arg

GrammatikAdjektiv · Komparativ: ärger · Superlativ: am ärgsten
Aussprache
Wortbildung formal verwandt mit: ↗verargen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
schlimm, böse
a)
Beispiele:
an nichts Arges denken
nichts Arges in etw. sehen
etw. liegt im Argen (= ist in Unordnung)
etw. ärger machen, als es ist
das Ärgste befürchten
auf das Ärgste gefasst sein
es kommt zum Ärgsten
jmdn. vor dem Ärgsten behüten, bewahren
ein arger Sünder
gehoben die arge Welt
arges Wetter
jmdm. einen argen Streich spielen
arge Gedanken, Pläne
das ist denn doch zu arg!
Der Friederich, der Friederich, / das war ein arger Wüterich [H. Hoffm.Struwwelpeter3]
Da lächelt der König mit arger List [SchillerBürgschaft]
b)
umgangssprachlich dient als Verstärkung
Beispiele:
in arge Verlegenheit, Not geraten
einen argen Schrecken bekommen
der ärgste Feind, Schreier
2.
adverbiell
umgangssprachlich sehr
Beispiele:
die Krankheit hat ihn arg mitgenommen
das Buch hat schon arg gelitten
jmdm. arg mitspielen
arg lügen, erschrecken
jmdn. arg blamieren
die Sonne sticht zu arg
salopp sich arg freuen
salopp er ist noch arg jung
salopp arg verliebt sein
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

