anrücken

GrammatikVerb · rückt an, rückte an, ist/hat angerückt
Aussprache
Worttrennungan-rü-cken (computergeneriert)
Wortzerlegungan-1rücken
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
mit Hilfsverb ›ist‹
Militär anmarschieren
Gegenwort zu abrücken
Beispiele:
die Soldaten sind (in einer Stärke von 1000 Mann) angerückt
das anrückende Militär
salopp, übertragen kommen
Beispiel:
Wenn wir zu dritt anrücken, kriegen sie einen Schreck [BrechtCourage9]
im Part. Prät.
angerückt kommen
Beispiel:
er kam mit Sack und Pack, mit Kind und Kegel angerückt
2.
mit Hilfsverb ›hat‹
landschaftlich anrucken
Beispiel:
Der Zug rückte an [RemarqueZeit zu leben75]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

rücken · abrücken · anrücken · ausrücken · einrücken · entrücken · entrückt · verrücken · verrückt · vorrücken · berücken
rücken Vb. ‘sich vorwärts bewegen, zu einem bestimmten Ort aufbrechen, (weg)marschieren, (mit einem Ruck, ruckweise) an einen anderen Platz schieben, in eine andere Lage bringen, von der Stelle bewegen’, ahd. rucken (9. Jh.; vgl. irrucken ‘unterstützen, aufrichten’, 8. Jh.), mhd. rücken (obd. rucken) ‘sich fortbewegen, etw. schnell bewegen’, mnd. mnl. rucken, nl. rukken, anord. rykkja, schwed. rycka, dän. rykke (germ. *rukkjan). Herkunft nicht geklärt. Verwandt sind sicher mhd. nl. (holl.) rocken ‘rücken’, aengl. roccian, engl. to rock ‘wiegen, schaukeln’ (s. ↗Rock and Roll), anord. rugga ‘schütteln, schaukeln, wiegen’, schwed. (mundartlich) rugga ‘schaukeln’. Sieht man in den Formen geminierte schwundstufige Bildungen, kann ein Zusammenhang mit ↗Rahe und ↗regen (s. d.) angenommen werden. abrücken Vb. ‘wegrücken, -schieben, aufbrechen, sich entfernen, abmarschieren, sich distanzieren’, mhd. aberücken ‘wegziehen, entfernen’. anrücken Vb. ‘aneinanderschieben, sich nähern, anmarschieren’ (15. Jh.). ausrücken Vb. ‘aus-, hinausmarschieren, davonlaufen, ausreißen’, mhd. ūʒrücken ‘herausziehen’. einrücken Vb. ‘einsetzen, einmarschieren, den Militärdienst beginnen, dazu eingezogen werden’, mhd. īnrucken ‘hineinschieben’. entrücken Vb. ‘wegnehmen, entfernen, versetzen’ (an einen anderen Ort, in Ekstase, in eine andere Welt), mhd. entrücken; entrückt Part.adj. ‘abgelegen, fern, geistig abwesend, weltverloren’ (13. Jh.). verrücken Vb. ‘wegrücken, an einen anderen Platz schieben, verschieben’, ahd. firrucken (um 1000), mhd. verrücken, verrucken; verrückt Part.adj. ‘nicht bei Verstand, geistesgestört, irre, unsinnig’, eigentlich ‘an eine andere, eine falsche Stelle gebracht’ (16. Jh.), zumal in Fügungen wie verrückt im Kopf, im Hirn ‘töricht, närrisch’ (17. Jh.), aus denen sich rasch absoluter Gebrauch im oben genannten Sinne entwickelt. vorrücken Vb. ‘(weiter) nach vorn, vorwärts rücken, vorwärts marschieren, auf dem Vormarsch sein’, ahd. furirucken (um 1000), mhd. vorrücken ‘vorbeiziehen, -gehen’. berücken Vb. ‘bezaubern, entzücken, betören, verlocken’, ursprünglich ein Ausdruck des Vogel- und Fischfangs mit der Bedeutung ‘listig, täuschend fangen’, eigentlich ‘ein Netz über das Tier rücken, das man fangen will’, von Luther (1. Hälfte 16. Jh.) in die Literatursprache eingeführt. Im Frühnhd. und vor allem in der Barockzeit (17./18. Jh.) wird berücken oft bildlich mit dem Aspekt des Betrugs und der Liebeslist verwendet. Im 18. Jh. geht das Gefühl für die ursprüngliche Bedeutung verloren, und berücken steht gleichbed. neben bezaubern.

Thesaurus

Synonymgruppe
(in den Bahnhof) einlaufen · ↗(sich) einfinden · ↗(sich) einstellen · ↗ankommen · ↗einlangen · ↗einlaufen (Schiff) · ↗eintreffen · ↗erscheinen · ↗kommen  ●  ↗(irgendwo) einschweben  ugs., ironisch, fig. · (sich) blicken lassen (bei)  ugs. · andackeln  ugs. · angeschoben kommen  ugs., salopp, variabel · anmarschiert kommen  ugs. · anrücken  ugs. · ↗antanzen  ugs. · ↗anwackeln  ugs. · ↗aufkreuzen  ugs. · ↗aufschlagen  ugs., fig. · im Anflug sein  ugs., fig. · im Anmarsch sein  ugs., fig. · um die Ecke kommen  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abrissbagger Abrißbirne Bagger Bauarbeiter Baumaschine Bautrupp Bulldozer Drehleiter Einsatzkraft Feuerwehr Feuerwehrleute Feuerwehrmann Großaufgebot Handwerker Hundertschaft Kran Löschzug Notarzt Planierraupe Polizei Rettungswagen SEK Sondereinsatzkommando Spezialeinsatzkommando Sprengmeister Sprengstoffexperte Streifenwagen Verstärkung Wasserwerfer rücken

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›anrücken‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Um 12 Uhr rücken die anderen an, es wird geprobt bis um halb drei.
Der Tagesspiegel, 09.12.2000
Denn um sie zu verteidigen, hätten jedesmal Tausende von Beamten anrücken müssen.
Die Zeit, 26.11.1998, Nr. 49
Überrascht rückte er von ihr ab und sah sie an.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 136
Da sind auch wieder alle Mann angerückt, rein und wieder duschen bis mittags.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 225
Man hatte also, ehe sie anrücken konnten, Zeit, die Front künstlich zu sichern.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Vierter Teil: Neuzeit, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 3562
Zitationshilfe
„anrücken“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/anrücken>, abgerufen am 19.10.2019.

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