angestammt

Grammatikpartizipiales Adjektiv
Aussprache
Worttrennungan-ge-stammt
eWDG, 1967

Bedeutung

ererbt, von den Vorfahren überkommen
Beispiele:
ein angestammtes Recht
die angestammte Macht
scherzhaft das ist mein angestammter (= altgewohnter) Platz
Griechen oder Römer ihrem angestammten Glauben ... abspenstig zu machen [Feuchtw.Söhne92]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stamm · stammen · abstammen · Abstammung · angestammt · stämmig · Stammbaum · Stammbuch · Stammhalter · Stammvater
Stamm m. senkrecht gewachsener Teil eines Baumes, von dem die Äste abgehen, übertragen ‘Geschlecht, durch gesellschaftliche, sprachliche und kulturelle Gemeinsamkeiten verbundene Menschengruppe, Sippenverband’, ahd. stam (um 800; vgl. auch liutstam ‘Volksstamm, Leute’, 8. Jh.), mhd. stam (Genitiv stammes) ‘(Baum)stamm, Geschlecht, Abstammung’, mnd. stam(me), mnl. nl. stam führen auf germ. *stamna- (vgl. dazu das unter ↗Steven, s. d., behandelte Substantiv), während aengl. stemn, stefn, engl. stem germ. *stemni- voraussetzt. Dies läßt sich wie griech. stámnos (στάμνος) ‘großer Krug’, eigentlich ‘stehendes Gefäß’, air. tamun ‘Baumstamm’, toch. A ṣtām ‘Baum’ mit m-Formans von der unter ↗stehen (s. d.) genannten Wurzel ie. *stā-, *stə- ‘stehen, stellen’ herleiten. Als Ausgangsbedeutung ist ‘Ständer’ anzunehmen. Die übertragene Bedeutung ‘Teil eines Volkes, Volksstamm, Geschlecht, Familie’ (vgl. oben ahd. liutstam) folgt dem Bild des sich nach allen Seiten ausbreitenden Baumes, dessen Äste aus einem gemeinsamen Stamm wachsen. Von einer ähnlichen Vorstellung ausgehend (in der Sprachwissenschaft) ‘einer Ableitung, einer Wortfamilie zugrundeliegendes Wort’ (17. Jh.), dann ‘bedeutungstragender Teil eines Wortes’ ohne wort- und formbildende Elemente, (in der Wirtschaft) ‘Grundstock, Kapital’ im Unterschied zu den Zinsen (18. Jh.), ‘fester Bestand an Personen, Mitarbeitern, Kunden, Mitgliedern’ (19. Jh.). stammen Vb. ‘seinen Ursprung haben’, mhd. stammen; dafür auch abstammen Vb. (17. Jh.); Abstammung f. ‘Herkunft, Ursprung’ (Ende 17. Jh.). angestammt Part.adj. ‘ererbt, überkommen, althergebracht’ (16. Jh., geläufig seit dem 18. Jh.). stämmig Adj. ‘(wie ein Baumstamm) kräftig, fest’ (17. Jh.). Stammbaum m. ‘(wie ein Baum mit Geäst dargestelltes) Geschlechtsregister mit dem ältesten Vorfahren als Stamm’ (17. Jh.), vgl. lat. arbor generātiōnis. Stammbuch n. ‘Register, Buch, in das die Mitglieder einer Familie, eines Geschlechts eingetragen werden’ (16. Jh.), dann ‘Buch, in das sich Freunde und Bekannte mit einem Denkspruch eintragen’ (17. Jh.). Stammhalter m. ‘männlicher Nachkomme, der das Geschlecht erhalten soll’ (17. Jh.). Stammvater m. ‘Begründer eines Geschlechts’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
angestammt · ↗eingesessen
Synonymgruppe
altehrwürdig · ↗althergebracht · ↗altüberliefert · angestammt · ↗gebräuchlich · ↗gewöhnlich · ↗hergebracht · ↗herkömmlich · ↗klassisch · ↗konventionell · ↗ordinär · tradiert · ↗traditionell · überliefert  ●  ↗überkommen  geh.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absatzgebiet Arbeitsgebiet Betätigungsfeld Brutplatz Brutrevier Domizil Domäne Fürstenhaus Geschäftsfeld Geschäftsgebiet Habitat Heimat Herrscherhaus Klientel Kundschaft Lebensraum Liegeplatz Metier Milieu Platz Quartier Revier Scholle Sendeplatz Siedlungsgebiet Terrain Tätigkeitsbereich Versorgungsgebiet Winterquartier Wohnbevölkerung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›angestammt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Nun soll das legendäre Lokal an seinen angestammten Platz zurückkehren.
Bild, 28.01.2006
Doch die Stärken der jeweiligen Systeme liegen in ihren angestammten Gebieten.
C't, 1998, Nr. 19
Er sagte, daß wir landen werden, weil das unser historisches Recht ist, in unserer angestammten Heimat zu landen.
Hilsenrath, Edgar: Der Nazi & der Friseur, Köln: Literar. Verl. Braun 1977, S. 259
Die normannischen Könige beließen aber ihren muslimischen Untertanen den angestammten Glauben.
Grunebaum, Gustav Edmund von: Der Islam. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1963], S. 21670
In diesem praktischen Rechtsbuch sollen die zivilrechtlichen "Nebengesetze" nun wieder ihren angestammten Platz erhalten.
Zimmermann, Theo: Der praktische Rechtsberater, Gütersloh: Bertelsmann [1968] [1957], S. 12
Zitationshilfe
„angestammt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/angestammt>, abgerufen am 25.04.2019.

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