auflegen

GrammatikVerb
Aussprache
Worttrennungauf-le-gen
Wortzerlegungauf-legen
Wortbildung mit ›auflegen‹ als Erstglied: ↗Auflegematratze · ↗Aufleger · ↗Auflegung
 ·  mit ›auflegen‹ als Grundform: ↗Aufl. · ↗Auflage · ↗aufgelegt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. auf etw. legen
Beispiele:
ein Betttuch, eine Wolldecke auflegen (= auf die Matratze legen)
ein frisches Tischtuch, neues Gedeck auflegen (= aufdecken)
den Arm, die Ellenbogen auflegen (= aufstützen)
jmdm. die Speisen auflegen (= auf den Teller legen)
jmdm. begütigend die Hand auflegen (= auf jmds. Arm legen)
ein Pflaster auflegen (= auf die Wunde legen)
Rouge, Schminke auflegen (= im Gesicht auftragen)
eine neue (Schall)platte auflegen (= auf den Teller des Grammophons legen)
den Hörer auflegen (= auf die Gabel des Apparates legen)
Holz, Kohlen auflegen (= auf das Feuer legen)
ein Fass Wein auflegen (= auf einen Bock legen, dass der Wein ablaufen kann)
sich auflegen (= sich mit dem Arm aufstützen)
Beispiel:
leg dich nicht auf beim Essen!
2.
jmdm. etw. auflegen (= jmdm. etw. auferlegen, aufbürden)
Beispiele:
dem Volk Steuern, Abgaben, Lasten auflegen
sich [Dativ] Entbehrungen, Beschränkungen, Opfer, Zwang, Stillschweigen, Zurückhaltung auflegen
Ihr legt mir ein schweres Amt auf [Feuchtw.CapetII 11]
Er legte ihm die Buße auf (= …) keusch zu leben [HesseNarziß5,294]
3.
ein Buch auflegen (= ein Buch drucken, herausgeben)
Beispiele:
diese Gedichte wurden zweimal neu aufgelegt
die Ausgabe ist vergriffen und wird nicht wieder aufgelegt
übertragen eine Serienproduktion beginnen
Beispiel:
es wird eine neue Serie aufgelegt
4.
ein Wertpapier auflegen (= ein Wertpapier ausschreiben)
Beispiele:
eine Staatsanleihe auflegen
neue Aktien wurden aufgelegt
Anteile von rund 200 Euro pro Stück werden aufgelegt
5.
Seemannssprache
Beispiel:
ein Schiff auflegen (= außer Dienst stellen)
6.
etw. öffentlich zur Kenntnisnahme auslegen
Beispiel:
die Wahllisten werden zur Einsicht aufgelegt
7.
landschaftlich sich mit jmdm. auflegen (= sich mit jmdm. streiten)
Beispiel:
um die Leute zu versöhnen, mit denen es doch wahrhaftig unklug war, sich aufzulegen [ViebigTägl. Brot318]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

