aufschlagen

GrammatikVerb · schlägt auf, schlug auf, ist/hat aufgeschlagen
Aussprache
Worttrennungauf-schla-gen (computergeneriert)
Wortzerlegungauf-schlagen
Wortbildung mit ›aufschlagen‹ als Grundform: ↗Aufschlag
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
aufprallen, (beim Niederfallen) auftreffen
Beispiele:
mit der Stirn, dem Hinterkopf beim Sturz aufschlagen
krachend schlug das abstürzende Flugzeug auf den Boden auf
hart auf die, auf der Erde, Wasseroberfläche, Tischkante aufschlagen
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
auf etw. schlagen, aufklopfen
Beispiele:
mit dem Zeigestock (auf das Pult, den Erdboden) aufschlagen
die Männer schlugen im Takte mit den Absätzen auf [KeyserlinginDt. Erzähler1,35]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. zerschlagen
a)
etw. gewaltsam aufbrechen
Beispiele:
Nüsse, ein Ei aufschlagen
das Eis eines Sees aufschlagen
b)
etw. durch einen Sturz verletzen
Beispiel:
sich [Dativ] das Knie, sein Schienbein aufschlagen
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. Geschlossenes öffnen
a)
etw. aufblättern
Gegenwort zu zuschlagen
Beispiele:
ein Buch, eine Zeitung, die Akten aufschlagen
eine Stelle, einige Seiten in einem Buch aufschlagen
bildlich
Beispiel:
Sein Leben lag aufgeschlagen da (= Sein Leben lag ausgebreitet da) [FontaneStechlinI 5,440]
b)
etw. aufklappen
Gegenwort zu zuschlagen
Beispiele:
den Deckel eines Kastens, einer Truhe aufschlagen
sein Bett aufschlagen (= sein Bett aufdecken)
c)
Beispiel:
die Augen (nach einer Ohnmacht, nach langem Schlaf) aufschlagen (= die Lider öffnen)
die Augen zu jmdm. aufschlagendie Lider aufheben und jmdn. anblicken
Gegenwort zu niederschlagen
Beispiele:
die Augen scheu, voll zu jmdm. aufschlagen
er wagte nicht, die Augen zu ihr aufzuschlagen
Anna aber ... konnte vor Scham kein Auge aufschlagen [Stifter1,281]
als ich plötzlich ... meinen Blick aufschlage [RaabeSperlingsgasseI 1,133]
5.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. in die Höhe schlagen
Beispiele:
den Mantelkragen, Schleier, Vorhang aufschlagen
ein Filzhut mit aufgeschlagenem Rand
6.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw. errichten, aufbauen
Gegenwort zu abschlagen
Beispiele:
Zelte, Buden aufschlagen
ein Gerüst, einen Verkaufsstand, sein Lager, Bett, Quartier (notdürftig) aufschlagen
bildlich
Beispiel:
seinen Wohnsitz, seinen ständigen Sitz in der Hauptstadt aufschlagen (= sich in der Hauptstadt niederlassen)
7.
mit Hilfsverb ›hat‹
den Preis erhöhen
Beispiele:
die Händler haben aufgeschlagen
auf eine Ware zehn Cent aufschlagen
im Preis anziehen, teurer werden
Beispiel:
wenn das Brot teurer wird und die Margarine aufschlägt [BöllHaus26]
8.
mit Hilfsverb ›ist‹
plötzlich in die Höhe schlagen, auflodern
Beispiele:
lichterloh, hoch schlugen die Flammen auf
prasselnd schlug das Feuer auf
Der Boden birst, aufschlägt die Glut [Freiligrath1,360]
bildlich
Beispiel:
nun schlugen ... die hellen Liebesflammen in meinem Innern auf [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,545]
9.
mit Hilfsverb ›hat‹
Tennis den ersten Schlag (in einer Spielserie) tun
Beispiel:
H schlug auf, musste aber trotzdem das Spiel abgeben
10.
