abtun

GrammatikVerb · tat ab, hat abgetan
Aussprache
Worttrennungab-tun
Wortzerlegungab-tun
Wortbildung mit ›abtun‹ als Grundform: ↗abgetan
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
umgangssprachlich etw. ablegen
Gegenwort zu antun
Beispiele:
die Maske, den Ring abtun
Kleidungsstücke, ein Tuch abtun
obwohl es sehr schwer war für sie, den Mantel abzutun [RilkeBrigge5,247]
etw. weglegen
Beispiel:
mögen jene ... das letzte gezüchtete Saatkorn und die letzte Münze von sich abtun [RathenauKommende Dinge30]
übertragen
Beispiel:
Wir alle möchten / Abtun alle Begierde [BrechtGedichte126]
veraltet sich abtunsich entledigen
Beispiele:
daß ich ... mich selbst / Des Namens abtun will [HebbelGenovevaV 6]
so werd ich dir die Wege weisen, dich ihrer [des Weibes] ... abzutun [Storm6,127]
2.
etw. mit Geringschätzung erledigen
Beispiel:
einen Einwand, Vorwurf mit einem Scherz, einer Handbewegung, einem Achselzucken, mit ein paar Worten, kurz, schnell, obenhin, kühl abtun
jmdn. mit Geringschätzung übergehen
Beispiele:
Er tat ihn mit diesem Lächeln viel gründlicher ab [Feuchtw.Lautensack112]
Geschöpfe, die der kleine Flip mit gut gespieltem Hochmut abtat [I. SeidelTor437]
3.
landschaftlich, umgangssprachlich ein Tier töten
Beispiel:
seit wir es [das Rößchen] abtun mußten [HesseNarziß5,272]
jmdn. morden
Beispiel:
während eine verbrecherische ... Hand unsern armen Jean-Jacques abtat [Feuchtw.Narrenweisheit145]
4.
veraltet etw. ins Reine bringen, erledigen
Beispiele:
etw. gütlich abtun
Mag sie's mit Gott abtun [SchillerStuartI 1]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

tun · tunlich · betulich · Tunichtgut · abtun · antun · umtun · vertun · zutun · Zutat
tun Vb. ‘eine Tätigkeit verrichten’, reflexiv (unpersönlich) ‘sich ereignen’. Das Verb (mit ehemals reduplizierenden Präteritalformen) ahd. (8. Jh.), mhd. tuon, asächs. mnd. dōn, mnl. nl. doen, aengl. dōn, engl. to do ‘tun’ setzt westgerm. *dō- voraus, eine wohl ablautende Form der Wurzel ie. *dhē- ‘setzen, stellen, legen’. Als Verwandte sind vergleichbar aind. dádhāti ‘setzt, stellt hin, legt’, griech. tithénai (τιθέναι) ‘stellen, setzen, legen’, lat. abdere ‘weggeben, -tun, entfernen, verbergen, verstecken’, addere ‘hinzutun, -fügen, vermehren’, condere ‘gründen, einlegen, bergen, bedecken’, facere (Perf. fēcī) ‘tun, machen’, air. dorat ‘hat gegeben’, lit. dė́ti ‘setzen, stellen, legen, hineintun, säen, pflanzen’, aslaw. děti ‘legen, setzen, stellen’, dějati ‘tun, verrichten’, russ. det’ (деть) ‘hinlegen, verbrauchen’. S. auch ↗Tat (mit anord. dāð und got. -dēþs, die Reflexe des im Nordgerm. und Ostgerm. nicht belegten Verbs zeigen) und ↗-tum. tunlich Adj. ‘zum Tun geeignet, ratsam, sinnvoll, zweckmäßig, möglich’ (16. Jh.). betulich Adj. ‘rührig, besorgt, zutraulich, beschaulich’ (18. Jh.), zu heute veraltetem betun ‘sich geschäftig zeigen, sich abgeben’, ahd. bituon ‘verschließen, zumachen, behandeln’ (8. Jh.), mhd. betuon ‘be-, einschließen’. Tunichtgut m. ‘wer öfters Unfug treibt, Taugenichts’ (17. Jh.), imperativischer Satzname; vgl. Thukeingut (1586), Thunichts (Stieler 1691). abtun Vb. ‘ablegen, mit Geringschätzung erledigen, ins reine bringen’, mhd. abetuon ‘entfernen, abschaffen, abstellen’, ahd. (zweifelhaft) abatuon ‘entfernen’ (9. Jh.). antun Vb. ‘anziehen, jmdm., sich etw. zufügen, bereiten, erweisen’, ahd. anatuon ‘anziehen, auflegen, aufsetzen, (Böses) zufügen’ (8. Jh.), mhd. anetuon ‘anlegen’, reflexiv ‘sich ankleiden’. umtun Vb. ‘umhängen, umlegen’, reflexiv ‘sich umsehen, sich erkundigen, sich bemühen’ (16. Jh.), mhd. umbetuon ‘herumbringen, von seiner Ansicht abbringen, überwinden’. vertun Vb. ‘verschwenden, vergeuden, ohne rechten Sinn verbrauchen, nutzlos zubringen’, reflexiv ‘sich irren’, ahd. firtuon ‘freveln’, reflexiv ‘sich vergreifen an’ (9. Jh.; vgl. ahd. firtān Part.adj. ‘schlecht, böse’, 8. Jh.), mhd. vertuon ‘aufbrauchen, verzehren, vergeblich tun’, reflexiv ‘sich versammeln, verschwenderisch leben, sich durch Handeln verfehlen’. zutun Vb. ‘hinzufügen, zusetzen, hinzulegen, schließen’, ahd. (8. Jh.), mhd. zuotuon; Zutat f. ‘zur Herstellung einer bestimmten Sache notwendiger oder wünschenswerter Bestandteil, Beigabe, Ergänzung’ (18. Jh.), zuvor ‘zweckvolles Tun’ (16. Jh.); vgl. mnd. tōdāt ‘Hinzufügung, Hilfe’.

