aufwerfen

GrammatikVerb · wirft auf, warf auf, hat aufgeworfen
Aussprache
Worttrennungauf-wer-fen (computergeneriert)
Wortzerlegungauf-werfen
Wortbildung mit ›aufwerfen‹ als Grundform: ↗Aufwurf
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
die Erde aufwerfendie Erde umgraben, aufbrechen
Beispiele:
der Spaten, die Pflugschar wirft die Erdschollen auf
die frisch aufgeworfene Erde dampft
2.
etw. aufschütten
Beispiele:
einen (Grab)hügel, Damm, Wall, eine Schanze, Böschung aufwerfen
die Erde zu beiden Seiten des Grabens aufwerfen
3.
den Kopf aufwerfenden Kopf in die Höhe werfen
Beispiele:
sie warf stolz, mutwillig den Kopf auf
als ein Ast knackte, warf die Ricke den Kopf auf
die Lippen aufwerfendie Lippen schürzen
Beispiele:
ein stolz, geringschätzig aufgeworfener Mund
er zog die Brauen zusammen und warf die Lippen auf [Th. MannZauberb.2,503]
4.
abwertend sich zu etw. aufwerfensich eigenmächtig zu etw. erklären, sich etw. anmaßen
Beispiele:
sich zum Richter, Beschützer über jmdn. aufwerfen
er hat sich zum (Wort)führer, Oberhaupt der Gruppe aufgeworfen
5.
etw. zur Diskussion stellen
Beispiele:
eine Frage aufwerfen
das Theaterstück wirft eine Fülle von aktuellen Problemen auf
6.
süddeutsch etw. versteigern
Beispiel:
folgende Gegenstände werden am Mittwoch aufgeworfen
7.
veraltet
Beispiel:
die Fahne aufwerfen (= aufheben)
bildlich Panier gegen jmdn. aufwerfengegen jmdn. auftreten
Beispiel:
um gegen seinen ... König Panier aufzuwerfen [C. F. Meyer4,68]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