mit Hilfsverb ›hat‹
Handarbeit die ersten Maschen auf die Nadel bringen
Beispiel:
sie hat 100 Maschen für den Schal aufgeschlagen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schlagen · Schläger · Schlägerei · abschlagen · abschlägig · Abschlag(s)zahlung · anschlagen · veranschlagen · Anschlag · Voranschlag · aufschlagen · Aufschlag · ausschlagen · Ausschlag · beschlagen1 · beschlagen2 · Beschlag · einschlagen · einschlägig · entschlagen · nachschlagen · überschlagen · umschlagen · Umschlag · unterschlagen · verschlagen · verschlagen · Verschlag · vorschlagen · Vorschlag · schlagfertig · Schlaglicht · Schlagschatten · Schlagseite · Schlagwort · Schlagzeile · Schlagzeug · Schlager
schlagen Vb. ‘hauen, prügeln, töten, einen Gegner überwinden, besiegen, mit einer heftigen, gezielten Bewegung geräuschvoll einen Gegenstand treffen, sich in einer bestimmten Richtung entwickeln, nach jmdm. geraten’, ahd. slahan (8. Jh.), mhd. slahen, slān, asächs. slahan, mnd. slān, mnl. slaen, nl. slaan, afries. sla, aengl. slēan, anord. slā, schwed. slå, got. slahan (germ. *slahan). Auf grammatischem Wechsel zwischen h und g beruhen Präteritalformen wie ahd. sluog, asächs. aengl. slōg, denen im Nhd. die Präsensformen und der Infinitiv angeglichen werden; s. auch ↗Schlag, ↗Schlegel neben ↗Schlacht und ↗Geschlecht. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten bietet lediglich das Kelt. mit mir. slacc ‘Schwert’, ir. slacaire ‘Schläger’, mir. slachta ‘geschlagen’, ir. slacht ‘gute Erscheinung, von gutem Schlag’, gäl. slachdaim ‘schlage mit dem Hammer’, so daß eine Wurzel ie. *slak- ‘schlagen, hämmern’ angesetzt werden kann. Schläger m. ‘wer schlägt, wer jmdn. tötet’, ahd. irslahāri (8. Jh.), mhd. slaher, frühnhd. totslaher, -slager, -sleger (15. Jh.); auch ‘Raufbold’ (seit 17. Jh.). Schlägerei f. ‘Prügelei’ (wohl 15. Jh.), ‘Duell’ (17. Jh.). abschlagen Vb. ‘mit einem Hieb loslösen, lostrennen, abwehren, ablehnen’, ahd. abaslahan ‘abhauen, abschneiden’ (10. Jh.), mhd. abeslahen, auch ‘abschlachten, in Abzug bringen, vergüten, zurückweisen’; abschlägig Adj. ‘ablehnend’ (15. Jh.); Abschlag(s)zahlung f. ‘erster Teil einer abzugeltenden Summe, Teilzahlung’ (18. Jh.). anschlagen Vb. ‘anstoßen, mit Nägeln anhängen, gut wirken, bellen’, ahd. anaslahan (10. Jh.), mhd. aneslahen ‘an jmdn. oder etw. schlagen, anstoßen, mit Schlägen angreifen, durch Schlagen befestigen, rauben, anstiften, berechnen’; veranschlagen Vb. ‘taxieren’ (19. Jh.); Anschlag m. ‘Bekanntmachung, auf etw. zielender Gedanke, Plan, Vorhaben, Vorbereitung des Schützen zum Abschießen’, auch (seit 15. Jh.) ‘Attentat’, ahd. anaslag ‘Hieb, Stoß, Schlag’ (11. Jh.), spätmhd. aneslac, auch ‘Berechnung’; Voranschlag m. ‘vorläufige Kostenberechnung’ (18. Jh.). aufschlagen Vb. ‘(durch Schlagen) öffnen, aufprallen, auftreffen, einen Preis erhöhen, etw. aufstellen, errichten’, ahd. ūfslahan ‘an etw. schlagen’ (um 900), mhd. ūfslahen, auch ‘errichten, aufschieben, verzögern, anzünden, durch Schlagen öffnen, vorenthalten, den Lohn, Preis erhöhen, im Preis steigen, verzichten’; Aufschlag m. ‘Aufprall, Verteuerung eines Preises, umgeschlagener Teil an Kleidungsstücken’, mhd. ūfslac, auch ‘Aufschub, Verlängerung der Frist, Waffenstillstand’. ausschlagen Vb. ‘Knospen treiben, grün werden, um sich schlagen, durch Schlagen zerstören, mit etw. bedecken, ablehnen’, ahd. ūʒslahan ‘herausbrechen, durch