aufrechterhalten

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungauf-recht-er-hal-ten
Wortzerlegungaufrechterhalten
Wortbildung mit ›aufrechterhalten‹ als Erstglied: ↗Aufrechterhaltung
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. im bisherigen Zustand erhalten, den bisherigen Zustand beibehalten
Beispiele:
die Ordnung, Ruhe, den Frieden im Lande aufrechterhalten
sein Ansehen, seine Autorität, seinen guten Ruf aufrechterhalten
eine Verbindung, einen Kontakt, ein Verhältnis, einen Vertrag aufrechterhalten
eine Fiktion, Täuschung, den Schein aufrechterhalten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

recht · Rechte · rechts · aufrecht · aufrechterhalten · rechtfertigen · rechtgläubig · rechtschaffen · Rechtschreibung
recht Adj. ‘richtig, dem Recht, den Gesetzen entsprechend, gut’, vgl. auch rechte Seite (‘äußere, obere Seite’) von Stoffen, Wäschestücken, (nur attributiv der rechte, ein rechter) ‘auf der Seite befindlich, die beim Menschen der Herzseite gegenüberliegt’, politisch ‘zur Rechten gehörend’ (s. unten Rechte f.), ahd. reht ‘recht, gerecht, berechtigt, richtig, gerade, einfach, gut, wirklich, zutreffend, wahr’ (8. Jh.), mhd. reht ‘in gerader Linie, gerade, Sitte, Recht entsprechend, gerecht, gehörig, wahrhaft, wirklich, eigentlich’, asächs. reht ‘recht, gerecht, richtig, wahr, gut, gerade, eben’, mnd. recht ‘gerade, aufrecht, richtig, genau, passend, wahr, eigentlich, gesetzmäßig, rechtmäßig, gerecht, auf der der Herzseite gegenüberliegenden Seite befindlich’, mnl. nl. recht, afries. riucht, aengl. riht, engl. right, anord. rēttr, schwed. rätt, got. raíhts führen auf germ. *rehta- und wie awest. rāšta ‘gerade’, griech. orektós (ὀρεκτός) ‘ausgestreckt, erwünscht, ersehnt’ (zu orégein, ὀρέγειν ‘(die Hand) hinstrecken, darreichen, sich strecken, zu erreichen suchen’), lat. rēctus ‘gerade, richtig, recht, aufrecht, regelrecht, schlicht, einfach, rechtschaffen, tugendhaft, sittlich’ (zu lat. regere ‘geraderichten, lenken, leiten, herrschen’) als to-Partizipialbildungen und mit anord. rēttr ‘Recht, Rechtsanspruch’ (germ. *rehtu-), air. recht ‘Ordnung, Gesetz, Recht’ als tu-Stämmen auf eine Wurzel ie. *reg̑- ‘gerade, geraderichten, lenken, recken, strecken, aufrichten’, wozu auch aind. ṛ́jyati, ṛñjáti ‘streckt sich, eilt’, irajyáti ‘ordnet an, lenkt’, rā́ṭ ‘König’, lat. rēx ‘Lenker, König’, air. reg-, rig- ‘ausstrecken’, (Genitiv rīg) ‘König’ gehören; s. ferner ↗rank, ↗recken, ↗Rechen, ↗rechnen, ↗Reich, ↗richten. Die ursprüngliche Bedeutung ‘geradegerichtet’ ist erhalten in rechter Winkel, Reckteck, aufrecht, senkrecht, waagerecht. Die heute geläufige Verwendung als Gegenwort zu ↗link (s. d.) entwickelt sich in spätmhd. Zeit aus der Vorstellung des Gebrauchs der rechten Hand als geeignet, als richtig, gleichbed. ahd. zeso (8. Jh.), mhd. zese (flektiert ahd. zesawēr, mhd. zes(e)wer) ablösend. Vgl. dazu die übertragene Fügung rechte Hand ‘unentbehrlicher Helfer’ (17. Jh.), älter rechter Arm (16. Jh.), vgl. mhd. er was mīn zesewe hant. Rechte f. ‘rechte Hand, rechter Arm’ (16. Jh.), seit dem 19. Jh. auch ‘politische Gruppe, Strömung, Partei (in einem parlamentarischen Staat), die konservative Ziele verfolgt’, im Anschluß an frz. la droite ‘die Rechte’, nach der Sitzordnung im Parlament, wo seit der französischen Restaurationszeit die konservativen Parteien ihre Plätze vom Präsidenten aus gesehen rechts innehatten. rechts Adv. ‘auf der rechten Seite’ (16. Jh.), ‘politisch zur Rechten gehörend’ (19. Jh.), hervorgegangen aus dem Genitiv Sing. des Adjektivs; vgl. ahd. (9. Jh.), mhd. rehtes ‘in rechter Weise, richtig’. aufrecht Adj. ‘gerade, aufgerichtet, rechtschaffen, redlich, unbestechlich’, ahd. ūfreht ‘aufgerichtet’ von der Körperhaltung (um 1000), mhd. ūfreht ‘gerade aufwärts gerichtet, aufrecht, emporstrebend, schlank, ohne Falsch’; in der Bedeutung ‘redlich, offenherzig, unbestechlich’ seit dem 18. Jh. mit ↗aufrichtig (s. d.) konkurrierend; aufrechterhalten Vb. ‘bestehen lassen, an etw. festhalten’ (16. Jh.). rechtfertigen Vb. ‘die Berechtigung eines Tuns, Handelns nachweisen, erklären’, reflexiv ‘sich von einem Verdacht befreien, nachweisen, daß etw. berechtigt ist’, mhd. rehtvertegen, rehtvertigen ‘ausfertigen, übergeben, von einer Schuld befreien, vor Gericht vertreten, verteidigen, gerichtlich behandeln, bestrafen’, abgeleitet von mhd. rehtvertec, rehtvertic ‘gerecht, rechtmäßig, rechtschaffen, übereinstimmend mit’. rechtgläubig Adj. ‘strenggläubig, orthodox’, eigentlich ‘richtig gläubig’ (15. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. orthodoxus (s. ↗orthodox). rechtschaffen Adj. ‘ehrlich, redlich, anständig, pflichtbewußt, groß, stark, sehr’ (16. Jh.), eigentlich ‘richtig, gut beschaffen’, älter auch rechtgeschaffen (16. Jh.). Rechtschreibung f. ‘Lehre von der richtigen Schreibung der Wörter, Orthographie’ (2. Hälfte 16. Jh.), Übersetzung von griech.-lat. orthographia (s. ↗Orthographie); vgl. ahd. rehtscrībāri ‘wer richtig schreibt’ (Hs. 12. Jh., für griech.-lat. orthographus).