arg · Arg · Arglist · arglistig · Argwohn · argwöhnen · argwöhnisch · verargen · arglos · Arglosigkeit
arg Adj. ‘schlimm, böse, bösartig’, als Verstärkung ‘sehr, groß, stark’, ahd. arg ‘(moralisch) verderbt, schlecht, böse’, auch ‘feige, unzüchtig, geizig’ (8. Jh.), mhd. arc ‘nichtswürdig, böse’, mnd. mnl. arch ‘böse, schlimm’, aengl. earg ‘feige, träge, böse’, anord. argr, daneben mit Metathese ragr ‘feige, unmännlich, unsittlich’, sowie langobard. arg. Ausgangspunkt ist die Bedeutung ‘feige’, in der germ. *arga- als arka bzw. arg ins Finn. und Estn. entlehnt wird. Für die Ausgangsbedeutung ‘feige’ spricht auch die etymologische Herleitung. Im Sinne von ‘angstbebend, zitternd’ gehört das Adjektiv zu ie. *ergh- ‘schütteln, erregen, beben’, Erweiterung der Wurzel ie. *er- ‘sich in Bewegung setzen, erregen’ (s. ↗reiten, ↗Ernst); vgl. griech. orché͞isthai (ὀρχεῖσθαι) ‘beben, hüpfen, tanzen’, aind. ṛghāyáti ‘bebt, tobt, rast’. Heute begegnet arg vornehmlich als Ausdruck der Verstärkung (eine arge Enttäuschung, es hat mich arg gefreut). Arg n. ‘Böses, Schlimmes, Falschheit’, nur noch in negativen Wendungen wie ohne Arg sein, kein Arg finden gebräuchlich. Ahd. arg bedeutet entsprechend dem Adjektiv (s. oben) ‘das (moralisch) Schlechte, Böse, Verworfenheit, Schlechtigkeit’ (9. Jh.), mhd. arc ‘Böses, Übel’, mnd. mnl. arch ‘Böses, Unheil, Bosheit, Schaden’. Arglist f. ‘Hinterlist, Heimtücke’, ahd. arglist ‘Arglist, Schlauheit, Bosheit’ (um 1000), mhd. arclist, dazu arglistig Adj. ‘hinterlistig, heimtückisch’, mhd. arclistec. Argwohn m. ‘Verdacht, Mißtrauen’, ahd. argwān (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwān; zum Grundwort s. ↗Wahn; davon abgeleitet argwöhnen Vb. (früher auch argwohnen) ‘Argwohn hegen, Schlimmes vermuten’, ahd. argwānen (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnen; argwöhnisch Adj. ‘mißtrauisch, voller Argwohn’, ahd. argwānig (Hs. 12. Jh.), mhd. arcwœnec. verargen Vb. ‘übelnehmen’, mhd. verargen ‘arg werden’; vgl. mhd. argen ‘arg sein’. arglos Adj. ‘nichts Böses ahnend, ohne Argwohn, ahnungslos’ und Arglosigkeit f. (2. Hälfte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
arg · ausgeprägt · ↗ausnehmend · ↗beträchtlich · ↗deutlich · ein gerüttelt Maß · ↗enorm · ↗erheblich · ↗haushoch · ↗sehr · ↗viel · ↗weit · ↗wesentlich · ↗ziemlich  ●  ↗allerhand  ugs. · eine gehörige Portion  ugs. · ↗immens  geh. · jede Menge  ugs. · ordentlich was  ugs. · ↗tierisch  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • gehörig · ↗gründlich · von vorne bis hinten  ●  nach allen Regeln der Kunst  fig. · (aber) so was von  ugs., salopp, Spruch · ... (und / aber) frag nicht nach Sonnenschein!  ugs., Spruch · ganz schön  ugs. · nach Strich und Faden  ugs. · ↗weidlich  geh., veraltend · wo man dabeisteht  ugs.
  • ausgesprochen · ganz und gar · ↗gänzlich  ●  ↗betont  geh. · ↗prononciert  geh.
Synonymgruppe
allzu · ↗auffallend · ↗erstaunlich · ↗furchtbar · mehr als · ↗sehr · sehr sehr · ↗ungebührlich · ↗ungemein · ↗ungewöhnlich · ↗unglaublich (Adverb) · ↗unverhältnismäßig · über die Maßen · ↗über... · ↗überaus · übertrieben  ●  arg  regional · ↗verdächtig  ironisch · ↗ausnehmend  geh. · bis dort hinaus  ugs. · bis zum Gehtnichtmehr  ugs. · ↗schrecklich  ugs. · ↗unvergleichlich  geh. · ↗verdammt  ugs., salopp
Assoziationen
  • (es herrscht) verdächtige Ruhe · ungewöhnlich ruhig · verdächtig ruhig · verdächtig still  ●  (die) Ruhe vor dem Sturm  fig.
  • ausgesprochen · ganz und gar · ↗gänzlich  ●  ↗betont  geh. · ↗prononciert  geh.
  • (ein) Überangebot (an) · (ein) Überfluss an · ausufernd (viel) · entschieden zu viel · mehr als genug · ↗zu viel · zu viel des Guten · über und über · ↗übergenug · ↗überreichlich · ↗überzählig  ●  (ein) Overkill an  engl., fig. · auf keine Kuhhaut gehen  ugs., fig. · des Guten zu viel  geh. · doppelt und dreifach  ugs. · jenseits von Gut und Böse  ugs. · nicht mehr feierlich  ugs. · noch und nöcher  ugs., scherzhaft · ↗viel zu viel  ugs.
  • im Übermaß · mehr als gut wäre · mehr als nötig · ungebührlich stark · unnötig stark · ↗unverhältnismäßig · zu sehr · zu stark · über Gebühr · ↗überaus · ↗übermäßig · übertrieben
Synonymgruppe
arg · ↗bedenklich · ↗ernstlich · ↗schwer  ●  ↗bös(e)  ugs. · ↗fies  ugs., rheinisch · ↗schlimm  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Alp Bedrängnis Erklärungsnot Feind Finanznot Konkurrent Konkurrentin Not Rivale Rivalin Verfolger Verlegenheit Widersacher Zumutung bedrängt bisweilen dezimiert gebeutelt gerupft gescholten geschrumpft geschwächt lädiert mitgenommen ramponiert strapazieren strapaziert vernachlässigt zuletzt zusetzen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›arg‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Weil er irgendwann festgestellt hatte, dass nicht so arg viel geredet wird in seinen Büchern.
Die Welt, 11.01.2003
Das käme doch arg neureich daher, hat er ihn gewarnt.
Der Tagesspiegel, 28.10.1999
Es wäre doch ärger gewesen, wenn wir uns nicht rechtzeitig von ihnen befreit hätten.
Süddeutsche Zeitung, 17.04.1997
Und sind die Augen der Männer nicht gieriger als die der wilden Hunde und die Herzen der Weiber noch ärger?
Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh II, Stockholm: Bermann - Fischer 1947 [1933], S. 131
Nach zwei Stunden, etwa um acht Uhr, war das ärgste Durcheinander vorbei.
Grimm, Hans: Volk ohne Raum, München: Langen 1932 [1926], S. 621
Zitationshilfe
„arg“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/arg>, abgerufen am 26.04.2019.

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