Schlagen zerstören’ (9. Jh.), mhd. ūʒslahen ‘herausschlagen, umhauen, ablehnen, zurückschlagen, ausweisen, verjagen, verbannen, freilassen, zerstören, errichten, nach auswärts schlagen, fliehen’; Ausschlag m. ‘Austrieb der Schweine in die Eichelmast, Herabsinken des Waagebalkens nach der schweren Seite’ (15. Jh.), daher den Ausschlag geben ‘entscheidend sein’ (16. Jh.), ‘Entscheidung, Ergebnis, Erfolg, Ausgang’ (16. Jh.), medizinisch ‘Hautschorf, Erkrankung der Haut’ (17. Jh.), ‘Trieb, Sproß’ (18. Jh.). beschlagen1 Vb. ‘(durch Schlagen) mit etw. versehen, sich überziehen, anlaufen’, ahd. bislahan ‘behauen, tüchtig schlagen, fest-, niederschlagen’ (8. Jh.), mhd. beslahen ‘auf etw. schlagen, schlagend bedecken, mit Beschlag belegen, schlagend auf, an etw. befestigen, umschlagen, umschließen’; ein Pferd beschlagen ‘mit Hufeisen versehen’; beschlagen2 Part.adj. ‘gut versehen sein, bewandert in einer Sache, voller Kenntnisse’ (16. Jh.), eigentlich ‘durch (Metall)beschlag fest und dauerhaft’; Beschlag m. ‘Metallstück als Schutz oder Verzierung, Überzug, Hauch’ (15. Jh.), in Beschlag nehmen (17. Jh.), Beschlag auf etw. legen (18. Jh.), mit Beschlag belegen (19. Jh.) ‘etw. oder jmdn. für sich beanspruchen’. einschlagen Vb. ‘hineinschlagen, durch Schlagen zertrümmern, einwickeln, sich in eine bestimmte Richtung erfolgreich entwickeln, gedeihen’ (15. Jh.); einschlägig Adj. ‘in Betracht kommend’ (Ende 18. Jh.). entschlagen Vb. ‘(sich von einer Sache) frei-, losmachen, verzichten’, mhd. entslahen ‘freimachen, aufheben’. nachschlagen Vb. ‘ähnlich werden, nacharten’ (16. Jh.; vgl. mhd. slahen nāch), ‘in einem Buche suchen und nachlesen’ (17. Jh.). überschlagen Vb. ‘ungefähr berechnen, übereinanderlegen (die Beine)’, reflexiv ‘sich überkugeln’, ahd. ubarslahan ‘herausgehen, sich entfernen, vorzüglich sein, übertreffen’ (um 1000), mhd. überslahen ‘schlagend überziehen, beschlagen, überwältigen, besiegen, in Kürze sagen, erzählen, auslassen, ungefähr berechnen, schätzen, überlegen’. umschlagen Vb. ‘umlegen, umbiegen, zu Boden schlagen, ringsum bedecken, sich ändern (vom Wetter)’, mhd. umbeslahen ‘umgeben, -fassen, -zingeln, niederschlagen, Umschweife machen, sich verbreiten’; Umschlag m. ‘Hülle, Umhüllung, Änderung, umgeschlagener Rand’, auch (seit 17. Jh.) als medizinische Heilpackung, kaufmännisch ‘Umsatz, Vertrieb von Waren’ (16. Jh., nach mnd. ummeslach), mhd. umbeslac ‘Umhüllung, Wendung, Umkehr, Ausflucht’. unterschlagen Vb. ‘unrechtmäßig zurückbehalten, veruntreuen, verheimlichen’, mhd. underslahen ‘beiseite legen, abseits setzen, verbergen, aufgeben, niederschlagen, unterdrücken, überwinden, übertreffen’. verschlagen Vb. ‘mit Brettern abteilen, schließen, versehentlich umblättern, durch widrige Umstände an einen ungewollten Ort gelangen (lassen)’, ahd. firslahan ‘erschlagen, töten, verschließen’ (8. Jh.), mhd. verslahen ‘zerschlagen, verwunden, töten, abhauen, auseinanderschlagen, vertreiben, zurückweisen, wegnehmen, beschmutzen, durch Verschlag absperren’, reflexiv ‘sich verstecken, beschmutzen, entfernen’; verschlagen Part.adj. ‘listig, undurchsichtig, durchtrieben’ (15. Jh.), eigentlich ‘seine Pläne nicht bekanntgebend, versteckend, zurückhaltend’; Verschlag m. ‘durch Bretter(wände) abgetrennter Raum, abtrennende Bretterwand’ (18. Jh.). vorschlagen Vb. ‘einen Plan vorlegen, einen Rat geben und zur Erwägung