ausbooten

GrammatikVerb · bootete aus, hat ausgebootet
Aussprache
Worttrennungaus-boo-ten (computergeneriert)
Wortzerlegungaus-booten1
Wortbildung mit ›ausbooten‹ als Erstglied: ↗Ausbootung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdn. von einem Schiff mit einem Boot an Land bringen
Beispiele:
vor Helgoland werden die Passagiere ausgebootet
an der Küste mussten die Truppen ausgebootet werden
die ausgebooteten Soldaten besetzten das Ufer
bei dem hohen Seegang mussten sie sich ausbooten lassen
2.
salopp, übertragen jmdn. aus einer Position verdrängen
Beispiele:
jmdn. aus der Regierung ausbooten
der Minister ist aus dem Kabinett ausgebootet worden
seinen Konkurrenten, Widersacher, Gegner ausbooten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Boot · ausbooten · Bootsmann
Boot n. ‘kleineres, meist offenes Wasserfahrzeug’ wird Ende des 15. Jhs. aus der nd. Seemannssprache in die Literatursprache aufgenommen. Mnd. bōt ist wie mnl. boot seit dem 13. Jh. bezeugt. Die Herkunft ist ungeklärt. Zu der mnd. mnl. Form stellen sich anord. beit und bātr, aengl. bāt (woraus mengl. bōt, engl. boat) und (aus modernen Formen erschlossenes) afries. *bāt. Diese lassen sich jedoch wegen ihres Vokalismus nicht in gleicher Weise auf eine germ. Ausgangsform zurückführen; vielleicht muß mit Entlehnungen innerhalb des Germ. gerechnet werden. Man geht dabei von verschiedenen Grundformen aus. So setzen einige germ. *ƀēta- mit der ursprünglichen Bedeutung ‘Ausgehöhltes, ausgehöhlter Baumstamm’ voraus, das sie auf die Wurzelform ie. *bhed- zurückführen, in der sie eine Variante der unter ↗Bett (s. d.) behandelten Wurzel ie. *bhedh- ‘stechen, besonders in die Erde stechen, graben’ sehen. Aus lautlichen Gründen müßten aengl. bāt, afries. *bāt dann aus anord. bātr hergeleitet werden, anord. beit wäre dagegen anders zu erklären. Geht man jedoch von germ. *ƀaita- und einer ursprünglichen Bedeutung ‘Gespaltenes, gespaltener Baumstamm’ aus (wozu auch anord. biti ‘Querbalken im Hausdach’) und führt dieses auf die unter ↗beißen (s. d.) behandelte Wurzel ie. *bheid- ‘spalten’ zurück, so wären anord. beit, aengl. bāt lautgerecht entwickelt, anord. bātr, afries. *bāt aber hätten als Entlehnungen aus dem Aengl. zu gelten. Mnd. bōt und mnl. boot sind in keinem Fall ursprünglich. Beide werden im allgemeinen als Entlehnungen aus mengl. bōt (engl. boat) angesehen, doch können sie nach Rogby in: It Beaken 25 (1963) 302 ff. auch durch Umwandlung des ā zu ō, d. h. durch „Frankonisierung“ (Eindeutschung) einer zum Aengl. stimmenden oder aus dem Aengl. stammenden ingwäon. (nordseegerm.) Form mit ā entstanden sein. (Rogby geht sogar so weit, Entlehnung eines nur vermuteten kontinentalingwäon. nicht-fries. *bāt ins Fries. und Anord. anzunehmen.) Seit dem 14. Jh. erscheint Boot mit wechselndem Genus in hd. Texten, anfangs Mask., seit Mitte des 18. Jhs. endgültig Neutr. Es tritt neben ↗Kahn, ↗Nachen, ↗Zille sowie südd.Naue (s. d.) und gewinnt im 17. und 18. Jh. zunehmend an Verbreitung. Die Wendung in einem, im gleichen Boot sitzen ‘in der gleichen Lage, der gleichen Gefahr ausgesetzt sein’ ist nach engl. to be in the same boat gebildet. ausbooten Vb. ‘mit dem Boot vom Schiff an Land bringen, jmdn. aus einer Position entfernen, verdrängen’ (19. Jh.). Bootsmann m. ‘seemännisches Inventar verwaltender Matrose, Gehilfe des wachhabenden Offiziers’, mnd. bōsman, bōtesman ‘Matrose’ und sein Plur. bōs-, bōteslǖde finden Mitte des 16. Jhs. als Boßleut, im 17. Jh. als Botsmann, Botsleute Eingang in die Literatursprache; ähnlich (älter) Bosknecht (um 1500) ‘Schiffs-, Ruderknecht’, Bootsknecht (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(jemandem) zuvorkommen · (jemanden) ausbooten · ↗(jemanden) ausmanövrieren · ↗(jemanden) ausspielen · ↗(jemanden) ausstechen  ●  (jemanden) ein Schnippchen schlagen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemanden) abdrängen  fig. · (jemanden) an die Wand drücken  fig., variabel · (jemanden) auf die Seite drängen  fig. · (jemanden) ausbooten  fig. · ↗(jemanden) beiseite schieben  fig. · ↗(jemanden) wegdrängen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anbieter Bewerber Bundestrainer EM Gunst Konkurrent Konkurrenz Nationalelf Olympia Passagier Rivale Teamchef Trick Vorgänger Widersacher booten gegenseitig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›ausbooten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Dreimal habe ich ihn um einen Wechsel gebeten, stattdessen hat er mich ausgebootet.
Süddeutsche Zeitung, 23.10.2000
Je kleiner der Abstand wird, um so mehr muß die Union fürchten, aus der Regierung ausgebootet zu werden.
Die Zeit, 26.09.1969, Nr. 39
Wenn die Sonne aus dem Meere tauchte, sollten wir ausgebootet werden.
Rangnow, Rudolf: Tropenpracht und Urwaldnacht, Braunschweig: Gustav Wenzel & Sohn 1938 [1938], S. 0
Erst Ende 1962 wurde Huchel ausgebootet und für neun Jahre ins innere Exil verbannt.
o. A. [wth]: Die Zeitschrift Sinn und Form. In: Aktuelles Lexikon 1974-2000, München: DIZ 2000 [1982]
Weil die Air Force die Armee und die Marine ausbooten wollte?
Kipphardt, Heinar: In der Sache J. Robert Oppenheimer, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag 1964, S. 102
Zitationshilfe
„ausbooten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/ausbooten>, abgerufen am 24.08.2019.

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