aufgehen

GrammatikVerb · geht auf, ging auf, ist aufgegangen
Aussprache
Worttrennungauf-ge-hen
Wortzerlegungauf-gehen
Wortbildung mit ›aufgehen‹ als Grundform: ↗Aufgang
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
emporsteigen, aufsteigen
a)
über dem Horizont erscheinen
Beispiele:
der Mond ist aufgegangen
die Sonne geht im Osten auf
b)
Jägersprache emporfliegen
Beispiel:
ging eine Kette Feldhühner mit schmetterndem Flügelschlage […] auf [Immerm.Münchh.1,146]
c)
beim Backen in die Höhe gehen, sich nach oben ausdehnen
Beispiel:
[der Kuchen] war nicht aufgegangen vor lauter Rosinen [ViebigErde162]
bildlich
Beispiel:
salopp, scherzhaft sie ist aufgegangen wie ein Pfannkuchen, Hefekloß (= ist dick geworden)
2.
aufkeimen
a)
aus der Erde emporsprießen
Beispiele:
die Saat ist aufgegangen
in diesem Jahre ist durch die anhaltende Dürre nichts aufgegangen
Daß sie [die Hirse] aufgeht in durchwärmtem Boden [BrechtHirse23]
bildlich
Beispiel:
gehoben und Bluternten werden aufgehen [C. F. Meyer4,111]
b)
übertragen entstehen, aufkommen
Beispiele:
eine Ahnung, Hoffnung, ein Gefühl, Gedanke, Entschluss ging in mir auf
da ist in meinem Herzen die Liebe aufgegangen [Heine1,66]
3.
sich öffnen
a)
umgangssprachlich
Gegenwort zu zugehen
Beispiele:
das Tür, Fenster ist durch den Windstoß aufgegangen
das Fenster geht nicht auf (= lässt sich nicht öffnen)
der Knoten ist aufgegangen
das Weckglas ist wieder aufgegangen
b)
aufplatzen
Beispiele:
das Geschwür, die Wunde, Blase ist aufgegangen
die Naht ist am Ellenbogen aufgegangen
c)
aufbrechen
Beispiele:
die Knospen sind endlich aufgegangen
der Flieder ist nach dem Regen aufgegangen
d)
bildlich
Beispiel:
jmdm. gehen die Augen auf (= jmd. erkennt den wahren Sachverhalt)
gehoben jmdm. geht das Herz auf (= jmd. ist innerlich bewegt, erhoben)
Beispiel:
bei ihrem Lachen, beim Anblick der Berge ging ihm das Herz auf
e)
übertragen jmdm. geht etw. auf (= jmdm. erschließt sich etw., wird etw. klar)
Beispiele:
das Geheimnis, der Sinn des Lebens, eine neue Welt ging mir auf
umgangssprachlich die weiteren Konsequenzen waren ihr noch nicht aufgegangen
salopp, umgangssprachlich jmdm. geht ein Licht, Seifensieder auf (= jmd. versteht endlich)
umgangssprachlich Die eine Stelle [im Protokoll] ist mir noch nicht ganz aufgegangen [FalladaJeder stirbt214]
4.
Beispiele:
die Gleichung, Division, Rechenaufgabe geht auf (= es bleibt kein Rest)
in welchen Zahlen geht die 5 auf? (= welche Zahlen sind durch 5 teilbar?)
die Rechnung geht auf (= stimmt)
bildlich
Beispiel:
er hatte geglaubt, allein das Erbe antreten zu können, aber seine Rechnung ging nicht auf (= es kam anders)
5.
in etw. aufgehen (= von etw. gänzlich übernommen, aufgesaugt werden)
Beispiel:
die kleinen Völkerschaften, Handwerksbetriebe, Unternehmungen gingen in den großen auf
übertragen in jmdm., etw. aufgehen (= sich jmdm., etw. völlig widmen unter Hintanstellung der eigenen Person)
Beispiele:
sie ging ganz in ihren Kindern, ihrer Arbeit auf
er geht in seinem Beruf, seiner Familie auf
6.
in Flammen aufgehen (= gänzlich verbrennen)
Beispiel:
das Haus, die Stadt, ihr ganzer Besitz ist in Flammen, in Rauch und Flammen aufgegangen
7.