legen · ablegen · Ableger · anlegen · Anlage · auflegen · aufgelegt · Auflage · auslegen · Auslage · beilegen · Beilager · Beilage · einlegen · Einlage · erlegen · niederlegen · Niederlage · überlegen1 · Überlegung · überlegen2 · unterlegen · Unterlage
legen Vb. ‘zum Liegen bringen’. Das gemeingerm. bezeugte Verb ahd. leg(g)en (8. Jh.), mhd. legen (auch lecken, leggen), asächs. leggian, mnd. leggen, mnl. legghen, lēghen, nl. leggen, aengl. lecgan, engl. to lay, anord. leggja, schwed. lägga, got. lagjan ist Kausativum im Sinne von ‘liegen machen’ zu dem unter ↗liegen (s. d.) dargestellten starken Verb wie russ.-kslaw. ložiti sja, russ. ložít’sja (ложиться) ‘sich legen’ zu aslaw. ležati, russ. ležát’ (лежать) ‘liegen’. ablegen Vb. ‘von sich tun, (Kleidung) ausziehen bzw. nicht mehr tragen, abladen, deponieren, vollziehen, leisten’, mhd. abelegen ‘(Kleidung) ausziehen, abladen, abgelten, auszahlen, außer Kraft setzen, Abbruch tun’; Ableger m. ‘junger Pflanzentrieb’ (18. Jh.), frühnhd. ‘Auf- und Ablader’ (15. Jh.). anlegen Vb. ‘an etw. legen, ankleiden, zielen, auf etw. abzielen, bezwecken, anzetteln, entwerfen, gestalten, bewirken, nutz- und gewinnbringend verwenden’, ahd. analeg(g)en ‘an-, auflegen, hineinschicken’ (8. Jh.), mhd. anelegen ‘ankleiden, anzetteln, vorbereiten, veranschlagen, auferlegen, auf Zinsen anlegen’; Anlage f. ‘Hinzu-, Beigefügtes, nutzen- und gewinnbringende Verwendung, Begabung, Neigung, das Gestaltete (Grünfläche, Baugestaltung)’, mhd. anlāge ‘Anliegen, Bitte, Hinterhalt’. auflegen Vb. ‘auf etw. legen, aufbürden, anordnen, (von Büchern) drucken und herausbringen’, ahd. ūfleg(g)en (um 1000), mhd. ūflegen ‘auf-, auslegen, aufstellen, zeigen, ausdenken, ersinnen, erschaffen, anordnen, bestimmen, veranstalten, stiften’; aufgelegt Part.adj. ‘geneigt, gestimmt zu etw., gelaunt’ (18. Jh.); Auflage f. ‘das Auferlegte, zu Leistende, Anweisung, Gebot, Beschwerde, Beschuldigung’ (16. Jh.), ‘Auferlegung, das Aufgelegte auf eine Unterlage, Anzahl der auf einmal gedruckten und verlegten Exemplare eines Druckes’ (17. Jh.). auslegen Vb. ‘ausbreiten, zur Schau stellen, mit einem Belag versehen, Geld vorschießen, deuten, interpretieren’, mhd. ūʒlegen ‘zum Verkauf anbieten, besetzen, verbrämen, ausrüsten, erfüllen, schmücken, darlegen, bestimmen, verabreden, deuten, erklären’; Auslage f. ‘Kosten, verauslagtes Geld, zur Ansicht ausgebreitete Ware, das Auslegen, zur Ansicht Bereitlegen’ (16. Jh.). beilegen Vb. ‘danebenlegen, hinzufügen, mitschicken, beseitigen, (Streit) schlichten’, ahd. bileg(g)en ‘be-, hinlegen, legend bedecken’ (8. Jh.), mhd. bīlegen ‘(sich) dazulegen (zum Beilager)’; Beilager n. ‘Eheschließung, Beischlaf’, mhd. bīleger, frühnhd. bī-, beilager (Ende 14. Jh.); Beilage f. ‘das Beigefügte’ (vielfach kanzleisprachlich von Schriften, Listen), ‘Zukost’, älter auch ‘anvertrautes Gut’ und ‘Beilager’ (15. Jh.). einlegen Vb. ‘hineinlegen, konservieren, mit einer Einlage verzieren, einzahlen’, mhd. īnlegen ‘ein-, hineinlegen, gegen jmdn. eine Klage vorbringen’; Einlage f. ‘das Hineingelegte, Versteifung (bei Kleidern), angelegtes oder eingezahltes Geld, Spargeld’ (16. Jh., bereits früh im Bankwesen). erlegen Vb. ‘(Wild) töten, (durch Tötung) niederlegen’, auch ‘einen Geldbetrag entrichten’, ahd. irleg(g)en ‘auferlegen, entgegensetzen, bestimmen’ (8. Jh.), mhd. erlegen ‘niederlegen, aus-, ein-, belegen, schlichten’. niederlegen Vb. ‘etw., sich hinlegen, ein Amt aufgeben’, ahd. nidarleg(g)en ‘hinwerfen, -legen, -stellen’ (9. Jh.), mhd. niderlegen ‘niederlegen, besiegen, beseitigen, abstellen, in Beschlag nehmen’; Niederlage f. ‘das Besiegtwerden, Unterlegensein, Warenlager, Großhandelszweigstelle’, mhd. niderlāge ‘das Niederlegen, -sinken, Sichniederlassen, Aufenthalt, Ruhe, Verlust, Schaden, das Niedermetzeln’. überlegen1 Vb. ‘überdecken, nachdenken, bedenken, erwägen’, ahd. ubarleg(g)en ‘vorwerfen, vorhalten’ (um 1000), mhd. überlegen ‘überziehen, bedecken, belegen mit, über-, zu-, zusammenrechnen’; Überlegung f. ‘Erwägung, das Bedenken’ (18. Jh.). überlegen2 Vb. ‘über etw. legen, ein Tuch umnehmen, ein Kind strafen’ (18. Jh.). unterlegen Vb. ‘als Unterlage darunterschieben, zuschreiben’, ahd. untarleg(g)en ‘stützen, unterstellen’ (8. Jh.), mhd. underlegen; Unterlage f. ‘Fundament, Grundlage, das Untergelegte, (beweisendes) Schriftstück, Beweisstück’, mhd. underlāge ‘Unterwerfung’.

