antreiben

GrammatikVerb · treibt an, trieb an, hat/ist angetrieben
Aussprache
Worttrennungan-trei-ben
Wortzerlegungan-1treiben
Wortbildung mit ›antreiben‹ als Erstglied: ↗Antreiber · ↗Antreiberei  ·  mit ›antreiben‹ als Grundform: ↗Antrieb
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›hat‹
ein Tier vorwärtstreiben
Beispiele:
der Kutscher treibt die Pferde (durch Zuruf, mit der Peitsche) an
der Bauer treibt den Ochsen an
die Hunde antreiben
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
jmdn. zu etw. treiben
a)
jmdn. rücksichtslos zu größeren Leistungen drängen
Beispiel:
jmdn. zur Eile, Arbeit, zum Fleiß antreiben
b)
etw. treibt, veranlasst jmdn. zu etw.
Beispiele:
Angst, Freude, Stolz, ein unbestimmtes, sicheres Gefühl trieb ihn dazu an
von Durst und Hunger angetrieben
von Neugier, einem Gedanken angetrieben
Und doch trieb es sie an, sich vor ihn hinzustellen [ViebigErde233]
3.
mit Hilfsverb ›hat‹
Technik etw. in Bewegung setzen
Beispiele:
die Maschine wird von einem Motor angetrieben
etw. elektrisch, durch Muskelkraft antreiben
4.
mit Hilfsverb ›hat‹
etw., jmdn. ans Ufer treiben
Gegenwort zu abtreiben
Beispiele:
die Strömung treibt das Boot an
der Sturm hat Wrackteile ans Ufer angetrieben
Baumstämme, Eisschollen sind angetrieben (= angeschwemmt) worden
gestern wurde eine Leiche angetrieben
mit Hilfsverb ›ist‹
herantreiben
Gegenwort zu abtreiben
Beispiele:
der Kahn treibt an
die grauen Wolken, die von der offenen See her antrieben [A. ZweigBeil156]
5.
mit Hilfsverb ›hat‹
Beispiele:
eine Pflanze antreiben (= sie durch künstliche Wärme vorzeitig zum Treiben bringen)
Hyazinthen, Alpenveilchen antreiben
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

treiben · Treiben · Treiber · Treibeis · Treibjagd · abtreiben · abgetrieben · Abtreibung · antreiben · Antreiber · Antrieb · auftreiben · Auftrieb · vertreiben · Vertrieb
treiben Vb. ‘vorwärtsbewegen, fortjagen, sich mit etw. beschäftigen’, ahd. trīban (8. Jh.), mhd. trīben, asächs. drīƀan, mnd. mnl. drīven, nl. drijven, aengl. drīfan, engl. to drive, anord. drīfa, schwed. driva, got. dreiban (germ. *dreiban) sowie die unter ↗Trieb und ↗Trift (s. d.) behandelten Substantive lassen sich lediglich vergleichen mit lit. drìbti ‘in Flocken niederfallen, schlaff, schlapp werden’ (vgl. anord. drif, drīfa, drīft, dript ‘Schneegestöber’). Ob ein daraufhin angenommenes ie. *dhreibh- ‘treiben, stoßen’ an die unter ↗Treber, ↗Trester, ↗trübe (s. d.) genannte Wurzel ie. *dher(ə)- ‘trüber Bodensatz einer Flüssigkeit, Schmutz’, auch ‘matschiges Wetter’, angeschlossen werden kann, ist ungewiß. Treiben n. ‘geschäftiges Tun, Treibjagd’ (18. Jh.). Treiber m. ‘wer bei der Treibjagd den Schützen das Wild zutreibt, wer ein (Arbeits-, Last)tier führt, Vieh (auf die Weide) treibt, Antreiber’, ahd. trībāri (11. Jh.), mhd. trīber, mnd. drīver; als Jagdausdruck seit dem 17. Jh. Treibeis n. ‘auf Gewässern treibende Eisschollen’ (Anfang 18. Jh.). Treibjagd f. (18. Jh.). abtreiben Vb. ‘in eine andere (nicht gewünschte) Richtung bringen, vom Kurs abkommen, eine Schwangerschaft