aushändigen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungaus-hän-di-gen
Wortbildung mit ›aushändigen‹ als Erstglied: ↗Aushändigung
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. dem zuständigen Empfänger (offiziell) übergeben
Beispiele:
jmdm. die Bescheinigung, den Brief, das Geld, den Pass, Schlüssel, die Vollmacht aushändigen
diese Einladungen hatte er ... durch Spezialkuriere aushändigen lassen [Kellerm.Tunnel36]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hand · aushändigen · Handbuch · handfest · Handgeld · handgemein · Handgemenge · handgreiflich · Handhabe · handhaben · Handlanger · handlich · Handschrift · Handschuh · Handstreich · Handtuch · Oberhand · überhandnehmen
Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. engl. hand, anord. hǫnd, schwed. hand, got. handus führen auf eine Substantivbildung germ. *handu-, die im Ablautverhältnis steht zu got. -hinþan ‘greifen, fangen’ (frahinþan ‘gefangennehmen’), aschwed. schwed. hinna ‘erlangen, erreichen’ und zu ahd. herihunda ‘Beute’ (9. Jh.), aengl. hūþ, got. hunþs ‘Beute’. Hand wäre danach als ‘die Greifende, Fangende’ zu deuten. Eine Verbindung zu außergerm. Wörtern ist nicht sicher nachzuweisen; de Vries Nl. 234 hält daher Herkunft aus einem vorie. Substrat für möglich. Doch vgl. zur Problematik des Wortes Markey in: Journal of Indo-European Studies 12 (1984) 261 ff. Im Ahd. geht Hand in die i-Deklination über; Reste des alten u-Stammes zeigen Fügungen wie abhanden (s. ↗ab), vorhanden ‘verfügbar, vorrätig’, eigentlich ‘vor den Händen’ (15. Jh.), meist in der Fügung vorhanden sein, attributiv seit dem 18. Jh., und zuhanden ‘greifbar, nahe’ (15. Jh.), die den umlautlosen Dativ Plur. bewahren. aushändigen Vb. ‘aus der Hand geben’ (17. Jh.). Handbuch n. ‘Buch, das den Stoff eines Wissensgebietes umfaßt’, Übersetzung (15. Jh.) von gleichbed. lat. manuāle. handfest Adj. ‘kräftig, derb’, mhd. hantveste, mnd. hantvast ‘in feste Hand genommen, gefangen, tüchtig’. Handgeld n. ‘Anzahlung bei mündlichem Abschluß eines Vertrages’, besonders ‘Geld, das jmdm. (bei der Anwerbung zum Militärdienst) in die gelobende Hand gezahlt wird’ (17. Jh.); vgl. mnd. hantgelt ‘Zins, Rente’ (14. Jh.). handgemein Adj. ‘handgreiflich, tätlich’ (18. Jh.). Handgemenge n. ‘Schlägerei, Nahkampf’ (17. Jh.). handgreiflich Adj. ‘tätlich, greifbar’ (17. Jh.). Handhabe f. ‘Griff, Henkel, begründeter Anlaß’, ahd. hanthaba (9. Jh.), mhd. hanthabe; handhaben Vb. ‘auf eine bestimmte Weise gebrauchen, benutzen’ (16. Jh.), frühnhd. hanthaben ‘fest fassen, (an)halten, schützen, unterstützen’ (15. Jh.). Handlanger m. ‘Zuarbeiter’ (in Bauberufen), ‘willfähriger Helfer’ (15. Jh.); zu ↗langen ‘ausstrecken, reichen, greifen’ (s. d.). handlich Adj. ‘bequem, leicht zu handhaben’, mhd. hantlich ‘mit der Hand verrichtet’. Handschrift f. ‘für jmdn. charakteristische Schrift, handgeschriebenes Werk’, frühnhd. auch ‘Unterschrift, Schuldbrief’ (15. Jh.). Handschuh m. ‘Bekleidungsstück der Hand’, ahd. hantscuoh (9. Jh.), mhd. hantschuoch. Handstreich m. ‘Handschlag’ (16. bis 19. Jh.); ‘plötzlicher Überfall’ (Anfang 19. Jh. als Übersetzung von frz. coup de main). Handtuch n. ‘Tuch zum Abtrocknen der Hände, des Körpers’, ahd. hanttuoh (Hs. 12. Jh.), mhd. hanttuoch; aus dem Boxsport das Handtuch werfen ‘(den Kampf) aufgeben’ (20. Jh.). Oberhand f. ‘Überlegenheit, Übermacht’, mhd. oberhant (aus obere hant); geläufig die Oberhand gewinnen, behalten. Zu Hand im Sinne von ‘Besitz, Macht’. überhandnehmen Vb. ‘sich zu stark vermehren, ausbreiten’ (15. Jh.), mhd. überhant nemen; vgl. mhd. überhant f. ‘Übermacht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgeben · aushändigen · ↗ausrüsten · ↗bereitstellen · ↗liefern · ↗verteilen · ↗zuteilen
Assoziationen
Synonymgruppe
aushändigen · ↗ausliefern · ↗übergeben  ●  ↗ausfolgen  österr.
Oberbegriffe
Synonymgruppe
aushändigen · herüber reichen · ↗reichen · ↗übergeben · ↗überreichen  ●  ↗(jemandem etwas) geben  Hauptform · ↗ausfolgen  österr. · (jemandem etwas) in die Hand drücken  ugs., salopp · ↗rüberschieben  ugs. · rüberwachsen lassen  ugs., veraltend, salopp, Jargon
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abschrift Ausfertigung Autoschlüssel Bargeld Bescheinigung Bordkarte Entlassungsurkunde Ernennungsurkunde Formular Geldbörse Kassiererin Kaution Kopie Merkblatt Quittung Reiseunterlage Räuber Scheck Schlüssel Sicherungsschein Sprengstoff Tageseinnahme Tresorschlüssel Unterlage Urkunde Verlangen Wohnungsschlüssel Zimmerschlüssel händigen übersenden

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aushändigen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

So hat das FBI der kenianischen Regierung erst im vergangenen Monat eine Liste mit 200 verdächtigen Namen ausgehändigt.
Die Welt, 29.11.2002
Im Moment muß man direkt nach diesen Jobs fragen, dann bekommt man sie auch ausgehändigt.
Der Tagesspiegel, 19.07.1997
Der Arzt ist verpflichtet, dem Patienten auf Verlangen diese Daten abschriftlich auszuhändigen.
o. A. [Hi.]: Strahlenschutz. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1975]
Erst vor seinem Tode wird er dem Sohn die Hefte wieder aushändigen.
Jahn, Janheinz: Afrika. Der neue Partner in der Weltgeschichte. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1965], S. 33646
Ich möchte anregen, uns auch die deutsche Übersetzung frühzeitig auszuhändigen.
o. A.: Achtzehnter Tag. Mittwoch, 12. Dezember 1945. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1945], S. 24746
Zitationshilfe
„aushändigen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aushändigen>, abgerufen am 17.10.2019.

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