auskotzen

GrammatikVerb · kotzt aus, kotzte aus, hat ausgekotzt
Worttrennungaus-kot-zen
Wortzerlegungaus-kotzen
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2018

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich, derb jmd. kotzt etw. aus ausbrechen2, erbrechen
Beispiele:
Das erste und einzige Essen seit seiner Verhaftung habe er ausgekotzt. [Die Welt, 22.01.2002]
Wir erleben [in diesem Film] eine geysirhafte Entladung, bei der eine Frau ihre Wut, ihren Frust, ihr Leben auskotzt – mitten auf Jodie Fosters teure Kunstbände[…]. [Die Zeit, 08.09.2011, Nr. 37]
im Bild […] sie [die an einer Muskelkrankheit Leidende] […] hat einen Bestseller geschrieben, ein Buch voller Wut, das sie ihrem Körper abgerungen hat. Sie hat all das ausgekotzt, was sie in den Jahren davor in sich hineingefressen hat: die Intoleranz der »Normalen«, die absurden Vorurteile, die Demütigungen. [Süddeutsche Zeitung, 12.07.2012]
Man müsste dann einen Arzt kennen, der einem [beim Suizid] hilft. Denn ich könnte es nur mit Tabletten machen, auf die sanfte Art. Ich könnte mich nicht erhängen. Man muss die Tabletten, damit man sie nicht auskotzt, mit Apfelmus mischen. [Berliner Zeitung, 27.11.2004]
»Hunger« ist das Portrait einer Frau, die an Bulimie leidet, die manisch in sich hineinfrißt, um es gleich danach wieder auszukotzen. [die tageszeitung, 28.08.1997]
2.
umgangssprachlich, derb jmd. kotzt sich aussich heftig übergeben, erbrechen
Beispiele:
Dann bin ich aufs Klo, Finger in den Hals, hab mich ausgekotzt, Wasser getrunken, wieder gekotzt. [die tageszeitung, 18.07.1998]
Er terrorisierte die ganze Familie. Eines Tages machte er meine Mutter fertig, mir wurde übel, ich hab mich ausgekotzt. [Bild, 13.01.2009]
Als Kati Wilhelm am Donnerstag ins Ziel kommt, fällt sie auf die Knie. […] Kati Wilhelm wird Siebte, immerhin, sie hat gekämpft. »Ich muss mich auskotzen auf der Strecke, wenn ich das nicht mögen würde, hätte ich mir wohl einen anderen Zeitvertreib gesucht«, sagt sie. [Der Spiegel, 20.02.2006, Nr. 8]
3.
übertragen, umgangssprachlich, derb jmd. kotzt sich ausseinem Ärger, seiner Wut, Enttäuschung verbal Ausdruck geben, sich Belastendes von der Seele reden; negative Gefühle auf unreflektierte, unflätige, heftigste Weise verbal äußernQuelle: DWDS, 2018
Beispiele:
Alle reden über diese Menschen, die sich im Internet auskotzen, die verächtliche Kommentare und Videos posten. [Die Zeit, 14.08.2017 (online)]
Sie [die Parteibasis] wollte ihren Unmut loswerden, man könnte auch sagen: sich auskotzen, über »Berlin«, die große Koalition – und: [den Parteivorsitzenden] Sigmar Gabriel. [Die Welt, 15.01.2015]
»Wir haben uns so richtig die Meinung gesagt, uns teilweise sogar beschimpft und ausgekotzt«, sagt Ersatzkapitän Mario Basler, der ebenso wie Marco Reich leicht angeschlagen ist. [Frankfurter Rundschau, 28.08.2000]
»Wir machen aber keine Telefonberatung oder Gesprächstherapie«, sagt Rainer, der seit drei Jahren zweimal im Monat Anrufe entgegennimmt. »Wir versuchen, die Leute zu entlasten, indem wir ihnen zuhören. Sie können sich bei uns auskotzen, und oft hilft das schon.« [die tageszeitung, 04.01.1993]
Kollokation:
mit Akkusativobjekt: jmd. kotzt seine Seele aus
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

kotzen · Kotze2 · auskotzen · ankotzen
kotzen Vb. ‘sich übergeben, erbrechen’, im 15. Jh. entstanden aus frühnhd. koptzen, einer Intensivbildung zu einem wohl lautmalenden Verb frühnhd. koppen ‘aus dem Magen aufstoßen, rülpsen’; vgl. auch gleichbed. spätmhd. koppeln, köppeln sowie koppen ‘krächzen’ (vom Raben). Kotze2 f. ‘Erbrochenes’ (16. Jh.), frühnhd. Kotz m. auskotzen Vb. ‘erbrechen’ (16. Jh.), übertragen (reflexiv) ‘seinem Groll Luft machen’ (20. Jh.). ankotzen Vb. ‘anwidern, anekeln, anschreien, anfahren’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(Nahrung) nicht bei sich behalten (können) · ↗(etwas) erbrechen · ↗(sich) erbrechen · ↗(sich) übergeben · hochwürgen · ↗speien  ●  Magen(inhalt) oral entleeren  variabel · ↗speiben  österr. · ↗spucken  regional · (das Essen) kommt oben wieder heraus  ugs. · (sich) auskotzen  derb · ↗brechen  ugs. · göbeln  ugs., regional · kotzen  derb · ↗reihern  ugs. · rückwärts essen  ugs., scherzhaft · ↗vomieren  geh.
