abstreiten

GrammatikVerb · streitet ab, stritt ab, hat abgestritten
Aussprache
Worttrennungab-strei-ten (computergeneriert)
Wortzerlegungab-streiten
Wortbildung mit ›abstreiten‹ als Erstglied: ↗abstreitbar
eWDG, 1967

Bedeutung

etw. bestreiten
a)
etw. leugnen, in Abrede stellen
Beispiele:
eine Tat, ein Verbrechen abstreiten
diese Tatsache lässt sich nicht abstreiten
er hat vor Gericht alles abgestritten
b)
jmdm. etw. streitig machen, nicht anerkennen
Beispiele:
jmdm. ein Recht abstreiten
daß ihr ganzes Vermögen plötzlich ihr angetastet und abgestritten wurde [G. Keller6,268]
dann werden wir ihr die Würdigkeit abstreiten, ihr Kind zu erziehen [Feuchtw.Söhne250]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streiten · abstreiten · bestreiten · umstritten · Streit · Streitaxt · Streitwagen · Streitmacht · Streitfall · Streitschrift · Streithammel · streitbar · streitig · strittig · Streitigkeit
streiten Vb. ‘sich mit Worten auseinandersetzen, kämpfen’. Das starke Verb ahd. strītan ‘sich im Meinungsstreit auseinandersetzen, einen Rechtsstreit führen, zanken, bewaffnet kämpfen’, (selten) ‘wetteifern’ (8. Jh.), mhd. strīten, vor allem ‘bewaffnet kämpfen’, auch ‘streben, trachten’, mnd. (stark und schwach) strīden ‘streiten’, (schwach) ‘große Schritte machen’, mnl. strīden, nl. strijden ‘streiten’, aengl. strīdan ‘schreiten, spreizen’, engl. to stride ‘schreiten, große Schritte machen’, schwed. (stark und schwach) strida ‘kämpfen, streiten’ hat neben sich das schwache Verb asächs. strīdian ‘streiten, bestreiten’, anord. strīða ‘plagen, Schaden zufügen’ sowie das unten dargestellte Substantiv Streit und anord. strīðr ‘hart, stark, hartnäckig, widerspenstig’, (mit anderer Ablautstufe) streitask ‘sich anstrengen, kämpfen’, strita ‘angestrengt ziehen, sich plagen’. Außergerm. Vergleichsmöglichkeiten fehlen. Ausgehend von einer Bedeutung ‘sich starrsinnig, widerspenstig, hartnäckig verhalten’, läßt sich ie. *strē̌idh- ansetzen, Dentalerweiterung der Wurzel ie. *(s)ter(ə)-, *(s)trē- ‘starr, steif sein’ (s. ↗starren). Die Verwendung im Sinne von ‘schreiten, große Schritte machen’ entwickelt sich vielleicht unter Einfluß von ↗schreiten (s. d.; vgl. Seebold 476). abstreiten Vb. ‘im (Rechts)streit, im Kampf abgewinnen, streitig machen, hartnäckig absprechen, aberkennen’, seit dem 18. Jh. vor allem ‘in Abrede stellen, leugnen’, mhd. abestrīten ‘im (Rechts)streit, Kampf abgewinnen’. bestreiten Vb. ‘(eine Meinung, eine Behauptung) anfechten, angreifen’, mhd. bestrīten ‘bekämpfen’; seit dem 17. Jh. ‘die Kosten, den Aufwand tragen’, entwickelt aus ‘einer Sache gewachsen sein, sie bewältigen’. umstritten Part.adj. ‘dem Streit der Ansprüche, der Meinungen unterliegend, umkämpft, zweifelhaft’ (19. Jh.). Streit m. ‘Meinungs-, Rechtsauseinandersetzung, Hader, Zerwürfnis innerhalb einer Gemeinschaft’, ahd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (über Meinungen oder rechtliche Dinge), Konflikt, Hader, tätlicher Kampf, Wettkampf, Empörung, Aufruhr’ (8. Jh.), mhd. mnd. strīt ‘Auseinandersetzung mit Worten (vor Gericht) oder mit Waffen, innerer Kampf, Widerstand, Streitmacht, Heeresabteilung, Schlachtordnung, Rache, Streben’, asächs. strīd ‘Streit, Eifer’, mnl. strijt, nl. strijd, anord. strīð, schwed. strid. In den oben