019.

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