ausgelassen

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungaus-ge-las-sen
Grundformauslassen
eWDG, 1967

Bedeutung

übermütig, überschäumend
Beispiele:
ein ausgelassenes Mädchen
eine ausgelassene Jugend, Gesellschaft
in ausgelassener Laune sein
ein ausgelassenes Lachen
eine ausgelassene Lebensfreude, Heiterkeit
in ausgelassenen Jubel ausbrechen
das Gewölbe hallte wider vom ausgelassenen Gekreisch [ViebigTägl. Brot112]
[die beiden Hunde] die mit ausgelassenen Sprüngen ihm entgegentobten [Storm7,96]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

lassen · ablassen · unablässig · anlassen · Anlasser · Anlaß · anläßlich · veranlassen · auslassen · ausgelassen · einlassen · Einlaß · entlassen · Entlassung · erlassen · Erlaß · unerläßlich · hinterlassen · Hinterlassenschaft · nachlassen · Nachlaß · nachlässig · vernachlässigen · niederlassen · Niederlassung · überlassen · unterlassen · Unterlaß · verlassen · Verlaß · verläßlich · zulassen · zulässig
lassen Vb. ‘dulden, erlauben, bitten, veranlassen, daß etw. geschieht, unterlassen, aufhören mit etw., überlassen, geben, aufgeben’. Das gemeingerm., ehemals reduplizierende Verb ahd. lāʒan (8. Jh.), Kurzform lān, mhd. lāʒen, lān, asächs. lātan, mnd. mnl. lāten, nl. laten, aengl. lǣtan, engl. to let, anord. lāta, schwed. låta, got. lētan ist mit den unter ↗lasch und ↗lässig (s. d.) angegebenen Formen und außergerm. mit griech. lēdé͞in (ληδεῖν) ‘träge, müde sein’, lat. lassus (aus *lədto-) ‘laß, matt, müde, abgespannt’, alban. lodh ‘er ermüdet jmdn.’ und lit. léisti ‘(los)lassen, freilassen’ auf eine Wurzelerweiterung ie. *lē(i)d-, *ləd- der Wurzel ie. *lē(i)- ‘nachlassen’ rückführbar. ablassen Vb. ‘von etw., jmdm. abstehen, aufgeben, entweichen lassen, herniederlassen, (käuflich) überlassen’, ahd. oblāʒan (für gewöhnliches aba-) ‘erlassen, Nachlaß gewähren’ (8. Jh.), mhd. abelāʒen, auch ‘aufgeben, Abstand nehmen, losgehen lassen, entweichen lassen, niederlassen’; s. ↗Ablaß; unablässig Adj. ‘nicht ablassend, andauernd, ohne Unterbrechung’ (16. Jh.). anlassen Vb. ‘(Kleidung) nicht ablegen, eine Vorrichtung nicht ausschalten, einen Motor in Gang setzen’, reflexiv ‘beginnen, in Betrieb kommen’; vgl. ahd. analāʒan ‘hineinlassen, etw. über jmdn. (sich) kommen lassen’ (8. Jh.), mhd. anelāʒen ‘erfinden, angeben, loslassen, in Bewegung setzen’; Anlasser m. ‘Vorrichtung zum In-Gang-Setzen eines Motors, einer Maschine’ (älter Anlaßhebel, 19. Jh.), bei Elektromotoren ‘vorgeschalteter Widerstand, der ein langsames Anlaufen gewährleistet’ (um 1900); Anlaß m. ‘Ursache, Grund’, mhd. ane-, anlāʒ ‘Anfang, Beginn, Punkt, von dem ein Wettrennen ausgeht, Anreiz, Gelegenheit, Kompromiß’; anläßlich Präp. ‘bei Gelegenheit, aus Anlaß’ (19. Jh.), älter (selten) auch adjektivisch und adverbial (15. Jh.); veranlassen Vb. (schwach flektierend) ‘anregen, anordnen, bewirken’, frühnhd. ‘etw. auf jmdn. schieben, jmdn. für etw. auswählen’ (15. Jh.). auslassen Vb. ‘loslassen, weglassen, nicht beachten, (Kleider) verlängern, (Ärger, Zorn) Unschuldige entgelten lassen’, ahd. ūʒlāʒan ‘fortschicken, ausschütten, freilassen, nicht zurückhalten, vergießen, aussprechen, beenden’ (9. Jh.), mhd. ūʒlāʒen; ausgelassen Part.adj. ‘unbändig, hemmungslos’ (vgl. in älterer Sprache ausgelassener Trotz, ausgelassene Leidenschaft), ‘sehr fröhlich’, eigentlich ‘freigelassen’ (16. Jh.). einlassen Vb. ‘herein-, hineinlassen, einfügen’, reflexiv ‘auf etw. eingehen, mit jmdm. verkehren’, ahd. inlāʒan ‘hineinwerfen, einlassen’ (8. Jh.), mhd. īnlāʒen; Einlaß m. ‘das Hineinlassen, Öffnen, Eintritt, Tür’ (16. Jh., Einlaß begehren). entlassen Vb. ‘freigeben, verabschieden, (aus einem Amt) wegschicken, jmds. (Arbeits)vertrag aufkündigen’, ahd. intlāʒan ‘nachlassen, verzeihen, loslassen, lösen, entspannen, weichen’ (8. Jh.), mhd. entlāʒen ‘loslassen, fahrenlassen’, reflexiv ‘sich entfalten’; Entlassung f. ‘Freilassung, Verabschiedung, Entfernung aus einem Amt’ (17. Jh.). erlassen Vb. ‘in Kraft treten lassen, anordnen, von etw. befreien, eine Anordnung aufheben’, ahd. irlāʒan ‘unterlassen, befreien von’ (9. Jh.), mhd. erlāʒen ‘wovon freilassen’, reflexiv ‘auseinandergehen, sich enthalten, unterlassen’; Erlaß m. ‘Verfügung, Anordnung, Aufhebung’ (18. Jh.); unerläßlich Adj. ‘unbedingt erforderlich, nicht aufhebbar’ (17. Jh.). hinterlassen Vb. ‘(einem anderen) zurücklassen, etw. vererben’ (16. Jh.); Hinterlassenschaft f. ‘Zurückgelassenes, Erbe’ (19. Jh.). nachlassen Vb. ‘Spannung lockern, vermindern, schlechter werden, zurücklassen, Preise herabsetzen’, spätmhd. nāchlāʒen; Nachlaß m. ‘das Nachlassen’ (16. Jh.), ‘Hinterlassenschaft’ (18. Jh.), literarischer Nachlaß (19. Jh.); nachlässig Adj. ‘säumig, unzuverlässig, unordentlich’ (15. Jh.); vernachlässigen Vb. ‘nicht gehörig betreuen oder beachten’ (18. Jh., durch Lessing und Goethe verbreitet). niederlassen Vb. ‘von oben herunterlassen’, reflexiv ‘sich ansiedeln, einen festen Wohnsitz, ein Geschäft, eine Firma einrichten’, ahd. nidarlāʒan ‘sinken lassen, nach unten wenden, hinab-, herablassen, versenken’ (9. Jh.), mhd. niderlāʒen; Niederlassung f. ‘das Senken, Ansiedlung, Gründung eines geschäftlichen Unternehmens, Filiale’ (16. Jh.). überlassen Vb. ‘abtreten, übergeben, anheimstellen’ (15. Jh.). unterlassen Vb. ‘nicht tun, versäumen zu tun’, ahd. untarlāʒan (9. Jh.), mhd. underlāʒen ‘abstehen, nicht tun’; Unterlaß m. nur noch in der Fügung ohne Unterlaß ‘ohne Unterbrechung, unaufhörlich’, ahd. āno untarlāʒ, mhd. āne underlāʒ; vgl. ahd. untarlāʒ ‘Unterbrechung’ (9. Jh.), mhd. underlāʒ ‘das Innehalten, Unterbrechung, Beherbergen’, frühnhd. auch ‘Unterkunft, Lagerplatz’ (16. Jh.). verlassen Vb. ‘sich von einem Ort, von jmdm. entfernen, aufgeben, zurück-, alleinlassen’, reflexiv sich verlassen auf ‘vertrauen’, ahd. firlāʒan ‘entlassen, vorbei-, zurücklassen’ (8. Jh.), mhd. verlāʒen ‘fahrenlassen, fort-, loslassen, anbefehlen, verzeihen, zulassen, anvertrauen, hinterlassen, vertrauen’; Verlaß m. ‘Vertrauen, Zuverlässigkeit’ (19. Jh.), frühnhd. ‘Verabredung, Absprache’, auch ‘Hinterlassenschaft’, mhd. verlāʒ ‘Lässigkeit, Untätigkeit’; heute in der Wendung auf jmdn., etw. ist (kein) Verlaß, wohl