anstößig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungan-stö-ßig
WortzerlegungAnstoß-ig
Wortbildung mit ›anstößig‹ als Erstglied: ↗Anstößigkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

Ärgernis erregend, unschicklich
Beispiele:
anstößige Dinge, Geschichten, Späße, Witze erzählen
anstößige Ausdrücke, Wörter vermeiden
anstößige Lieder singen
sich anstößig benehmen
etw. anstößig finden
etw. wirkt anstößig, gilt als anstößig
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

stoßen · Stoß · Stößel · abstoßen · abstoßend · anstoßen · Anstoß · anstößig · verstoßen · Verstoß · vorstoßen · Vorstoß
stoßen Vb. ‘mit kurzer, heftiger Bewegung an etw. anprallen, etw. mit heftigem Druck in eine Richtung bewegen’. Das stark flektierende Verb ahd. stōʒan (um 800), mhd. stōʒen, asächs. stōtan, mnd. mnl. stōten, nl. stoten, got. stautan (germ. *stautan) und schwach flektierendes anord. stauta führen mit den außergerm. Verwandten aind. tudáti ‘stößt, schlägt, sticht’, air. dotuit ‘fällt’, lat. tundere ‘stoßen, schlagen’, studēre ‘betreiben, streben, trachten’ auf mit Dental weitergebildetes ie. *(s)teud- der nur in Erweiterungen auftretenden Wurzel ie. *(s)teu- ‘stoßen, schlagen’ (s. ↗Stief-, ↗Stock, ↗Stubbe, ↗Stück). Stoß m. ‘kurzer, heftiger Anprall, ruckartige gezielte Bewegung’, ahd. (8. Jh.), mhd. stōʒ ‘Stoß, Stich, Streit’ (germ. *stauti-); auch ‘aufgeschichteter, zusammengestoßener Haufen’ (15. Jh.). Dazu die Wendung sich einen Stoß geben ‘sich ermuntern, aufraffen’ (19. Jh.), älter seinem Herzen einen Stoß geben (18. Jh.), seiner Seele einen Stoß tun (17. Jh.). Stößel m. ‘Werkzeug zum Zerkleinern und Zerstampfen’, ahd. stōʒil (Hs. 12. Jh.), mhd. stœʒel, mit dem Suffix germ. -ila- gebildete Gerätebezeichnung. abstoßen Vb. ‘durch einen Stoß entfernen, absondern, lostrennen, etw. ausscheiden, sich einer Sache oder Person entledigen, zurückweisen’, ahd. abastōʒan ‘herabstoßen, seines Amtes entheben, vertreiben, verdrängen’ (um 1000), mhd. abestōʒen ‘herabstoßen, entfernen, abladen, brechen, absegeln, von der rechten Fährte abweichen’; abstoßend Part.adj. ‘Abneigung, Widerwillen hervorrufend, ekelerregend’ (Ende 18. Jh.). anstoßen Vb. ‘an etw. stoßen, Gläser klingen lassen, Ärgernis verursachen’, ahd. anastōʒan ‘an etw. stoßen, anstürmen, anschlagen’ (9. Jh.), mhd. anestōʒen ‘in See stechen, anzünden, befallen’; Anstoß m. ‘erster, auslösender Stoß, Anprall, Ärgernis’, ahd. anastōʒ ‘Stoß, Anprall, Antrieb’ (11. Jh.), mhd. anstōʒ ‘Angriff, Anfechtung’; anstößig Adj. ‘angrenzend’ (15. Jh.), ‘Ärgernis erregend’ (16. Jh.). verstoßen Vb. ‘jmdn. von sich stoßen, abweisen, sich vergehen, zuwiderhandeln’, ahd. firstōʒan ‘vertreiben, ablehnen, Anstoß nehmen’ (9. Jh.), mhd. verstōʒen ‘stoßen, aus der Richtung bringen, vertreiben, entfernen, sich irren, verirren’; Verstoß m. ‘Verletzung einer Bestimmung, Versehen, Fehler’ (17. Jh.), älter (vereinzelt) ‘Mittel zum Verstopfen von Öffnungen’ (16. Jh.). vorstoßen Vb. ‘nach vorn stoßen’ (15. Jh.), militärisch ‘vordringen, plötzlich angreifen’ (19. Jh.), ahd. furistōʒan ‘in Bewegung setzen, nach vorn stoßen’ (11. Jh.); Vorstoß m. ‘Angriff’ (19. Jh.), älter ‘Hervortretendes’ an Kleidungsstücken, Bauwerken (17. Jh.), ‘das Nachvorngestoßene’, z. B. ‘das Wachs, womit die Bienen den Stock für den Winter verschließen’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anstößig · eindeutig-zweideutig · nicht salonfähig · ↗obszön · ↗unanständig · ↗unsittlich · ↗unzüchtig · ↗zotig  ●  ↗schmutzig  fig. · ↗dreckig  ugs., fig. · nicht stubenrein  ugs., scherzhaft, fig. · ↗priapeisch  geh., veraltet · ↗schweinisch  ugs. · ↗unkeusch  geh. · versaut  derb
Assoziationen
Synonymgruppe
Anstoß erregend · anstößig · ↗obszön · ohne jedes Schamgefühl · ↗schamlos · ↗schamverletzend · ↗schockierend
Assoziationen
Synonymgruppe
anstößig · ↗geschmacklos · ↗ordinär · ↗unanständig · ↗vulgär  ●  bathisch  geh. · ↗obszön  geh. · unter der Gürtellinie  ugs., fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bemerkung Benehmen Faktum Formulierung Inhalt Kleidung Lebenswandel Material Passage Praktik Schrift Verhalten Vokabel beleidigend besonders empfinden empfunden fragwürdig geradezu höchst irgendwie keineswegs lächerlich obszön sexuell sittlich unsittlich weniger ärgerlich äußerst

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anstößig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Für manche ist er anstößig, weil er so demonstrativ anstößig sein will.
Die Welt, 28.04.1999
Die drei anstößigen Worte, die hingekritzelt worden waren, die waren inzwischen vergessen.
Bravo, 25.08.1977
Er hatte sie wegen ihres anstößigen Inhaltes früher nicht herausbringen wollen, jetzt aber, im Rahmen eines wissenschaftlichen Unternehmens, war er dazu bereit.
Diederichs, Eugen: Aus meinem Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1927], S. 23427
Wer das Geschehen für bare Münze nimmt, mag freilich vieles widersinnig und anstößig finden.
Schuhmann, Otto: Meyers Opernbuch, Leipzig: Bibliograph. Inst. 1938 [1935], S. 67
Die Freiheit beginnt hier also durchaus nicht kühn und üppig, sie beginnt entlaufend und anstößig.
Bloch, Ernst: Das Prinzip Hoffnung Bd. 2, Berlin: Aufbau-Verl. 1955, S. 36
Zitationshilfe
„anstößig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/anstößig>, abgerufen am 24.04.2019.

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