angegebenen Bedeutungen ist Streit vor allem seit dem 19. Jh. gebräuchlich, nachdem älterer Gebrauch im Sinne von ‘Auseinandersetzung mit Waffen, Waffengang’ gegen Ende des 18. Jhs. von Kampf übernommen wird. Den alten Sinn bewahren Streitaxt f. ‘als Hieb- oder Wurfwaffe verwendete Axt’, spätmhd. (omd.) strīthax (um 1400); redensartlich die Streitaxt begraben ‘Frieden schließen’ (19. Jh.); Streitwagen m. ‘mit Kriegern besetzter Kampfwagen’ (15. Jh.) und Streitmacht f. ‘Kampfkraft eines bewaffneten Verbandes, kampfbereite Truppe’ (18. Jh.). Streitfall m. ‘Konflikt’ (rechtssprachlich, 19. Jh.). Streitschrift f. ‘polemische Abhandlung über religiöse, politische, wissenschaftliche Fragen’ (17. Jh.). Streithammel m. ‘zänkischer Mensch’ (um 1800). streitbar Adj. ‘kriegerisch, zu Polemik und Auseinandersetzung neigend’, mhd. strītbære ‘streithaft, zum Kampf dienlich oder gerüstet’. streitig Adj. ‘uneins, umstritten’, ahd. strītīg (um 1000), mhd. strītec, strītic ‘streithaft, kampflustig, streitsüchtig, rechthaberisch, ungestüm, ungehorsam, eifrig, strebend’; jmdm. etw. streitig machen ‘anfechten’ (16. Jh.). strittig Adj. ‘umstritten, uneins, streitsüchtig’ (15. Jh.). Streitigkeit f. ‘Konflikt, Uneinigkeit, Zank’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(in aller Schärfe) zurückweisen (Verstärkung) · (sich) verwahren (gegen) · Einspruch erheben · ↗ableugnen · ↗anfechten · ↗bestreiten · ↗dementieren · für nicht zutreffend erklären · in Abrede stellen · ↗leugnen · nicht wahrhaben wollen · ↗verneinen · ↗verweigern · von der Hand weisen · von sich weisen · ↗widersprechen  ●  abstreiten  Hauptform · nicht gesagt haben wollen  variabel · (sich) distanzieren (von)  geh. · in das Reich der Fabel verweisen  geh.
Assoziationen
Antonyme
  • abstreiten  Hauptform
Synonymgruppe
abstreiten · ins Gegenteil verkehren · ↗leugnen · ↗negieren · ↗verneinen
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Angeklagte Anschuldigung Beschuldigte Beschuldigung Beteiligung Doping Fehlverhalten Gaskammer Mitschuld Mitverantwortung Prozessbeginn Schuld Tat Tatbeteiligung Tatvorwurf Tötungsabsicht Urheberschaft Vaterschaft Verdächtige Vernehmung Verwicklung Vorwurf beharrlich energisch entschieden kategorisch rundheraus rundweg streiten vehement

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstreiten‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich sprach ihn darauf an, doch er wurde nur wütend, stritt alles ab.
Bild, 05.03.2004
Natürlich lag die Schuld bei ihm, er versuchte gar nicht erst, das abzustreiten.
Düffel, John von: Houwelandt, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2004, S. 201
Ich will nicht abstreiten, dass sie alle ihren Part gespielt haben.
Der Tagesspiegel, 08.11.1999
Sie werden es doch nicht abstreiten, Sie geben es doch zu?
o. A.: Einhundertsechsundsechzigster Tag. Freitag, 28. Juni 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 11959
Diese Kunst wenigstens werden meine Kritiker mir nicht abstreiten können.
Sudermann, Hermann: Das Bilderbuch meiner Jugend. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1922], S. 920
Zitationshilfe
„abstreiten“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/abstreiten>, abgerufen am 24.10.2019.

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