werfen · abwerfen · anwerfen · Anwurf · aufwerfen · auswerfen · einwerfen · überwerfen · unterwerfen · verwerfen · vorwerfen
werfen Vb. ‘mit schwingendem Arm wegschleudern’. Das gemeingerm. stark flektierende Verb ahd. werfan ‘(hinaus)werfen, austreiben, hinwerfen, schütten, schieben, (zer)streuen, reißen, stürzen’ (8. Jh.), mhd. werfen ‘in schnelle Bewegung setzen, schleudern, stoßen, streuen, rasch wenden, zur Welt bringen’, asächs. werpan, mnd. werpen, warpen, mnl. nl. werpen, afries. hwerva, aengl. weorpan, engl. to warp ‘(sich) verziehen, krümmen’ (vom Holz), anord. verpa, auch ‘Eier legen’, schwed. värpa ‘Eier legen’, got. waírpan ‘werfen’ (germ. *hwerpan) läßt sich mit griech. rhábdos (ράβδος) ‘Rute, Gerte, Stab, Streifen’, lat. verbera (Plur.) ‘Ruten zur Züchtigung, Peitsche’, lit. vir̃bas ‘Reis, Reisig, Gerte’, aslaw. vrьba, russ. vérba (верба) ‘Weide’ auf eine Labialerweiterung der Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ zurückführen. Als Grundbedeutung ist ‘mit drehend geschwungenem Arm schleudern’ anzusetzen. Die Wurzelbedeutung ‘biegen’ ist noch erhalten in anord. oldri orpinn ‘vom Alter gebeugt’, engl. to warp, nhd. sich werfen ‘krumm werden, sich biegen’ (vom Holz). S. ablautendes ↗Wurf. abwerfen Vb. ‘hinunter-, herunterwerfen, sich einer Sache entledigen’, mhd. abewerfen, reflexiv ‘vom Pferd steigen’; dann auch ‘das Nötige zur Kostendeckung bzw. einen Gewinn einbringen’ (15. Jh.). anwerfen Vb. ‘etw. an etw. hinanwerfen, in Gang bringen’, ahd. anawerfan ‘hineinwerfen, -stoßen, bewerfen’ (8. Jh.), mhd. anewerfen ‘an einen etw. werfen, mit etw. werfen, mit etw. überziehen’; heute besonders ‘einen Motor anlassen’ (ehemals mit einer Drehbewegung durch eine Handkurbel). Anwurf m. ‘Verputz an Mauerwerk’ (16. Jh.), ‘erster, das Spiel eröffnender Ballwurf’ (Anfang 17. Jh.), übertragen ‘Vorstoß’ (vgl. einen Anwurf tun ‘einen Vorstoß, Versuch machen’, 16. Jh.), ‘Vorwurf, Beschuldigung’ (19. Jh.). aufwerfen Vb. ‘in die Höhe werfen, aufschütten’, mhd. ūfwerfen ‘in die Höhe werfen, strecken, erheben, umwenden, öffnen’, reflexiv ‘gebräuchlich werden, sich ausgeben für, machen zu, zu werfen (würfeln) beginnen’; übertragen eine Frage aufwerfen (17. Jh.). auswerfen Vb. ‘hinaus-, herausschleudern, ausspucken, ausschachten, verteilen’, ahd. ūʒwerfan ‘(her)aus-, wegwerfen, (hin)treiben, hervorbringen, hinausschicken’ (um 800), mhd. ūʒwerfen ‘hinauswerfen, austreiben, kastrieren, abtreiben, sich redend gegen jmdn. erheben.’ einwerfen Vb. ‘durch einen Wurf zerschlagen, hineinwerfen, zu einem Gespräch etw. anmerken’, ahd. inwerfan ‘hineinwerfen, -schicken’ (8. Jh.), mhd. īnwerfen ‘hineinwerfen, einschließen’. überwerfen Vb. ‘werfend bedecken’, reflexiv ‘sich mit jmdm. zerstreiten’ (16. Jh.), ahd. ubarwerfan ‘hinüberwerfen’ (um 800), mhd. überwerfen ‘das Pferd im Schwung umwenden, verschränken, kreuzen, im Werfen übertreffen’, reflexiv ‘sich schwingend um und um drehen’. unterwerfen Vb. ‘besiegen, abhängig machen’ (16. Jh.), ahd. untarwerfan ‘etw. unter etw. legen, stellen, setzen, unterordnen’ (9. Jh.), mhd. underwerfen ‘darunter werfen, unterjochen’. verwerfen Vb. ‘ablehnen, mißbilligen, eine Fehlgeburt haben, sich biegen, sich verziehen’ (vom Holz), ahd. firwerfan ‘wegwerfen, zurückweisen, preisgeben’ (8. Jh.), mhd. verwerfen ‘ab-, hin-, weg-, niederwerfen, überwinden, verschleudern, zurückweisen, verschmähen, verstoßen, sich entzweien’. vorwerfen Vb. ‘nach vorn werfen, jmdm. (Speise) vor die Füße werfen’ (16. Jh.), ‘tadeln, Vorhaltungen machen’ (15. Jh.), ahd. furiwerfan ‘verschließen, bedecken’ (9. Jh.), mhd. vürwerfen ‘mit Heftigkeit vorschieben, verschließen’. S. ↗Vorwurf.

Thesaurus

Synonymgruppe
(in die Diskussion) einbringen · ↗aufbringen (Thema) · aufs Tapet bringen · aufwerfen · ins Spiel bringen  ●  (neu) in den Raum stellen  fig. · in den Raum werfen  fig. · in die Runde werfen  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bedenken Frage Fragen Fragestellung Fragezeichen Fülle Graben Grundfrage Grundsatzfrage Problem Rechtsfrage Reihe Rätsel Schwierigkeit Sicherheitsproblem Sinnfrage Vermögensfrage Zweifel allerdings andererseits beantworten dennoch erneut freilich natürlich unweigerlich werfen wiederum zugleich zwangsläufig

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufwerfen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und oft genug wirft eine vermeintliche Lösung gleich das nächste Problem auf.
Die Welt, 21.08.2003
Doch wirft der sinkende Euro bedeutende Fragen für die Wirtschaft auf.
Der Tagesspiegel, 25.07.1999
Die Frage warf sich auf, wie sich die Kirche stellen solle.
Bauer, Hans: Tisch und Tafel in alten Zeiten, Leipzig: Koehler & Amelang 1967, S. 126
Das hätte ich auch gar nicht von Ihnen erwartet, aber Sie werfen die gleichen Fragen auf.
o. A.: Einhundertzweiundsiebzigster Tag. Freitag, 5. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 12758
Er wirft daher zunächst die Frage auf: Gibt es angeborene Ideen?
Vorländer, Karl: Geschichte der Philosophie. In: Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1913], S. 7563
Zitationshilfe
„aufwerfen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aufwerfen>, abgerufen am 23.08.2019.

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