Thesaurus

Synonymgruppe
(etwas) unbeirrt fortsetzen · (jemanden) nicht anfechten · (sich) nicht abbringen lassen (von) · (sich) nicht beirren lassen · (unbeirrt) weitermachen wie bisher · aufrechterhalten · bleiben bei · dabei bleiben · fest im Blick behalten · festhalten an · nicht abgehen von · nicht ablassen von · nicht aus den Augen verlieren · standhaft bleiben  ●  (sich) nicht aus dem Konzept bringen lassen  fig. · Kurs halten  fig.
Assoziationen
Antonyme
Synonymgruppe
(Druck) aufrechterhalten · (Ziel) nicht aus den Augen verlieren · ↗dranbleiben · nicht aufgeben · nicht lockern · nicht nachlassen · nicht ruhen und rasten (bis) · ↗weiterverfolgen  ●  ↗durchhalten  Hauptform · am Ball bleiben  ugs., fig. · dran bleiben  ugs. · nicht locker lassen  ugs. · nicht schlappmachen  ugs.
Assoziationen
  • ausdauernd · ↗beharrlich · ↗hartnäckig · ↗konstant · ↗standhaft · steif und fest (behaupten) · ↗unablässig · ↗unbeirrt · ↗unentwegt · ↗unermüdlich · ↗unverdrossen
  • (den) Mut nicht sinken lassen · (die) Hoffnung nicht aufgeben · (die) Stellung behaupten · ↗(sich) behaupten · (sich) nicht ins Bockshorn jagen lassen · nicht den Mut verlieren  ●  (den) Kopf oben behalten  fig. · (sich) senkrecht halten  fig. · ↗kämpfen  fig. · (die) Ohren steif halten  ugs. · (sich) nicht kleinkriegen lassen  ugs. · (sich) nicht unterkriegen lassen  ugs.
  • (an etwas) dranbleiben · (sich) nicht erschüttern lassen · ↗durchhalten · hart bleiben · nicht nachgeben · stoisch sein  ●  (die) Arschbacken zusammenkneifen  derb, Spruch, fig. · (die) Zähne zusammenbeißen  ugs., fig.
  • (eine) schwere Aufgabe  ●  hartes Brot  fig.
  • wir werden uns Mühe geben  ●  mit Hochdruck arbeiten an  floskelhaft · wir tun unser Bestes  Spruch · wir arbeiten dran  ugs., Spruch · wir kümmern uns drum  ugs., Spruch · wir sind an der Sache dran  ugs. · wir sind dran an der Sache  ugs.
  • auf seinem Standpunkt beharren · bei seiner Entscheidung bleiben · nicht nachgeben  ●  (sich) nicht erweichen lassen  fig. · hart bleiben  Hauptform, fig.
Synonymgruppe
(weiter) aufrechterhalten (Aussage, Behauptung) · beharren auf · bestehen auf · bleiben bei · nicht abzubringen sein von · steif und fest behaupten
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Behauptung Fassade Fiktion Gleichgewicht Spannung Teilung Trennung Weigerung gewaltsam hartnäckig jahrzehntelang künstlich lange mühsam weiterhin

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufrechterhalten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wenigstens in seinen vier Wänden mußte er die Ordnung aufrechterhalten.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 92
Es fehlt das Geld, den Betrieb aller Institutionen im Lande aufrechtzuerhalten.
Der Tagesspiegel, 16.05.2003
Jede Regierung ist eifersüchtig darauf bedacht, den Status quo aufrechtzuerhalten.
Süddeutsche Zeitung, 03.02.1997
In dieser extremen Form läßt sich jedoch die These nicht aufrechterhalten.
Althaus, P.: Christologie. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1957], S. 17702
Es läßt sich nicht aufrechterhalten, wenn die Freiheit der Religion gewährleistet ist.
o. A.: Einhundertdreiundachtzigster Tag. Montag, 22. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 14430
Zitationshilfe
„aufrechterhalten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aufrechterhalten>, abgerufen am 18.10.2019.

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