Thesaurus

Synonymgruppe
anlegen · ↗anwenden (auf) · auflegen
Synonymgruppe
auflegen · ↗ausgeben (Banknoten) · ↗ausstellen · ↗emittieren · ↗herausgeben · in Umlauf bringen · in Umlauf setzen · in Verkehr bringen · ↗verbreiten
Synonymgruppe
(den Hörer) auflegen · (die) Leitung freimachen · (die) Verbindung beenden · aus der Leitung gehen · ↗einhängen
Synonymgruppe
(die) Regler bedienen · Musik auflegen · am Mischpult (stehen) · an den Reglern (stehen) · den DJ machen  ●  auflegen  ugs., Hauptform
Assoziationen
  • Tanzmusik spielen · zum Tanz aufspielen
  • aufspielen  ●  das musikalische Rahmenprogramm liefern  variabel · für die musikalische Untermalung sorgen  variabel

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anleihe Club Discjockey Euro-Anleihe Fond Fonds Förderprogramm Hilfsprogramm House Hörer Immobilienfonds Investitionsprogramm Investmentfonds Konjunkturprogramm Laufzeit Make-up Platte Programm Publikumsfonds Schallplatte Scherz Scherzen Sondermodell Sonderprogramm Sparprogramm Spezialfonds Tranche Volumen legen zu

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›auflegen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Den legt die Schwäbische Bank nämlich Jahr für Jahr auf.
Die Welt, 02.04.2003
In wenigen Minuten soll er auflegen, bis morgens um sechs.
Der Tagesspiegel, 22.09.2000
Dagegen legt man sich im Verkehr mit jungen Mädchen ungewöhnliche Zurückhaltung auf, genau so wie in Frankreich.
Haluschka, Helene: Noch guter Ton? In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1938], S. 3035
Was hier mein gütiger Lehrer aus der Fülle seines liebevollen Herzens geschrieben hatte, legte mir die Pflicht auf, seine Worte zu bewahrheiten.
Ostwald, Wilhelm: Lebenslinien. Eine Selbstbiographie, 3 Teile. In: Simons, Oliver (Hg.), Deutsche Autobiographien 1690 - 1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 39464
Die Völker waren es nicht mehr gewöhnt, sich Steuern auflegen zu lassen.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Dritter Teil: Das Mittelalter, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1923], S. 19020
Zitationshilfe
„auflegen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/auflegen>, abgerufen am 22.10.2019.

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