Jägersprache mit der Jagd nach der Schonzeit beginnen
Beispiel:
die Hasenjagd geht am ersten Oktober auf
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gehen · abgehen · Abgang · angehen · aufgehen · Aufgang · ausgehen · Ausgang · begehen · eingehen · Eingang · entgehen · ergehen · hintergehen · übergehen · Übergang · untergehen · Untergang · vergehen · Vergehen · Vergangenheit · vorgehen · Vorgang · Vorgänger
gehen Vb. ‘sich zu Fuß fortbewegen’. Im Paradigma von nhd. gehen sind die Formen von zwei verschiedenen, nicht miteinander verwandten Verben vereinigt. Das gemeingerm. starke Verb ahd. gangan (8. Jh.), mhd. gangen, asächs. aengl. gangan, mnl. ganghen, anord. ganga, got. gaggan gehört zu den reduplizierenden Verben und ist vielleicht als Rückbildung aus einem jan-Verb germ. *gangjan (vgl. ahd. zigengen ‘zergehen machen, vernichten’, um 1000, mhd. gengen ‘gehen machen, losgehen’, aengl. gengan ‘gehen, reisen, reiten’) anzusehen. Es ist verwandt mit ↗Gang (s. d.) und außergerm. mit aind. jáṅghā ‘Unterschenkel’, jáṁhaḥ ‘Flügel, Schwinge’, lit. žeñgti ‘schreiten, gehen’ und vielleicht griech. kochṓnē (κοχώνη) ‘Stelle zwischen den Schenkeln, Hinterbacke’. Erschließbar ist ie. *g̑hengh- ‘schreiten, Schritt, Schenkelspreize, Schamgegend’. Auf dieses durch ahd. gangan vertretene Verb gehen das Prät. (ging) und das Part. Prät. (gegangen) von nhd. gehen zurück. Daneben steht gleichbed. ahd. gān (8. Jh.) und (zunächst nur bair. und frk.) gēn (8. Jh.), mhd. gān, gēn, asächs. -gān, mnd. aengl. gān, engl. to go, mnl. gaen, nl. gaan, anord. aschwed. , krimgot. geen, das ahd. nur durch den Infinitiv und athematisch gebildete Präsensformen (gām, gās(t), gāt usw. neben gēm, gēs(t), gēt usw.) belegt ist (vgl. aber aengl. Part. Prät. gegān), die Infinitiv und Präsens des nhd. Verbs gehen ergeben haben. Dieses Verb verbindet sich mit griech. (homerisch) kichā́nein (κιχάνειν) ‘erreichen, erlangen, antreffen’, aind. jíhītē ‘springt auf, begibt sich zu’ und führt auf eine Wurzel ie. *g̑hē-, *g̑hēi- ‘leer sein, fehlen, verlassen, fortgehen’, dann auch ‘gehen’, wobei eine Identität mit ie. *g̑hēi-, *g̑hē- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’ erwogen wird (s. ↗gähnen), da sich ‘fortgehen’ aus ‘klaffend abstehen’ entwickelt haben kann. abgehen Vb. ‘sich entfernen, fehlen, sterben, abschreiten’, ahd. abagangan, -gān ‘aufhören, vergehen’ (um 1000), mhd. abegān ‘abnehmen, etw. versagen, fehlen’; Abgang m. ‘Weggang, Tod, Weg nach unten’, mhd. abeganc ‘das Hinabgehen, ein hinabführender Weg, Mangel, Abfall’. angehen Vb. ‘beginnen, betreffen, um etw. bitten’, ahd. anagangan, -gān, -gēn (um 800), mhd. anegān ‘anfangen, hineingehen, folgen, angreifen’. aufgehen Vb. ‘sich öffnen, emporsteigen, sichtbar werden’, ahd. ūfgangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. ūfgān, -gēn ‘aufgehen, sich