ausscheren

GrammatikVerb · scherte aus, ist ausgeschert
Aussprache
Worttrennungaus-sche-ren
Wortzerlegungaus-scheren4
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eine Reihe verlassen
a)
Seemannssprache, Flugwesen das Fahren, Fliegen im Verband aufgeben
Beispiele:
das Schiff schert (aus dem Geleitzug) aus
ein Flugzeug schert (aus dem Pulk, aus der Kette) aus
b)
seitlich ausbiegen
Beispiele:
das Auto schert (aus der Reihe) zum Überholen aus
der Radfahrer schert nach links aus
2.
übertragen sich von einer (politischen) Gemeinschaft absondern
Beispiel:
diese Partei scherte aus der Koalition aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

scheren2 · ausscheren
scheren2 Vb. ‘sich fortmachen, sich packen, sich entfernen’, älter ‘schnell eilen, entkommen’ (15. Jh.), vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’. Die Herkunft des schwachen Verbs ist unsicher. Vielleicht kann es an ahd. skerōn ‘mutwillig sein’, aber auch ‘sich ausruhen’ (9. Jh.) angeschlossen werden. Außergerm. sind aind. kiráti ‘gießt aus, streut aus, wirft’, griech. ská͞irein (σκαίρειν) ‘springen, hüpfen’, aslaw. skorъ, russ. skóryj (скорый) ‘schnell, flink’, lit. skėrỹs ‘Heuschrecke’ vergleichbar, so daß auf die Wurzel ie. *(s)ker(ə)- ‘springen, herumspringen’, eigentlich ‘(sich) drehend bewegen, schwingen’ zurückgegangen werden kann. Zu deren Erweiterungen gehören ↗Scherz und ↗schrecken (s. d.). Vgl. die Komposita sich fort-, wegscheren. ausscheren Vb. ‘aus der Reihe gehen, den Kurs verlassen, aus dem Schiffsverband herausfahren’ (19. Jh.), allgemein ‘sich von einer Gruppe, einer Gemeinschaft absondern’ (20. Jh.). Aus der Seemannssprache; vgl. nd. scheren ‘gehen, eilen, laufen’ (s. oben), auch ‘hin und her schweben, fliegen oder fahren’ und ‘beim Schlittschuhlaufen nach beiden Seiten in Halbkreisen ausschweifen’ (18. Jh.), ‘seitlich abweichen’ (19. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausscheren · ↗aussteigen · ↗austreten
Antonyme
  • ausscheren
Synonymgruppe
(die) Spur verlassen · (die) Spur wechseln · ausscheren · nach links ziehen · nach rechts ziehen
Synonymgruppe
(den/die/das) gemeinsame(n) (...) verlassen · (eine) Extrawurst gebraten haben wollen · ausscheren (aus) · nicht mitziehen (wollen)  ●  (eine) Sonderbehandlung verlangen  variabel · aus der Reihe tanzen  fig.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er will ausscheren und Maler werden, sucht nur nach dem "rechten Licht".
Süddeutsche Zeitung, 06.10.1998
Wer ausschert, ist meist enttäuscht von den Methoden, aber nicht von den Inhalten.
Die Zeit, 27.09.2006, Nr. 41
Denn tatsächlich kann es kaum eine Dritte-Welt-Elite wagen, aus dem internationalen System auszuscheren.
konkret, 1983
Die Zusammenarbeit im Westen würde nicht erleichtert, sondern erschwert werden, wenn wir aus der gemeinsamen Entspannungspolitik ausscheren sollten.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1972]
Auch die Autorin ist ausgeschert, seit sie schon als Halbwüchsige darauf bestand, als Frau Schriftstellerin zu werden.
konkret, 1982
Zitationshilfe
„ausscheren“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausscheren>, abgerufen am 20.07.2019.

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