aufdringlich

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungauf-dring-lich
Wortbildung mit ›aufdringlich‹ als Erstglied: ↗Aufdringlichkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

zudringlich, lästig
Beispiele:
sich aufdringlich benehmen
ein aufdringlicher Mensch, Schwätzer
so eine aufdringliche Person!
eine aufdringliche Vertraulichkeit, Schmeichelei, Höflichkeit
eine aufdringliche Reklame
jmd. benutzt ein aufdringliches (= übertrieben starkes) Parfüm
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

dringen · dringend · gedrungen · dringlich · Dringlichkeit · aufdringen · aufdringlich · zudringlich
dringen Vb. ‘sich einen Weg verschaffen, verlangen, bestürmen’, ahd. thringan ‘drängen, zusammenpacken, -drücken’ (8. Jh.), mhd. mnd. dringen ‘flechten, weben, zusammendrücken, sich drängen’, asächs. thringan ‘mit Gewalt ausstoßen’, aengl. þringan ‘drängen, eilen, bedrücken’, mnl. dringhen, nl. dringen, anord. þryngva, þryngja ‘drängen, zwingen’, schwed. tränga weisen gegenüber got. þreihan ‘drängen’ grammatischen Wechsel (zwischen h und g) auf, s. auch ↗drängen. Germ. *þrenhan führt mit lit. treñkti ‘dröhnend stoßen, werfen, schleudern’, trañksmas ‘Gedränge’, aslaw. trǫtъ ‘Wache, Schar’, aruss. trutъ, trutь ‘Menge’, russ. (älter) trutít’ (трутить) ‘drücken, stoßen’ und wohl auch lat. truncāre ‘verstümmeln’ auf ie. *trenk- ‘stoßen, zusammendrängen, bedrängen’. Ein Zusammenhang mit ie. *ter(ə)-, der Wurzel von ↗drehen (s. d.), bleibt fraglich. Transitiver Gebrauch, seit dem Ahd. neben intransitivem gleichermaßen bezeugt, wird von ↗drängen (s. d.) allmählich übernommen, hält sich aber bis ins 18. Jh. dringend Part.adj. ‘eilig, wichtig, inständig’ (15. Jh.). gedrungen Part.adj. ‘fest, kompakt, kräftig’ vom Körperbau (15. Jh.). dringlich Adj. ‘dringend’ (15. Jh.); Dringlichkeit f. ‘Eiligkeit, Wichtigkeit’ (18. Jh.). aufdringen Vb. ‘aufnötigen’ zeugt noch von ehemals transitivem Gebrauch von dringen (ersetzt durch aufdrängen), mhd. ūfdringen ‘sich erheben, emporsprudeln’; aufdringlich und zudringlich Adj. ‘lästig, sich aufdrängend’ (beide 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(sich) anbiedernd · Grenzen ignorierend · Grenzen verletzend · ↗anhänglich · aufdringlich · bedrängend · belästigend · ↗distanzlos · drängelnd · drängend · in (bester) Stalker-Manier · ↗indiskret · ↗lästig · nicht abzuschütteln · peinlich indiskret · ↗penetrant · ↗schmierig · ↗unangenehm · unangenehm vertraulich · von peinlicher Indiskretion · übertrieben zuvorkommend  ●  ↗grenzüberschreitend  Jargon · ↗zudringlich  Hauptform · lästig wie eine Klofliege  ugs. · nicht (wieder) loszuwerden  ugs. · ↗übergriffig  geh.
Assoziationen
  • (viel) Sitzfleisch haben · nicht zum Aufbruch zu bewegen (sein) · ↗schwer (wieder) loszuwerden (sein)
  • Paparazzo · Skandal-Fotograf  ●  Paparazza  weibl. · Paparazzi  Plural
  • aus tiefster Seele · ↗dringend · drängend · ↗eindringlich · flehend · ↗flehentlich · ↗händeringend · in flehendem Tonfall · ↗inständig · inständigst · ↗nachdrücklich · sehnlichst · unter Flehen  ●  beschwörend  Hauptform
  • (jemandem) sein Herz ausschütten · (jemandem) sein Leid klagen · (jemanden) behelligen mit  ●  (seine Sorgen) abladen bei  fig., variabel · (sich) ausweinen bei  auch figurativ · (jemandem) die Ohren volljammern  ugs. · (seinen Frust) rauslassen bei  ugs., variabel · ↗(sich) auskotzen  derb, fig.
  • (sich) Vertraulichkeiten herausnehmen · ↗(sich) aufdrängen · ↗bedrängen · ↗belästigen · lästig fallen · lästig sein · lästig werden · nicht in Ruhe lassen · zudringlich werden  ●  (jemandem) auf den Pelz rücken  ugs.
  • (sich) anbiedern(d) · als wären sie Freunde · ↗kumpelhaft · ↗plumpvertraulich · wie unter Freunden
Synonymgruppe
aufdringlich · ↗reißerisch  ●  ↗marktschreierisch  Hauptform
Assoziationen
Psychologie
Synonymgruppe
anmaßend · ↗arrogant · aufdringlich · ↗dominant · ↗großtuerisch · ↗hochfahrend · ↗hoffärtig · ↗vermessen · ↗überheblich · übertrieben selbstbewusst  ●  ↗präpotent  österr. · ↗insolent  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • aufgeblasen · durchdrungen von der eigenen Bedeutsamkeit · ↗geschwollen · ↗großspurig · selbstwichtig · selbstüberzeugt · von sich selbst überzeugt
Synonymgruppe
dominant · durchdringend · in die Nase stechen(d) · ↗intensiv · ↗penetrant · sich vordrängen(d) · ↗stark  ●  alles andere überdecken(d)  variabel · aufdringlich (Geruch, Duft)  Hauptform

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autogrammjäger Belehrung Bettler Didaktik Fan Filmmusik Fotograf Freier Gebaren Geruch Paparazzo Parfüm Reklame Symbolik Verehrer Verehrerin Verkäufer beinahe bisweilen geradezu grell laut nie niemals nirgends penetrant plump störend taktlos zuweilen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›aufdringlich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Die wuchtigen Klänge, die beim Hören der CD noch bezaubern, wirken im Film allzu aufdringlich.
Der Tagesspiegel, 30.04.2003
Sie sagt in einem Prozeß gegen einen aufdringlichen Fan aus.
Bild, 25.09.1998
Aber alle erschienen ihr zu plump, zu neugierig, zu aufdringlich, zu indiskret.
Nöstlinger, Christine: Gretchen Sackmeier, Hamburg: Oetinger 1988 [1981], S. 104
Das Gift auf dem Tisch leuchtete aufdringlich, in einem fremden Licht.
Aichinger, Ilse: Die größere Hoffnung, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1966 [1948], S. 146
Jedenfalls muß er aber vor allem bestrebt sein, sich in keiner Weise aufdringlich zu erweisen.
Rafaeli, Max u. Le Mang, Erwin: Ueber die Liebe. In: Das große Aufklärungswerk für Braut- und Eheleute, Dresden: Buchversand Gutenberg o.J. 1933 [1927], S. 129
Zitationshilfe
„aufdringlich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/aufdringlich>, abgerufen am 25.05.2019.

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