ausgeleiert

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungaus-ge-lei-ert (computergeneriert)
Grundformausleiern
eWDG, 1967

Bedeutung

salopp überdreht, abgenutzt
Beispiele:
ein ausgeleiertes Schraubengewinde, eine ausgeleierte Kanone
ein Mechanismus, eine Feder ist ausgeleiert
der Hosenträger, das Gummiband ist ausgeleiert (= ausgedehnt)
bildlich
Beispiel:
Georg kam trotzdem nicht weiter, wund die Knie, ausgeleiert die Arme [SeghersSiebtes Kreuz4,23]
übertragen verbraucht
Beispiel:
Bestimmt sind die meisten Leute zu schlaff ... und innerlich ausgeleiert [Th. MannZauberb.2,799]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Leier · Leierkasten · leiern · ableiern · abgeleiert · ausleiern · ausgeleiert
Leier f. Die Bezeichnung für das antike, durch Zupfen oder Anschlagen zum Tönen zu bringende Saiteninstrument lat. lyra, griech. lýra (λύρα) ergibt die Entlehnung ahd. līra (9. Jh.), mhd. līre. Der Ausdruck geht im ausgehenden Mittelalter (14. Jh.) auf die mechanisch betriebene Drehleier (mlat. organistrum) über, deren Saiten durch eine Kurbel zum Klingen gebracht werden. Zur Zeit des Humanismus wird Leier wieder Bezeichnung für die antike Lyra (16. Jh.), während das weiterentwickelte mechanisch betriebene Instrument Leierkasten m. (um 1800) genannt wird. An (Dreh)leier knüpft der umgangssprachliche Gebrauch von Leier als ‘Kurbel zum Drehen, Drehvorrichtung’ (15. Jh.) an. Redensartlich (im Hinblick auf den geringen Tonumfang bzw. den ausdruckslosen, stets wiederkehrenden Vortrag) eine alte Leier ‘längst Bekanntes’ (16. Jh.), auf einer, bei seiner Leier bleiben (17. Jh.), immer die alte Leier ‘immer dasselbe’ (18. Jh.). leiern Vb. ‘monoton hersagen, gleichförmig sprechen, eine Melodie auf dem Leierkasten spielen, (eine Kurbel) drehen’, mhd. līren ‘die Leier spielen, eintönig singen oder sprechen, hinausziehen, zögern’. ableiern Vb. ‘(bis zum Überdruß) eintönig, mechanisch vortragen, hersagen, absingen’ (Ende 18. Jh.); abgeleiert Part.adj. ‘abgedroschen, abgenutzt’ (19. Jh.). ausleiern Vb. ‘durch häufigen Gebrauch, durch vieles Drehen abnutzen’ (17. Jh.); ausgeleiert Part.adj. ‘überdreht, abgenutzt’ (um 1800).

Thesaurus

Synonymgruppe
ausgebeult (Hose) · ausgeweitet · geweitet (Kleidung) · verbeult  ●  ausgeleiert  ugs. · bollerig  ugs., westfälisch
Assoziationen
  • (etwas) ramponiert · (leicht) lädiert · nicht der (die/das) allerneueste · schon (etwas) mitgenommen · schon bessere Tage gesehen haben
Synonymgruppe
ausgeleiert · ↗brüchig · ↗defizitär · ↗drittklassig · ↗fehlerhaft · ↗lückenhaft · verlustbehaftet

Typische Verbindungen
computergeneriert

Formel Gleis Gummiband Jeans Metapher Pulli Pullover Schablone T-Shirt Unterhose längst ziemlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausgeleiert‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Sie verzweifeln allmählich daran, mit ausgeleiertem Material scharfe Munition drehen zu müssen.
Der Tagesspiegel, 22.02.2002
Wer einen Platz findet, läßt sich in einen der ausgeleierten Sessel fallen.
Die Zeit, 04.03.1999, Nr. 10
Sie zeigte auf ihre graue Jacke und den ausgeleierten Rock.
Knef, Hildegard: Der geschenkte Gaul, Berlin: Ullstein 1999 [1970], S. 135
Die seitlich gerutschte, vom täglichen Binden ausgeleierte Krawatte hing über dem schlaffen Jackett.
Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 206
Herr Warga, der ab nun in einem Rollstuhl sitzt, sieht für den ausgeleierten Sessel, von dem inzwischen Schocker Besitz ergriffen hat, keine Verwendung mehr.
Ossowski, Leonie: Die große Flatter, Weinheim: Beltz & Gelberg 1986 [1977], S. 33
Zitationshilfe
„ausgeleiert“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausgeleiert>, abgerufen am 20.06.2019.

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