Thesaurus

Synonymgruppe
abtun · für unwichtig erachten · keine Bedeutung beimessen · nicht eingehen auf
Assoziationen
  • (sich) nicht kümmern um · (sich) taub stellen · achtlos vorbeigehen an · ↗ausblenden · außen vor lassen · außer Acht lassen · außer Betracht lassen · nicht beachten · nicht berücksichtigen · nicht in Betracht ziehen · nicht in seine Überlegungen einbeziehen · nichts hören wollen (von) · nichts wissen wollen (von) · unberücksichtigt lassen  ●  (sich) nicht scheren um  veraltend · etwas an sich abperlen lassen  sprichwörtlich · ↗ignorieren  Hauptform · (sich) nicht kehren an (Dat.)  geh., fig. · auf d(ies)em Ohr ist er taub  ugs., fig., Spruch · ↗beiseite lassen  ugs. · einfach nicht zuhören  ugs. · in den Wind schießen  ugs. · in den Wind schlagen  ugs. · links liegen lassen  ugs.
  • (Probleme) zu verdrängen versuchen · (sich einem Problem) nicht stellen · ↗fortsehen · ↗ignorieren · nicht wahrhaben wollen  ●  (den) Kopf in den Sand stecken  fig. · die Augen verschließen (vor)  fig. · ↗wegschauen  fig. · ↗wegsehen  fig. · ↗weggucken  ugs. · ↗wegkucken  ugs., regional
  • (sich) nicht kümmern (um) · links liegen lassen · nicht berücksichtigen · sträflich vernachlässigen · ↗vernachlässigen  ●  stiefmütterlich behandeln  ugs.
  • (eine) abfällige Geste (machen) · (eine) wegwerfende Handbewegung (machen)
  • gering achten · ↗geringschätzen · geringschätzig behandeln · ↗herabblicken (auf) · herabschauen (auf) · ↗herabsehen (auf) · ↗hinunterblicken (auf) · ↗hinunterschauen (auf) · nichts halten von · ↗verachten · von oben herab behandeln · wenig halten von  ●  in den Staub treten  fig. · mit Füßen treten  fig. · (die) Anerkennung verweigern  geh.
Antonyme
  • abtun

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Viele hatten die GUS bereits als künstliche - also kurzlebige - Übergangsform abgetan.
Der Tagesspiegel, 30.11.2001
Es sei nicht damit getan, diesen Begriff als albern abzutun.
Süddeutsche Zeitung, 07.11.2000
Dahinter hatte er seine letzten Jahre abtun wollen, vor allem geborgen, ja, ja.
Schaper, Edzard: Der Henker, Zürich: Artemis 1978 [1940], S. 202
Mit einem »unmöglich« darf man also eine solche Verschiebung auf keinen Fall abtun.
Delbrück, Hans: Geschichte der Kriegskunst im Rahmen der politischen Geschichte - Erster Teil: Das Altertum, Berlin: Directmedia Publ. 2002 [1920], S. 188
Und abgetan darf sie schon gar nicht sein - sondern künftiger Verwirklichung vorbehalten.
Suttner, Bertha von: Autobiographie. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1909], S. 8989
Zitationshilfe
„abtun“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/abtun>, abgerufen am 27.06.2019.

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