aus dem Nd., vgl. dar is nien verlaat to (18. Jh.); verläßlich Adj. ‘zuverlässig’ (19. Jh.), dafür zuvor verlässig (18. Jh.). zulassen Vb. ‘gestatten, erlauben’, ahd. zuolāʒan ‘hinzulassen, zukommen lassen, zuschicken’ (10. Jh.), mhd. zuolāʒen; zulässig Adj. ‘erlaubt, gestattet’ (16. Jh.), ‘annehmbar, möglich’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) pudelwohl (fühlen) · ↗aufgeräumt · ausgelassen · beglückt · ↗beschwingt · erheitert · ↗fidel · freudig erregt · ↗froh gelaunt · ↗frohgemut · ↗fröhlich · ↗gutgelaunt · ↗heiter · immer munter · ↗launig · ↗lustig · ↗munter · ↗unverdrossen · ↗vergnügt · voller Freude · wild vergnügt · wildvergnügt · ↗wohlgelaunt · wohlgestimmt  ●  frisch, fromm, fröhlich, frei  veraltend, selten · ↗gut gelaunt  Hauptform · ↗bumsfidel  derb · ↗freudetrunken  geh., altertümelnd · frohen Mutes  geh. · gut aufgelegt  ugs. · gut drauf  ugs. · guter Dinge  geh. · ↗mopsfidel  ugs. · ↗quietschfidel  ugs. · von Freudigkeit erfüllt  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
ausgelassen · ↗verrückt · ↗wahnsinnig  ●  ↗abgefahren  ugs. · ↗übergeschnappt  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(es gibt) kein Halten mehr · aufgeregt · ausgelassen · ↗hemmungslos · mit Überschwang · ↗orgiastisch · ↗stürmisch · ↗ungestüm · ↗ungezähmt · ↗ungezügelt · ↗wild · ↗zügellos · ↗übermütig · ↗überschwänglich  ●  überschäumend  fig. · ↗aufgekratzt  ugs. · außer Rand und Band  ugs. · ↗hibbelig  ugs. · ↗hippelig  ugs. · total aus dem Häuschen  ugs. · vom Teufel geritten  ugs. · völlig aus dem Häuschen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
angeregt · ausgelassen · ↗fröhlich · ↗heiter · in Stimmung · ↗munter
Assoziationen
Synonymgruppe
aufdrehen · ausgelassen (sein) · ↗herumtoben · ↗herumtollen · ↗toben · ↗tollen  ●  (seine) dollen (o.ä.) fünf Minuten haben  ugs. · ↗aufgedreht (sein)  ugs. · rumbandusen  ugs., regional
Assoziationen
Synonymgruppe
ausgelassen · ↗quirlig · überbordend  ●  sprudelnd  fig. · überschäumend  fig.
Synonymgruppe
(sich) ausleben · ↗(sich) austollen · ausgelassen (sein) · ungezügelt sein · voll und ganz genießen
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ausgelassen fliegen die mageren Beine durch den Raum, fröhlich winken ein Paar abgehackte Hände.
Der Tagesspiegel, 16.09.2001
Und die 2000 mitgereisten Fans feierten wieder ausgelassen ihre Stars.
Bild, 15.12.1997
Alles ist ausgelassen lustig, einige gebärden sich gar fast närrisch vor Freude darüber, daß sie ihre drei Jahre nun abgerissen haben.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Und ich fürchte mich jetzt fast, ferner mit Kraus in ausgelassener Weise zu zanken.
Walser, Robert: Jakob von Gunten, Zürich: Suhrkamp 1973 [1909], S. 73
Er war bei alldem nicht heiter, nicht ausgelassen und fröhlich.
Walser, Martin: Ehen in Philippsburg, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1997 [1957], S. 90
Zitationshilfe
„ausgelassen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausgelassen>, abgerufen am 25.06.2019.

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