antun

GrammatikVerb · tut an, tat an, hat angetan
Aussprache
Worttrennungan-tun (computergeneriert)
Wortzerlegungan-1tun
Wortbildung mit ›antun‹ als Grundform: ↗angetan
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
jmdm., sich etw. zufügen
a)
Beispiele:
jmdm. Böses, ein Leid, Unrecht antun
jmdm. Schmerz, Kummer, Schaden, Schande antun
das darfst du mir nicht antun!
umgangssprachlich er sieht aus, als könnte er keiner Fliege etwas antun (= als könnte er niemandem ein Leid zufügen)
gehoben jmdm. Gewalt, Zwang antun (= jmdn. mit Gewalt zu etw. zwingen)
gehoben den Tatsachen, der Wirklichkeit Gewalt antun (= sie entstellen)
gehoben sich [Dativ] Gewalt, Zwang antun (= sich bezähmen, zwingen)
b)
Beispiele:
jmdm. Gutes, eine Wohltat, Ehre antun (= erweisen)
vertraulich tu mir die Liebe an und rauche nicht mehr
jmdm. die letzte Ehre antun (= an der Begräbnisfeierlichkeit teilnehmen)
c)
Beispiele:
sich [Dativ] ein Leid antun (= Selbstmord begehen)
veraltet sich [Dativ] ein Leid(e)s antun (= Selbstmord begehen)
umgangssprachlich sich [Dativ] was antun (= Selbstmord begehen)
2.
etw. anziehen
a)
landschaftlich
Gegenwort zu abtun
Beispiele:
einen Anzug, ein Kleid, die Stiefel antun
Schmuck antun (= anlegen)
Ich will ... einen schönen Rock antun [Stifter1,180]
b)
gehoben jmd. ist festlich angetanfestlich gekleidet
Beispiele:
sie war sauber, leicht, mit einem schönen Kleid angetan
eine mit einem langen, weißen Lilienschleier angetane Fee [FontaneII 1,232]
3.
es jmdm. angetan habenjmdn. bezaubern, entzücken
Beispiele:
sie hat es ihm (mit ihrer Schönheit, ihren schwarzen Augen) angetan
seine Persönlichkeit, Güte, Freundlichkeit, die schöne Landschaft, Musik hat es uns angetan
veraltet jmdm. etw. anhexen
Beispiele:
eine böse Nachbarin hat ihr das Leiden angetan
Denn das Kind war damit angetan (= behext), daß sie Unheil voraussah [Storm6,134]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tun · tunlich · betulich · Tunichtgut · abtun · antun · umtun · vertun · zutun · Zutat
tun Vb. ‘eine Tätigkeit verrichten’, reflexiv (unpersönlich) ‘sich ereignen’. Das Verb (mit ehemals reduplizierenden Präteritalformen) ahd. (8. Jh.), mhd. tuon, asächs. mnd. dōn, mnl. nl. doen, aengl. dōn, engl. to do ‘tun’ setzt westgerm. *dō- voraus, eine wohl ablautende Form der Wurzel ie. *dhē- ‘setzen, stellen, legen’. Als Verwandte sind vergleichbar aind. dádhāti ‘setzt, stellt hin, legt’, griech. tithénai (τιθέναι) ‘stellen, setzen, legen’, lat. abdere ‘weggeben, -tun, entfernen, verbergen, verstecken’, addere ‘hinzutun, -fügen, vermehren’, condere ‘gründen, einlegen, bergen, bedecken’, facere (Perf. fēcī) ‘tun, machen’, air. dorat ‘hat gegeben’, lit. dė́ti ‘setzen, stellen, legen, hineintun, säen, pflanzen’, aslaw. děti ‘legen, setzen, stellen’, dějati ‘tun, verrichten’, russ. det’ (деть) ‘hinlegen, verbrauchen’. S. auch ↗Tat (mit anord. dāð und got. -dēþs, die Reflexe des im Nordgerm. und Ostgerm. nicht belegten Verbs zeigen) und ↗-tum. tunlich Adj. ‘zum Tun geeignet, ratsam, sinnvoll, zweckmäßig, möglich’ (16. Jh.). betulich Adj. ‘rührig, besorgt, zutraulich, beschaulich’ (18. Jh.), zu heute veraltetem betun ‘sich geschäftig zeigen, sich abgeben’, ahd. bituon ‘verschließen, zumachen, behandeln’ (8. Jh.), mhd. betuon ‘be-, einschließen’. Tunichtgut m. ‘wer öfters Unfug treibt, Taugenichts’ (17. Jh.), imperativischer Satzname; vgl. Thukeingut (1586), Thunichts (Stieler 1691). abtun Vb. ‘ablegen, mit Geringschätzung erledigen, ins reine bringen’, mhd. abetuon ‘entfernen, abschaffen, abstellen’, ahd. (zweifelhaft) abatuon ‘entfernen’ (9. Jh.). antun Vb. ‘anziehen, jmdm., sich etw. zufügen, bereiten, erweisen’, ahd. anatuon ‘anziehen, auflegen, aufsetzen, (Böses) zufügen’ (8. Jh.), mhd. anetuon ‘anlegen’, reflexiv ‘sich ankleiden’. umtun Vb. ‘umhängen, umlegen’, reflexiv ‘sich umsehen, sich erkundigen, sich bemühen’ (16. Jh.), mhd. umbetuon ‘herumbringen, von seiner Ansicht abbringen, überwinden’. vertun Vb. ‘verschwenden, vergeuden, ohne rechten Sinn verbrauchen, nutzlos zubringen’, reflexiv ‘sich irren’, ahd. firtuon ‘freveln’, reflexiv ‘sich vergreifen an’ (9. Jh.; vgl. ahd. firtān Part.adj. ‘schlecht, böse’, 8. Jh.), mhd. vertuon ‘aufbrauchen, verzehren, vergeblich tun’, reflexiv ‘sich versammeln, verschwenderisch leben, sich durch Handeln verfehlen’. zutun Vb. ‘hinzufügen, zusetzen, hinzulegen, schließen’, ahd. (8. Jh.), mhd. zuotuon; Zutat f. ‘zur Herstellung einer bestimmten Sache notwendiger oder wünschenswerter Bestandteil, Beigabe, Ergänzung’ (18. Jh.), zuvor ‘zweckvolles Tun’ (16. Jh.); vgl. mnd. tōdāt ‘Hinzufügung, Hilfe’.

Thesaurus

Synonymgruppe
zumuten  ●  antun  ugs.
Synonymgruppe
(den) Aufwand nicht scheuen (zu) · (die) Mühe auf sich nehmen (zu) · (es) auf sich nehmen (zu)  ●  (sich etwas) antun  ugs., scherzhaft-ironisch

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wie kann ein Vater das seinen sechs Töchtern nur antun?
Bild, 22.01.2005
Niemals hätte er der geliebten Frau so etwas antun können.
Der Tagesspiegel, 15.12.2000
Aber zu solchen Experimenten war eben in Wirklichkeit die Lage gar nicht angetan.
Heuß, Alfred: Das Zeitalter der Revolution. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 20560
Sie war aber wirklich nicht dazu angetan, gerade von einer griechischen Politik ausgespielt zu werden.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 4077
Dieser Winter hat ihnen nichts antun können, er war gnädig.
Brief von Irene G. an Ernst G. vom 22.04.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Zitationshilfe
„antun“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/antun>, abgerufen am 19.10.2019.

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