aufreiben

GrammatikVerb · rieb auf, hat aufgerieben
Aussprache
Worttrennungauf-rei-ben
Wortzerlegungauf-reiben
Wortbildung mit ›aufreiben‹ als Erstglied: ↗Aufreibung
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. völlig zerreiben
Beispiele:
Steine werden im Meer allmählich aufgerieben
landschaftlich, (besonders) süddeutsch Kartoffeln aufreiben
2.
übertragen
a)
verhüllend eine militärische Einheit im Kampf vernichten
Beispiele:
diese Armee war völlig aufgerieben worden
die Kompanie wurde im mörderischen Artilleriefeuer bis zum letzten Mann aufgerieben
Der Kriegsplan eben ist, ihn [den Feind] aufzureiben [KleistHomburgI 5]
b)
jmdn., sich, etw. zermürben, erschöpfen
Beispiele:
der Gram, Ärger, die vielen Verpflichtungen reiben ihn noch auf
er hat sich für seine Aufgabe, sein Amt, in ständiger Sorge um seine Familie aufgerieben
seine Kraft in unheilbaren Konflikten aufzureiben [C. F. MeyerJenatsch1,54]
oft im Part. Präs.
Beispiele:
die aufreibende Kleinarbeit, Geistesarbeit
in aufreibender Spannung leben
ein aufreibender Kampf, Beruf, Zwiespalt
Der Konsul hatte ... aufreibende Tage hinter sich [Th. MannBuddenbrooks1,213]
3.
etw. wundreiben
Beispiel:
sich [Dativ] die Hände, Füße aufreiben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