anbieten’, ahd. furislahan ‘vorher-, vorwegnehmen’ (8. Jh.), mhd. vürslahen ‘treiben, im Übergewicht sein, veranschlagen, rechnen’; Vorschlag m. ‘zu erwägender Rat, Plan, Lehrsatz’ (16. Jh.), mhd. vürslac ‘erster Schlag, Befestigung, einschließende Belagerung, Berechnung als Vorlage’. schlagfertig Adj. ‘bereit zum Losschlagen’ (18. Jh.), ‘um keine Antwort verlegen, witzig’ (19. Jh.). Schlaglicht n. ‘heller Lichtstrahl zum Hervorheben eines einzelnen Gegenstandes’ (18. Jh.), häufig in der Malerei. Schlagschatten m. ‘von einer Person oder einem Gegenstand geworfener, scharf umrissener Schatten’ (18. Jh.). Schlagseite f. ‘Schräglage (eines Schiffs)’ (17. Jh.). Schlagwort n. ‘(schmerzlich) treffendes Wort, prägnanter Ausdruck zur Kennzeichnung einer Zeiterscheinung, Bühnenstichwort’ (18. Jh.), im Bibliothekswesen ‘Stichwort, Kennwort’. Schlagzeile f. ‘hervorgehobene, deutlich gemachte Überschrift’ (um 1880). Schlagzeug n. ‘Ensemble von Schlaginstrumenten’ (20. Jh.); zuvor ‘Geräte zum Einschlagen bzw. zum Beschlagen von Bauteilen’ (16. Jh.). Schlager m. ‘aktuelle, beim Publikum ein- bzw. durchschlagende Musiknummer’, aufgekommen (1881) als Ausdruck der Musikkritik, durch die Tagespresse verbreitet; dann auf andere besonders aktuelle und wirkungsvolle Erscheinungen (Buch, Theaterstück, eine reißend abgehende Ware) übertragen.

Thesaurus

Synonymgruppe
aufprallen · aufschlagen
Synonymgruppe
(in den Bahnhof) einlaufen · ↗(sich) einfinden · ↗(sich) einstellen · ↗ankommen · ↗einlangen · ↗einlaufen (Schiff) · ↗eintreffen · ↗erscheinen · ↗kommen  ●  ↗(irgendwo) einschweben  ugs., ironisch, fig. · (sich) blicken lassen (bei)  ugs. · andackeln  ugs. · angeschoben kommen  ugs., salopp, variabel · anmarschiert kommen  ugs. · ↗anrücken  ugs. · ↗antanzen  ugs. · ↗anwackeln  ugs. · ↗aufkreuzen  ugs. · aufschlagen  ugs., fig. · im Anflug sein  ugs., fig. · im Anmarsch sein  ugs., fig. · um die Ecke kommen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
addieren · ↗aufaddieren · ↗aufsummieren · ↗summieren · ↗zusammenzählen  ●  aufschlagen  fachspr.
Oberbegriffe

Typische Verbindungen
computergeneriert

Asphalt Auge Augen Bibel Boden Buch Domizil Ei Hauptquartier Heft Hinterkopf Jahresmiete Kapitel Lager Landebahn Matchgewinn Nachtlager Quartier Seite Strompreis Trainingslager Winterquartier Wohnsitz Zeitung Zelt Zeltlager Zirkus irgendwo morgens schlagen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufschlagen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Buch hingegen schlägt man schon seit Jahrhunderten einfach auf, und schaut hinein.
Der Tagesspiegel, 20.10.2000
Kaum schlägt die Nation ihre Augen auf, zieht sie auch schon Touristen an.
Die Welt, 05.02.2000
Ich bin wach und im Freien, denke ich und schlag erleichtert die Augen auf.
Delius, Friedrich Christian: Ein Held der inneren Sicherheit, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1981, S. 189
Ich hatte ihm mein Album überreicht, und er gab es mir aufgeschlagen zurück.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 1002
Da begann er den Tanz mit Gesang zu begleiten, und sie schlug die Augen groß auf.
Braun, Lily: Lebenssucher. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1915], S. 2383
Zitationshilfe
„aufschlagen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aufschlagen>, abgerufen am 21.10.2019.

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