abbrechen, Vieh mit sich forttreiben’, ahd. abatrīban (Hs. 12. Jh.), mhd. abetrīben ‘ver-, forttreiben’; veraltet ist heute die Bedeutung ‘abhetzen, durch Treiben erschöpfen’ (seit Anfang 16. Jh.), erhalten in abgetrieben Part.adj. ‘abgehetzt, erschöpft, kraftlos’, häufig von Zug-, Reittieren (16. Jh.); Abtreibung f. ‘Schwangerschaftsabbruch’ (Anfang 16. Jh.). antreiben Vb. ‘(ein Tier) vorwärtstreiben, jmdn. zu größeren Leistungen, zur Eile drängen, anschwemmen, künstlich zum Treiben bringen’, mhd. anetrīben ‘tun, anstiften, ausüben, fortsetzen’; Antreiber m. ‘wer andere (zur Arbeit) antreibt’ (15. Jh.); Antrieb m. ‘Anstoß, Anreiz, Beweggrund’, in der Technik ‘die einer technischen Vorrichtung zugeführte Bewegungsenergie, Teil einer Maschine, die diese Energie liefert oder überträgt’ (16. Jh.). auftreiben Vb. ‘in die Höhe treiben, aus der Ruhe aufscheuchen, aufblähen, Vieh zum Verkauf auf den Markt bringen, ausfindig machen’, ahd. ūftrīban ‘erhöhen, (eine Fähre) stromaufwärts treiben’ (11. Jh.), mhd. ūftrīben ‘emportreiben, errichten, erbauen, beunruhigen, auferlegen, sich erheben’; Auftrieb m. in der Physik ‘der Schwerkraft entgegengesetzte Kraft, Aufwärtsdruck’, übertragen ‘(Auf)schwung, Elan, Schaffenskraft’ (19. Jh.). vertreiben Vb. ‘verjagen, (Zeit) verkürzen, kurzweilig gestalten, Waren (im großen) verkaufen’, ahd. firtrīban ‘vertreiben, verstoßen, entfernen’ (8. Jh.), mhd. vertrīben; Vertrieb m. ‘Verkauf von Waren’ (16. Jh.), ‘Abteilung eines Betriebes, die die Bestellung und Auslieferung der Waren besorgt’ (20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
aktivieren · ↗ankurbeln · ↗anregen · ↗anspornen · antreiben · ↗aufpeitschen · ↗aufputschen · ↗erregen · ↗hervorrufen · in Wallung bringen · ↗innervieren · ↗powern · ↗puschen · ↗pushen · ↗stimulieren
Assoziationen
Synonymgruppe
antreiben · ↗aufstacheln · ↗hetzen · ↗jagen · ↗scheuchen · treiben · ↗voranbringen · ↗vorantreiben · ↗vorwärtstreiben · zur Eile treiben  ●  (jemandem) Dampf machen  Redensart · (jemandem) Beine machen  ugs. · (jemandem) Feuer unter dem Hintern machen  ugs., fig. · (jemandem) Feuer unterm Arsch machen  derb, fig. · (jemandem) auf die Füße treten  ugs., fig. · Zunder geben  ugs., fig. · auf Touren bringen  ugs. · auf Trab bringen  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (dazu) bringen (zu) · (jemandem) Anlass geben · ↗(jemanden) animieren · ↗(jemanden) motivieren · ↗(jemanden) veranlassen
  • Druck ausüben · Druck machen · ↗dringen · dringend bitten · ↗drängen  ●  ↗urgieren  österr. · Dampf machen  ugs. · die Daumenschrauben anziehen  ugs. · ↗quengeln  ugs.
  • (es) eilig haben · (jemandem) nicht schnell genug gehen können · Druck machen  ●  aufs Tempo drücken  ugs., fig. · zur Eile drängen  geh.
  • (jemandem) Mut machen · (jemanden) animieren (zu) · (jemanden) aufrufen (zu) · (jemanden) bestärken (in) · (jemanden) bringen (zu) · (jemanden) stimulieren (zu) · ↗anregen · ↗anspornen · ↗ermuntern · ↗ermutigen · ↗stärken
  • beschleunigen · ↗vorantreiben  ●  ↗akzelerieren  fachspr. · ↗dynamisieren  geh.