Assoziationen
  • (das Sich-)Übergeben · ↗Erbrechen · Erbrechungen  ●  ↗Emesis  fachspr. · ↗Vomitus  fachspr.
  • Spuckbeutel · Spucktüte  ●  Speibsackerl  österr. · Kotztüte  ugs.
  • Brechmittel  ●  ↗Emetikum  fachspr. · ↗Vomitorium  fachspr., lat.
  • (einen) Würgereiz (haben) · (sich) übergeben (wollen) · kurz davor sein, sich zu übergeben  ●  (eine) schwere Zunge (haben)  fig.
  • (sich) übergeben müssen (von)  ●  nicht bei sich behalten (können)  fig. · (das Essen) kommt oben wieder heraus  ugs. · wieder auskotzen  derb
Synonymgruppe
(seinem) Ärger Luft machen · ↗(sich) beklagen · ↗(sich) beschweren · (sich) unzufrieden äußern · ↗beckmessern · ↗bekritteln · ↗bemäkeln · ↗herumkritisieren (an) · ↗herummeckern · ↗herumnörgeln (an) · immer (et)was auszusetzen haben · immer (et)was zu meckern haben · ↗murren · ↗mäkeln · ↗räsonieren  ●  ↗reklamieren  schweiz. · (he)rumjaulen  ugs., salopp, fig. · (seinen) Frust loswerden (wollen)  ugs. · (seinen) Frust rauslassen  ugs. · (sich) auskotzen  derb · Frust ablassen  ugs. · abkotzen  derb, fig. · ↗granteln  ugs., österr., bair. · ↗herummaulen  ugs. · ↗herummotzen  ugs. · ↗herummäkeln (an)  ugs. · ↗maulen  ugs. · ↗meckern  ugs. · ↗mosern  ugs. · ↗motzen  ugs. · ↗nölen  ugs. · ↗nörgeln  ugs., Hauptform · ↗pöbeln  ugs. · ↗quengeln  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr. · rummaulen  ugs. · rummeckern  ugs. · rummotzen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandem) sein Herz ausschütten · (jemandem) sein Leid klagen · (jemanden) behelligen mit  ●  (seine Sorgen) abladen bei  fig., variabel · (sich) ausweinen bei  auch figurativ · (jemandem) die Ohren volljammern  ugs. · (seinen Frust) rauslassen bei  ugs., variabel · (sich) auskotzen  derb, fig.
Assoziationen
  • bejammern · ↗klagen · ↗lamentieren · ↗wehklagen · ↗zetern  ●  ↗jammern  Hauptform · ↗barmen  geh., veraltend, regional, literarisch · ↗heulen  ugs. · ↗janke(r)n  ugs. · ↗raunzen  ugs., österr.
