anständig

GrammatikAdjektiv
Aussprache
Worttrennungan-stän-dig (computergeneriert)
WortzerlegungAnstand1-ig
Wortbildung mit ›anständig‹ als Erstglied: ↗Anständigkeit · ↗anständigerweise  ·  mit ›anständig‹ als Letztglied: ↗grundanständig · ↗hochanständig · ↗unanständig · ↗wohlanständig
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
gesittet, schicklich
Beispiele:
sich anständig benehmen, aufführen
ein anständiges Betragen
diese Witze sind nicht anständig (= sind anstößig, schlüpfrig)
Die Honoratiorenfrauen hielten es für anständig, für den Kuchen zu danken [HeyseII 2,71]
achtbar, ehrbar
Beispiele:
eine anständige Gesinnung
ein anständiger Mensch, Kerl
ein anständiges Mädchen
anständige Leute
sich in anständiger Gesellschaft befinden
2.
umgangssprachlich
a)
angemessen, zufriedenstellend
Beispiele:
jmdn. anständig bezahlen
anständig leben können
sein anständiges Auskommen haben
ein anständiges Honorar zahlen
ein anständiges Essen
ich habe nichts Anständiges anzuziehen, kein anständiges Stück (im Schrank)
anständig wohnen
sich anständig kleiden (können)
die Bilder sind ganz anständig geworden
die Möbel sehen noch recht anständig aus
b)
mit Hauptton im Satz
bezeichnet eine Steigerung
Beispiele:
das war eine anständige (= sehr gute) Leistung
das ist eine anständige (= große) Entfernung
das gibt eine anständige (= hohe) Rechnung
adverbiell
gehörig, sehr
Beispiele:
er ist (aber) anständig verprügelt worden
du hast dir das Knie anständig aufgeschlagen
draußen regnet es aber anständig
er ist anständig betrunken
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Anstand · anstandslos · beanstanden · anständig · unanständig
Anstand m. in verschiedenen Verwendungsweisen dem Präfixverb anstehen (s. ↗stehen) folgend. Anfangs (mhd. anstant) ‘das Anstehen-Lassen’, insbesondere ‘Aufschub der Kampfhandlungen, Waffenstillstand, Friede’, in dem allgemeinen Sinne ‘Aufschub, Einwand’ noch im 19. Jh.; dazu die Wendung (keinen) Anstand nehmen ‘(keine) Bedenken tragen’; ‘das Anstehen’, um zum Schuß zu kommen (18. Jh.), daraus ‘An-, Hochsitz’ des Jägers; ‘was wohl ansteht, der guten Sitte entsprechendes Benehmen’ (Ende 17. Jh.). anstandslos Adj. ‘ohne Einwände, ohne weiteres’ (19. Jh.). beanstanden Vb. nur vereinzelt ‘anstehen lassen, aufschieben’, sonst ‘Einwände erheben, rügen’ (19. Jh.). anständig Adj. ‘zuständig, geziemend’ (Ende 15. Jh.), ‘schicklich, höflich’ (17. Jh.); unanständig Adj. ‘anstößig’ (17. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
anständig · ↗artig · ↗brav · ↗folgsam · ↗fügsam · ↗gefügig · ↗gehorsam · konditioniert  ●  ↗fromm (Pferd)  veraltend · ↗lieb  Kindersprache
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗einwandfrei · ↗korrekt · ↗salonfähig · ↗schicklich
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗aufrecht · ↗aufrichtig · ↗ehrbar · ↗ehrlich · ↗fair · ↗geradeheraus · ↗grundanständig · ↗grundehrlich · ↗grundgut · ↗kreuzbrav · ↗lauter · ↗patent · ↗rechtschaffen · ↗redlich · ↗treu · treu und brav · ↗unverstellt · ↗veritabel · ↗wahrhaft  ●  das Herz am rechten Fleck haben  sprichwörtlich, fig. · ↗honett  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗gesittet · ↗moralisch · ↗rein · ↗sittsam · ↗standhaft · ↗tugendhaft · ↗tugendsam · ↗züchtig  ●  ↗moralinsauer  geh., abwertend · ↗moralistisch (oft abwertend)  geh. · ↗ordentlich  ugs. · ↗vernünftig  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
adäquat · ↗angemessen · anständig · ↗entsprechend · ↗gebührend · im Rahmen · nach Maß · ↗ordentlich · ↗passend · ↗stimmig
Unterbegriffe
  • vorzüglich geeignet · überaus passend  ●  bestens geeignet  geh.
Assoziationen
Sport
Synonymgruppe
anständig · ↗fair · ↗sportlich
Assoziationen
Synonymgruppe
(Mann) von Ehre · (noch) nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen · anständig · ↗ehrbar · ↗ehrenhaft · ↗makellos · nicht vorbestraft · ↗redlich · ↗unbescholten · ↗untadelig  ●  (ein) unbeschriebenes Blatt  fig. · ↗ehrsam  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
anständig · ↗jungfräulich · ↗keusch · ↗mädchenhaft · ↗rein · ↗sittsam · ↗unbefleckt (bibl.) · ↗unberührt · ↗unbescholten · ↗unschuldig · ↗unverdorben · ↗züchtig
Assoziationen
Synonymgruppe
(sich) sehen lassen können (mit) · ↗gesellschaftsfähig  ●  ↗vorzeigbar  Hauptform · anständig  ugs. · ↗präsentabel  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Arbeitsbedingung Auskommen Begräbnis Benehmen Beruf Betragen Bezahlung Bürger Deutschen Deutscher Gesinnung Kerl Köhler Leutchen Mensch aufrichtig benehmen brav ehrenhaft ehrlich einigermaßen fair fleißig halbwegs nett ordentlich sauber tapfer unanständig verhalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anständig‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Bevor man auferstehen darf, muß man erst einmal anständig beerdigt worden sein.
Der Tagesspiegel, 07.01.1999
Audi bekommt das Besondere seiner Autos denn auch noch nicht anständig bezahlt.
Süddeutsche Zeitung, 18.11.1996
So hat man am Schluß weder die Welt gesehen noch je einen anständigen Schnitt gemacht.
Späth, Gerold: Commedia, Frankfurt a. M.: S. Fischer 1980 [1980], S. 57
Und jetzt haben wir wieder ein anständiges Dach über den Kopf.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 20.04.1942, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Auch wenn er einmal betrunken war, habe er sich sehr anständig benommen.
Friedländer, Hugo: Die Ermordung der achtjährigen Lucie Berlin. In: ders., Interessante Kriminal-Prozesse, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 6429
Zitationshilfe
„anständig“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/anständig>, abgerufen am 22.04.2019.

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