reiben · Reibe · Reibeisen · Reiberei · abreiben · Abreibung · aufreiben · zerreiben · ribbeln · rubbeln · rebeln
reiben Vb. ‘einen Gegenstand an einem anderen hin und her bewegen, mit den Händen unter leichtem Druck über einen Körperteil streichen’. Für das nur westgerm. bezeugte starke Verb ahd. rīban (um 800), mhd. rīben, mnd. mnl. wrīven, nl. wrijven (westgerm. *wrīban) mit dem Intensivum nd. wribbeln ‘wirbeln, schwenken, reiben, quetschen’ (vgl. auch seemännisch Wreifholz ‘Reibeholz, das zwischen Schiff und Anlegestelle gehängt wird’) bietet sich keine sichere außergerm. Anknüpfungsmöglichkeit. Am ehesten läßt sich noch griech. rhī́ptein (ῥίπτειν) ‘werfen, schleudern, stoßen, stürzen’ vergleichen, so daß mit einer Ausgangsbedeutung ‘drehen, hin und her bewegen’ über eine Labialerweiterung ie. *u̯reip-, *u̯rīp- Anschluß an die Wurzel ie. *u̯er- ‘drehen, biegen’ (s. auch ↗werden, ↗werfen, ↗Wurm) möglich ist. S. auch ↗gerieben. Reibe f. ‘Küchengerät mit durchlöcherter, rauher Oberfläche zum Zerkleinern, Zermahlen verschiedener Lebensmittel oder Gewürze’ (15. Jh.). Reibeisen n. mhd. rībīsen. Reiberei f. ‘Meinungsverschiedenheit, Auseinandersetzung, Streitigkeit’ (19. Jh.), gebildet im Anschluß an sich an jmdm. reiben ‘mit jmdm. Streit anfangen, in Streit geraten’ (16. Jh.). abreiben Vb. ‘durch Reiben entfernen, säubern, reibend bearbeiten, frottieren, massieren, durch Reibung abnutzen’, mhd. aberīben ‘durch Reiben entfernen, loslösen’; Abreibung f. ‘das Abreiben’ (16. Jh.), umgangssprachlich ‘Tracht Prügel’, auch ‘Schelte, Abkanzelung’ (Anfang 20. Jh.). aufreiben Vb. ‘völlig zerreiben, wundreiben’, übertragen ‘eine militärische Einheit im Kampf vernichten, überbeanspruchen und völlig verbrauchen, zermürben, erschöpfen, ermüden’ (um 1500). zerreiben Vb. ‘durch Reiben zerkleinern, pulverisieren’, mhd. zerrīben. ribbeln Vb. ‘reiben, aufrauhen’, Intensivbildung (16. Jh.) zu reiben. Daneben die Lautvariante rubbeln Vb. ‘heftig reiben’, regional auch ‘poltern, rumpeln’ (20. Jh., wohl älter), vgl. engl. to rub. In Weinanbaugebieten dazu ablautend rebeln Vb. ‘Trauben zerreiben, pressen, quetschen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abhetzen · aufreiben · ↗brechen · ↗enervieren · ↗entkräften · ↗entnerven · ↗ermatten · ↗ermüden · ↗heimsuchen · mürbe hauen · mürbe klopfen · mürbe kriegen · mürbe machen · ↗strapazieren · ↗zermürben  ●  ↗kleinkriegen  ugs.
Synonymgruppe
(sich) aufreiben · (sich) wund reiben · ↗aufscheuern  ●  auffretten  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
entfernen · ↗liquidieren · ↗vernichten · ↗zerschlagen  ●  aufreiben  militärisch · ↗auslöschen  ugs. · ↗ausradieren  ugs. · ↗dahinraffen  ugs.
Oberbegriffe
  • (jemandem) (den) Lebensfaden abschneiden · ↗auslöschen · ↗ermorden · ins Jenseits befördern · ↗killen · ↗meucheln · tot... · ↗umbringen · ums Leben bringen · zum Schweigen bringen · zur Strecke bringen  ●  (jemandem) das Lebenslicht auslöschen  fig., variabel · ↗töten (absichtlich)  Hauptform · (jemandem) den Garaus machen  ugs. · ↗abmurksen  ugs. · ↗abservieren  ugs., salopp · ↗ausknipsen  ugs., fig., salopp · ↗entleiben  geh. · in die ewigen Jagdgründe schicken  ugs. · ins Gras beißen lassen  ugs., fig. · ins Nirwana befördern  ugs. · ↗kaltmachen  ugs. · ↗totmachen  ugs. · um die Ecke bringen  ugs. · ↗umlegen  ugs. · vom Leben zum Tode befördern  geh. · über die Klinge springen lassen  ugs., fig.
Synonymgruppe
(jemanden) zermürben · (sich) abarbeiten (an) · ↗(sich) abkämpfen · ↗(sich) abmühen · ↗(sich) abquälen · (sich) aufreiben · (sich) müde kämpfen · ↗(sich) verausgaben · (sich) verkämpfen · (sich) zerreiben (an)  ●  (man) macht und tut  ugs., veraltend, floskelhaft · (man) tut und macht  ugs., veraltend, floskelhaft · ↗(sich) abstrampeln  ugs. · (sich) zersprageln  ugs., österr.
Assoziationen
  • (sich) hinreißen lassen (zu) · ↗(sich) verrennen · (sich) versteigen (zu) · unangemessen reagieren  ●  ↗(sich) vergaloppieren  ugs., fig.
  • (seine / ihre) ganze Energie einsetzen · (sich) (echt) bemühen (um) · (sich) (richtig) Mühe geben · ↗(sich) (richtig) reinhängen · (sich) alle Mühe geben · (sich) große Mühe geben · (sich) voll reinhängen · Einsatz zeigen · Engagement erkennen lassen · Engagement zeigen · alle Kraft aufbieten · alle Kräfte aufbieten · alle Register ziehen · alles daransetzen · mit ganzem Herzen dabei sein · sein Bestes geben · vollen Einsatz zeigen  ●  ↗(sich) anstrengen  Hauptform · (sich) ins Geschirr legen  fig., veraltend · (sich) Arme und Beine ausreißen  ugs., fig. · (sich) auf die Hinterbeine stellen  ugs., fig. · ↗(sich) dahinterklemmen  ugs. · (sich) den Arsch aufreißen  derb · (sich) in die Sielen legen  ugs. · (sich) ins Zeug legen  ugs. · ↗(sich) reinknien  ugs. · Gas geben  ugs. · ↗powern  ugs. · ↗ranklotzen  ugs. · reinklotzen  ugs. · tun, was man kann  ugs.
  • Perlen vor die Säue werfen  fig.
  • bis es nicht mehr geht · bis jemand nicht mehr kann · bis zur (völligen) Erschöpfung
  • (sich) umsonst anstrengen · (sich) vergeblich abmühen · es kommt nichts dabei heraus · keine Chance haben (gegen)  ●  (sich) die Zähne ausbeißen  ugs., fig. · auf Granit beißen  ugs., fig. · auf keinen grünen Zweig kommen  ugs., fig. · kein Bein auf die Erde kriegen  ugs., fig. · keinen Fuß auf die Erde kriegen  ugs., fig.
  • erfolglos · ohne Erfolg · ↗umsonst · ↗vergebens  ●  ↗fruchtlos (Anwaltsdeutsch)  Jargon · ↗vergeblich  Hauptform · (an/bei jemandem/etwas ist) Hopfen und Malz verloren  ugs. · außer Spesen nichts gewesen  ugs., Spruch · da kommt nix bei rum  ugs., salopp · dabei kommt nichts (he)rum  ugs. · ↗frustran (medizinisch)  fachspr. · für die Katz  ugs. · für die Tonne  ugs. · für nichts und wieder nichts  ugs. · kannst du knicken  ugs. · kannst du vergessen  ugs. · vergebene Liebesmüh  ugs. · vergebliche Liebesmüh  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufständische Bataillon Division Einzelaktion Flügelkampf Grabenkampf Heer Kampfgruppe Kleinigkeit Kleinkrieg Kompagnie Konkurrenzkampf Kräftegruppe Legion Machtkampf Mittelfeld Nerv Querele Scharmützel Spielmacher Straßenkampf Streitigkeit Zweikampf aneinander einkesseln gefangennehmen gegeneinander gegenseitig innerlich reiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufreiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber es war mitunter aufreibend, die verschiedenen Interessen unter einen Hut zu bringen.
Der Tagesspiegel, 24.03.2000
Er reibt sich auf, er hat eigentlich immer einen roten Kopf.
Süddeutsche Zeitung, 25.05.1996
Das war besonders aufreibend, als ich noch versuchte, jede Frage ausführlich zu beantworten.
Schmidt-Rogge, Carl H.: Dein Kind – Dein Partner, München: List 1973 [1969], S. 250
Sie hatte die Stellung zwei Jahre lang innegehabt und ihre Kräfte in angestrengter Arbeit aufgerieben.
Müller-Jahnke, Clara: Ich bekenne. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1904], S. 9224
Die beständigen Verfolgungen machten mich gemütskrank und rieben mich auch körperlich auf.
Bergg, Franz: Ein Proletarierleben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1913], S. 8817
Zitationshilfe
„aufreiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aufreiben>, abgerufen am 17.06.2019.

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