  • einreden (auf)  ●  (jemandem) die Ohren vollblasen  ugs. · (jemandem) die Ohren volllabern  ugs. · (jemandem) die Ohren vollquatschen  ugs. · (jemandem) die Ohren vollsülzen  ugs. · (jemandem) ein Ohr abkauen  ugs., fig. · (jemandem) ein Ohr abknabbern  ugs., fig. · (jemandem) einen Knopf an die Backe labern  ugs., fig. · (jemandem) in den Ohren liegen (mit)  ugs. · (jemanden) totquatschen  ugs., fig. · (jemanden) volllabern  ugs. · (jemanden) vollquatschen  ugs. · (jemanden) vollsülzen  ugs., abwertend · (jemanden) zuquasseln  ugs. · ↗(jemanden) zuschwallen  ugs. · (jemanden) zutexten  ugs. · (wie) wild einreden auf (Verstärkung)  ugs.
  • (sich) anbiedernd · Grenzen ignorierend · Grenzen verletzend · ↗anhänglich · ↗aufdringlich · bedrängend · belästigend · ↗distanzlos · drängelnd · drängend · in (bester) Stalker-Manier · ↗indiskret · ↗lästig · nicht abzuschütteln · peinlich indiskret · ↗penetrant · ↗schmierig · ↗unangenehm · unangenehm vertraulich · von peinlicher Indiskretion · übertrieben zuvorkommend  ●  ↗grenzüberschreitend  Jargon · ↗zudringlich  Hauptform · lästig wie eine Klofliege  ugs. · nicht (wieder) loszuwerden  ugs. · ↗übergriffig  geh.
  • (jemandem etwas) vorweinen  ●  ↗(jemandem etwas) vorjammern  abwertend · ↗(jemandem etwas) vorheulen  ugs.
  • (sich) ausweinen (bei jemandem)  auch figurativ · (sich) ausheulen (bei jemandem)  ugs., auch figurativ
Synonymgruppe
(seiner) Verärgerung Ausdruck geben  ●  (seinem) Unmut Luft machen  variabel · Dampf ablassen  fig. · (sich) auskotzen  derb, fig.
Assoziationen
  • Unmut äußern · Zorn äußern · ↗fluchen · ↗geifern · ↗herumschreien · ↗keifen · ↗poltern · ↗schimpfen · ↗zetern  ●  fluchen wie ein Bierkutscher  ugs. · fluchen wie ein Droschkenkutscher  ugs. · fluchen wie ein Fischweib  ugs. · herumzetern  ugs. · keifen wie ein Fischweib  ugs. · ↗motzen  ugs. · rumschreien  ugs. · schimpfen wie ein Rohrspatz  ugs. · ↗schnauzen  ugs. · ↗wettern  ugs.
  • Randale machen · ↗herumtoben · herumwüten · ↗randalieren · ↗toben · ↗wüten  ●  Amok laufen  ugs. · ↗ausrasten  ugs. · ↗austicken  ugs. · ↗berserkern  geh., selten · ↗rumtoben  ugs. · rumwüten  ugs. · verrückt spielen  ugs.
  • (etwas) klar aussprechen · (ganz) offen sein · (jemandem) nichts vormachen · (mit etwas) nicht hinterm Berg halten · (mit jemandem) Fraktur reden · (sich) unmissverständlich ausdrücken · auf den Punkt bringen · auf den Punkt kommen · deutlich werden · deutliche Worte finden · deutlicher werden · klare Worte finden · offen reden · offen und ehrlich seine Meinung sagen · unbeschönigt seine Meinung äußern · unverblümt benennen  ●  die Karten offen auf den Tisch legen  fig. · kein Blatt vor den Mund nehmen  fig. · offen aussprechen  Hauptform · (eine) klare Ansage (machen)  ugs. · (etwas) auf gut Deutsch sagen  ugs. · ↗Klartext (reden)  ugs. · Klartext reden  ugs. · Tacheles reden  ugs. · aus seinem Herzen keine Mördergrube machen  ugs. · das Kind beim Namen nennen  ugs. · nicht (lange) um den heißen Brei herumreden  ugs. · nicht drumherum reden  ugs. · reinen Wein einschenken  ugs., fig. · zur Sache kommen  ugs.
  • (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemanden) brauchen, dem man etwas erzählen kann  ●  (sich) etwas von der Seele reden  Hauptform · (etwas) loswerden (wollen)  ugs., fig.
  • (seine) Wut auslassen an · (sich) abreagieren an  ●  (ein) Ventil finden  fig. · (sein) Mütchen kühlen (an)  geh., veraltend
Zitationshilfe
„auskotzen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/auskotzen>, abgerufen am 26.05.2019.

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