erheben, entstehen, gedeihen’; Aufgang m. ‘Erscheinen, Weg nach oben, Treppe’, ahd. ūfgang (8. Jh.), mhd. ūfganc. ausgehen Vb. ‘fortgehen, sich aufbrauchen, enden, abzielen auf etw.’, ahd. ūʒgangan, -gān, -gēn ‘hinausgehen, aufhören’ (8. Jh.), mhd. ūʒgān, -gēn ‘heraus-, hervorgehen, über die Ufer treten, zu Ende gehen, sich verlieren’; Ausgang m. ‘das Hinausgehen, Schluß, Ende, Weg nach außen’, ahd. ūʒgang (um 800), mhd. ūʒganc ‘das Herausgehen, Ausgang, Ende’. begehen Vb. ‘besichtigen, entlanggehen, feiern’, ahd. bigangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. begān, -gēn ‘erreichen, antreffen, sorgen um etw., feiern, zu Grabe geleiten’. eingehen Vb. ‘hineingehen, eintreffen, sich mit etw. oder jmdm. beschäftigen, kleiner werden, schrumpfen, aufhören zu existieren’, ahd. ingangan, -gān, -gēn ‘hineingehen, ein-, betreten, eindringen, überfallen’ (8. Jh.), mhd. īngān, asächs. mnd. ingān, got. inngaggan. Eingang m. ‘Öffnung, Tür, Ankunft, Weg nach innen’, ahd. ingang (8. Jh.), mhd. īn-, inganc. entgehen Vb. ‘entkommen, nicht bemerkt werden’, ahd. intgangan, -gān, -gēn (9. Jh.), mhd. engān, -gēn ‘entkommen, fortgehen, verlorengehen, sich entziehen’. ergehen Vb. ‘angeordnet werden’, reflexiv ‘spazierengehen’, auch unpersönlich mir ergeht es gut, schlecht, ahd. irgangan, -gān, -gēn (9. Jh.), mhd. ergān, -gēn ‘zu gehen beginnen, kommen, geschehen, sich ereignen, einholen, zu Ende gehen’. hintergehen Vb. ‘betrügen, täuschen’, spätmhd. hindergān ‘von hinten herangehen, überfallen, betrügen’. übergehen Vb. ‘nicht beachten, übersehen, überlaufen, überfließen’, ahd. ubargangan, ubar(i)gān ‘überströmen, hinübergehen’ (8. Jh.), mhd. übergān, -gēn ‘übergehen, -fließen, vorübergehen, über etw. gehen, überfallen, übertreten’; Übergang m. ‘überführender Weg, das Überschreiten, Wechsel’, ahd. ubargang ‘das Herausgehen, Abweichung, Verderben, Seuche, Pest’ (8. Jh.), frühnhd. übergang ‘das Hinübergehen, Durchgang, Stelle, wo man hinübergeht’ (15. Jh.). untergehen Vb. ‘zugrunde gehen, versinken’, ahd. untargangan, -gān, -gēn (um 800), mhd. untergān, -gēn ‘dazwischentreten, überkommen, befallen, versperren’; Untergang m. ‘das Zugrundegehen, Scheitern, Sinken’, ahd. untargang (9. Jh.), mhd. underganc ‘Verderben, Sinken (der Sonne), Unterwerfung, Schiedsgericht’. vergehen Vb. ‘aufhören zu existieren, vorbeigehen, verstreichen’, reflexiv ‘gegen eine Norm verstoßen, ein Verbrechen an jmdm. ausführen’, ahd. firgangan, -gān, -gēn ‘vorwärtsgehen, verstreichen’ (9. Jh.), mhd. vergān, -gēn, auch ‘übergehen, meiden, auseinandergehen, sich verirren’; Vergehen n. ‘zu bestrafende Handlung, Verbrechen’ (18. Jh.), vgl. mhd. vergān ‘das Vorübergehen, Hinweggehen’; Vergangenheit f. ‘zurückliegende, verflossene Zeit’ (18. Jh.), in diesem Sinne grammatischer Terminus für Zeitformen des Verbs, die ein Geschehen oder Sein als vergangen darstellen (19. Jh.), vgl. di vergangen zeit (um 1400), die verlauffene Zeit (Anfang 17. Jh.). vorgehen Vb. ‘vorwärtsgehen, nach vorn gehen, den Vorrang haben, sich ereignen’, ahd. foragangan, -gān, -gēn (8. Jh.), mhd. vor-, vürgān ‘vorangehen, übertreffen’; Vorgang m. ‘Ereignis, Ablauf eines Geschehens, in den Akten festgehaltener Fall’, mhd. vor-, vürganc ‘das Vorausgehende, Einleitung, Vortritt, Fortschritt, Erfolg’; Vorgänger m. ‘in Amt oder Stellung Vorangegangener’, spätmhd. vorganger, -genger.

Thesaurus

Synonymgruppe
(einer Sache) frönen · (jemandes) Leben sein · (sein) Herz hängen an · ↗(sich einer Sache) verschreiben · ↗(sich) in den Dienst (einer Sache) stellen · (sich) versenken (in) · aufgehen (in) · sein (ganzes) Herzblut hineinstecken · sein Leben (einer Sache) weihen  ●  ↗(sich einer Sache) weihen  veraltend · ↗(sich einer Sache) widmen  Hauptform · ↗(einer Sache) leben  geh., altertümelnd · (jemandes) Ein und Alles sein  ugs. · ↗(sich einer Sache) anheimgeben  geh. · ↗(sich einer Sache) hingeben  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
Keime bilden · Keime treiben · anfangen zu wachsen · aufgehen · ↗aufkeimen · aus dem Boden wachsen · aus der Erde kommen · ↗auskeimen · ↗hervorkommen · ↗hervorwachsen · ↗keimen · ↗sprießen  ●  ↗(sich) vorwagen  geh., fig. · ↗auflaufen  fachspr., Jargon
Assoziationen
Synonymgruppe
aufgehen (Teig) · aufgetrieben werden  ●  ↗hochgehen  ugs.
Synonymgruppe
(jemandem) aufgehen · ↗erkennen · ↗verstehen  ●  (bei jemandem) fällt der Groschen  fig. · ↗(jemandem) klar werden  Hauptform · Klick machen (bei jemandem)  fig. · (einer Sache) inne werden  geh., veraltet, literarisch
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Auto Flamme Gleichung Herz Kalkulation Kalkül Konzept Licht Mond Plan Rauch Rechnung Saat Schere Sonne Spekulation Stern Strategie Taktik Tür Türe Vorhang Wette gehen glatt ineinander nicht plötzlich restlos sofort

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufgehen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In neun von 21 Jahren ging sie im Dax nicht auf.
Die Welt, 17.11.2005
Andererseits geht die Erfahrung der Vertreibung der Deutschen nicht in einer allgemeinen europäischen Erfahrung auf.
Der Tagesspiegel, 28.09.2003
Dann geht man im All auf und ruht darin aus.
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 21
Ihre Augen gingen übergroß gegen ihn auf, aber er verschwand zugleich, und die Welt wurde schwarz.
Schaeffer, Albrecht: Helianth II, Bonn: Weidle 1995 [1920], S. 357
Anzeigen dürft Ihr es nicht, sonst geht alles in Rauch auf.
Friedländer, Hugo: Räuberhauptmann Kneißl vor dem Schwurgericht. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1910], S. 1067
Zitationshilfe
„aufgehen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aufgehen>, abgerufen am 18.06.2019.

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