ausschreiten

GrammatikVerb · schritt aus, ist/hat ausgeschritten
Aussprache
Worttrennungaus-schrei-ten
Wortzerlegungaus-schreiten
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
schnell, mit großen Schritten vorwärtsgehen
Beispiele:
rüstig, kräftig, rasch, mächtig ausschreiten
umgangssprachlich wacker, tapfer ausschreiten
schneller, stärker ausschreiten
2.
selten
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. mit Schritten ausmessen
Beispiel:
Vom Hang bis zum Fluß sind es nicht mehr als fünfhundert Meter, ich habe es ausgeschritten [Th. MannHerr u. Hund9,576]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreiten · abschreiten · ausschreiten · Ausschreitung · einschreiten · fortschreiten · überschreiten
schreiten Vb. ‘feierlich, gemessen einhergehen’, ahd. scrītan ‘gleiten, gehen, vergehen’ (9. Jh.; vgl. giscrītan ‘zusammensinken, verfallen’, 8. Jh.), mhd. schrīten, auch ‘steigen, sich schwingen’, asächs. skrīdan, mnd. schrīden, auch ‘sich vorwärtsentwickeln’, mnl. scrīden, nl. schrijden, afries. scrīda, aengl. scrīþan ‘sich bewegen, kriechen, gleiten’, anord. skrīða ‘gleiten, kriechen, schreiten’, schwed. skrida (germ. *skreiþan). Weiteres ungeklärt. Vielleicht kann als vergleichbar lat. crīsāre (aus *creits- oder *crīts-) ‘beim Beischlaf mit den Schenkeln wackeln’, mir. crith ‘Zittern, Fieber’, bret. skrija ‘vor Furcht zittern’, lit. skriẽsti ‘(im Kreis herum)drehen’, ãpskritas ‘kreis-, kugelrund’, skritulỹs ‘Kreis’ herangezogen werden. Ansetzbar ist danach ie. *(s)kreit-, eine Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ker- ‘drehen, biegen, kreisend bewegen’ (s. ↗schräg). Als Ausgangsbedeutung ergibt sich ‘bogenförmige Bewegungen machen’, woraus in älterer Sprache ‘vorwärtsgleiten’ (z. B. von Wurm, Schlange, Schiff), dann ‘gleichmäßig, ruhig, gemessen gehen’. abschreiten Vb. ‘eine Strecke entlanggehen, mit Schritten abmessen’ (16. Jh.). ausschreiten Vb. ‘mit großen, weitausholenden Schritten gehen’, zuvor ‘hinausgehen, (vom Weg) abgehen, aus der Bahn gehen, weggehen’ (16. Jh.); Ausschreitung f. ‘das Abgehen vom rechten Wege, Abweichung’ (17. Jh.), ‘großer Schritt’ (18. Jh.), ‘Gewalttätigkeit, Übergriff’ (19. Jh.). einschreiten Vb. ‘gegen Übergriffe, ungesetzliche Handlungen vorgehen’ (18. Jh.). fortschreiten Vb. ‘vorangehen, sich weiterentwickeln’ (um 1600). überschreiten Vb. ‘eine Grenze, einen Punkt hinter sich lassen, darüber hinausgehen’, ahd. ubarscrītan (10. Jh.), mhd. überschrīten, auch ‘übertreten, besteigen, überreden, bewegen zu’.

Thesaurus

Synonymgruppe
(kräftig) ausschreiten  variabel · ein strammes Tempo vorlegen  variabel · einen schnellen Schritt einschlagen  variabel
Oberbegriffe
  • einen Fuß vor den anderen setzen · ↗gehen · ↗laufen  ●  zu Fuß gehen  Hauptform · ↗latschen  ugs., salopp · zu Fuß laufen  ugs.
  • (einen) Schritt zulegen · ↗beschleunigen (aktiv) · volle Kraft voraus fahren  ●  (die) Geschwindigkeit erhöhen  Hauptform · ↗(Tempo) anziehen  ugs. · (die) Schlagzahl erhöhen  ugs. · (eine) Schippe zulegen  ugs. · (eine) Schüppe Kohlen drauflegen  ugs., ruhrdt. · (einen) Schlag zulegen  ugs. · (einen) Zahn zulegen  ugs. · (mehr) Tempo machen  ugs. · Gas geben  ugs. · Gummi geben  ugs. · auf die Tube drücken  ugs., veraltend · aufs Tempo drücken  ugs. · ↗reinhauen  ugs. · schneller machen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bein Bretterhaus Kreis energisch kräftig schreiten zügig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausschreiten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Mit schwingenden Armen schreite ich immer weiter in die Gänge aus.
Die Zeit, 27.04.2009, Nr. 17
Welchen Weg hatte er, bald frisch ausschreitend, bald wieder zaghaft, eigentlich zurückgelegt?
Süddeutsche Zeitung, 06.10.2003
Allgemach aber senkte sie sich tiefer, das Armgelenk tat nicht mehr weh, und man vermochte auszuschreiten, ohne daß man sich gezerrt und gezogen fühlte.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 391
Konrad sah ihm nach, wie er auf der hellen Straße neben dem schimmernden Bach kräftig ausschritt, ohne sich auch nur ein einziges Mal umzusehen.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2393
In hohen Schnürstiefeln schreitet sie energisch aus, ihre Gedanken sind offensichtlich woanders.
Heller, Gisela: Märkischer Bilderbogen, Berlin: Berlin Verlag der Nation 1978, S. 233
Zitationshilfe
„ausschreiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausschreiten>, abgerufen am 23.07.2019.

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