  • (sich) beeilen · ↗eilen  ●  (sich) abhasten  veraltet · ↗(sich) abjagen  veraltet · ↗(sich) tummeln  österr. · (die) Beine in die Hand nehmen  ugs., fig. · (die) Hufe schwingen  ugs., fig. · ↗(sich) abhetzen  ugs. · ↗(sich) ranhalten  ugs. · ↗(sich) sputen  ugs. · ↗(sich) überschlagen  ugs. · Dampf machen  ugs., fig. · fix machen  ugs. · hinnemachen  ugs. · ↗reinhauen  ugs., salopp · schnell machen  ugs. · ↗voranmachen  ugs., ruhrdt.
  • (ein) bisschen dalli!  ugs. · (mach) schnell!  ugs. · (na los) Bewegung!  ugs. · (na) wird's bald?  ugs., Hauptform · (und zwar) ein bisschen plötzlich!  ugs. · Aber zackig jetzt!  ugs. · Beeilung!  ugs. · Beweg deinen Arsch!  derb · Brauchst du 'ne (schriftliche) Einladung?  ugs., variabel · Brauchst du (erst noch) ne Zeichnung?  ugs. · Dann mal ran!  ugs. · Drück auf die Tube!  ugs., veraltet · Geht das (eventuell) auch ein bisschen schneller?  ugs., variabel · Gib Gummi!  ugs., salopp · Gib ihm!  ugs. · Hau rein!  ugs., salopp · Heute noch?  ugs., ironisch · Jetzt aber dalli!  ugs., variabel · Jib Jas Justav, 's jeht uffs Janze!  ugs., Spruch, berlinerisch · Komm in die Gänge!  ugs. · Kutscher, fahr er zu! (pseudo-altertümelnd)  ugs., ironisch · Lass gehen!  ugs. · Lass jucken, Kumpel!  ugs., veraltet · Lass schnacken!  ugs. · Lass was passieren!  ugs. · Leg ma ne Schüppe Kohlen drauf!  ugs., Spruch, ruhrdt., veraltet · Leg mal 'nen Zahn zu!  ugs. · Mach fix!  ugs. · Mach hin!  ugs. · Mach hinne!  ugs., regional · Mach voran! (Betonung auf 1. Silbe, norddt.)  ugs. · Mach zu!  ugs., norddeutsch · Nicht einschlafen!  ugs. · Nichts wie ran!  ugs. · Noch einen Schritt langsamer, und du gehst rückwärts.  ugs., Spruch, ironisch · Pass auf, dass du nicht Wurzeln schlägst.  ugs., übertreibend · Pass auf, dass du nicht einschläfst!  ugs., übertreibend, variabel · Schlaf nicht ein!  ugs., variabel · Was stehst du hier noch rum!?  ugs. · Wie wär's mit ein bisschen Beeilung?  ugs. · Wir haben nicht den ganzen Tag Zeit!  ugs., Spruch · Wird das heut(e) noch was?  ugs., ironisch · avanti!  ugs. · hopp hopp!  ugs. · los (los)!  ugs. · worauf wartest du?  ugs. · zack zack!  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Achse Basismodell Benzinmotor Brennstoffzelle Dampf Dampfmaschine Dampfturbine Dieselmotor Ehrgeiz Eile Elektromotor Generator Hinterachse Hinterrad Höchstleistung Inflation KW Motor Mühle Nockenwelle PS Propeller Pumpe Rad Turbine Verbrennungsmotor Vorderrad Wasserstoff Zahnriemen treiben

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›antreiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was treibt den Mann noch immer an, mag man sich fragen.
Die Welt, 22.03.2004
Was treibt Sie an, immer wieder das Elend zu suchen?
Der Tagesspiegel, 11.10.2001
Sie trieben den Esel nicht an, denn sie hatten jetzt Zeit.
Hilsenrath, Edgar: Das Märchen vom letzten Gedanken, München: Piper 1989, S. 171
Wie aus einem antiken Fries gehoben, so zügelt er sie und treibt sie an.
Kolb, Annette: Die Schaukel, Frankfurt a. M.: Fischer 1960 [1934], S. 54
Sie treibt an zu Veränderungen, kann die Veränderungen selbst aber nicht verkraften.
Pilgrim, Volker Elis: Manifest für den freien Mann - Teil 1, Reinbek b. Hamburg: Rowohlt 1983 [1977], S. 66
Zitationshilfe
„antreiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/antreiben>, abgerufen am 19.10.2019.

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