abstreichen

GrammatikVerb · streicht ab, strich ab, hat/ist abgestrichen
Aussprache
Worttrennungab-strei-chen · abst-rei-chen (computergeneriert)
Wortzerlegungab-streichen
Wortbildung mit ›abstreichen‹ als Erstglied: ↗Abstreicher  ·  mit ›abstreichen‹ als Grundform: ↗Abstrich
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
etw. Störendes wegstreichen, herunterstreichen, entfernen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
den Schmutz von den Sohlen (am Abstreicher) abstreichen
den Schaum vom Bierglas, die Asche von der Zigarre abstreichen
2.
etw. (durch Wegstreichen) säubern
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiele:
bitte die Füße abstreichen! (= abtreten!)
das Messer am Brot abstreichen
das Rasiermesser am Riemen abstreichen (= abziehen)
Jemand strich sich [Dativ] draußen die Schuhe ab [RennKrieg ohne Schlacht13]
Schudy […] strich mit der Faust seinen Mund ab (= wischte ihn ab) [MarchwitzaJugend14]
3.
etw. abziehen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
von einer Forderung 100 Euro abstreichen
übertragen
Beispiel:
man muss die Hälfte abstreichen (= man kann nur die Hälfte glauben)
4.
etw. mit dem Scheinwerfer absuchen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘hat’
Beispiel:
ein Gelände, den Himmel abstreichen
5.
Jägersprache wegfliegen
Grammatik: mit Hilfsverb ‘ist’
Gegenwort zu anstreichen
Beispiel:
der Auerhahn streicht ab
übertragen
Beispiel:
Die Mordgesellen aber strichen ab [G. Hauptm.Winterballade3]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

streichen · Streicher · Streichholz · abstreichen · Abstrich · anstreichen · Anstreicher · Anstrich · verstreichen
streichen Vb. ‘sich fortbewegen, gehen, (mit der Hand) etw. streifend berühren, über etw. hinstreifen, (be)schmieren, durch streichende Bewegung entfernen, einen Strich ziehen’, ahd. strīhhan (8. Jh.), mhd. strīchen ‘Striche machen, streichend bewegen, glätten, bestreichen, schärfen, streichend berühren, schlagen, sich rasch bewegen, herumstreifen’, mnd. mnl. strīken, nl. strijken, afries. strīka, aengl. strīcan, engl. to strike (germ. *strīkan), daneben anord. strӯkja, strӯkva (germ. *streukan) sowie (ablautend) schwach flektierendes ahd. streihhōn ‘streicheln’ (um 1000), mhd. streichen (s. ↗streicheln) führen mit dem zugehörigen, unter ↗Strich (s. d.) behandelten Abstraktum und lat. (mit n-Infix) stringere ‘schnüren, zusammenbinden, (ab)streifen’, striga ‘Strich, Schwaden, Zeltreihe, Längsfurche’, strigilis ‘Schabeisen’, aslaw. strišti, russ. strič’ (стричь) ‘scheren’ auf ie. *streig-, eine durch Guttural erweiterte Form der Wurzel ie. *ster- ‘Streifen, Strich, Strähne, Strahl’, in Erweiterungen auch ‘über etw. hinwegstreifen, -streichen’, wohl eine semantische Variante der unter ↗streuen (s. d.) angegebenen Wurzel ie. *ster(ə)- ‘ausbreiten, (aus)streuen’. Streicher m. ‘Landstreicher, Vagabund’ (16. Jh.; s. ↗Landstreicher), ‘Maler’ (17. Jh.; s. unten Anstreicher), ‘Spieler eines Streichinstruments’ (1. Hälfte 20. Jh.), mhd. strīcher als Bezeichnung für unterschiedliche Handwerker. Streichholz n. ‘Zündholz’ (19. Jh.), älter Bezeichnung für unterschiedliche Geräte, z. B. zum Abstreichen gefüllter Gefäße (15. Jh.). abstreichen Vb. ‘durch streichende Bewegung entfernen, sich entfernen, herumstreifen, beschmieren, streichend berühren, durch einen Strich tilgen’, mhd. abestrīchen ‘beseitigen, abwischen, forteilen’; Abstrich m. ‘Abzug’ (17. Jh.), ‘abwärtsgehender Schriftstrich’ (19. Jh.), in der Medizin ‘Entnahme von Haut, Schleimhaut’ zu Untersuchungen (19. Jh.), mhd. abestrich ‘Tilgung’. anstreichen Vb. ‘mit Farbe bedecken, mit einem Strich versehen, bezeichnen’, mhd. anestrīchen ‘bedecken, beschmieren (mit Salbe), sich putzen’; Anstreicher m. ‘Maler, Tüncher’ (18. Jh.), bei Kepler für Tangente im Sinne von ‘Berührer, berührende Linie’ (17. Jh.); Anstrich m. ‘aufgemalte Farbe, Tünche, Salbe’ (16. Jh.), mhd. anstrich ‘auf den Geigenbogen gestrichenes Harz, Kolophonium’. verstreichen Vb. ‘verschmieren, breitstreichen, durch Streichen aufbrauchen, vergehen (von der Zeit)’, ahd. firstrīhhan ‘tilgen’ (8. Jh.), mhd. verstrīchen ‘ver-, überstreichen, verschmieren, ausstreichen, sich bewegen, sich schnell oder heimlich davonmachen, vergehen’.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Pinsel streichen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abstreichen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich muss aufpassen, wie oft jemand fährt, und das auf dem Ticket abstreichen.
Süddeutsche Zeitung, 07.02.2003
Fast Tag für Tag mußte an den ursprünglichen Berechnungen über das noch vorhandene Vermögen der Ufa eine Million oder mehr abgestrichen werden.
Kriegk, Otto: Der deutsche Film im Spiegel der Ufa, Berlin: Ufa-Buchverl. 1943, S. 110
Ein paar Tage dauerte es, bis alle Listen abgestrichen waren.
Bild, 25.01.1999
Da er sich tief im Urwald verbirgt und bei der geringsten Störung abstreicht, ist die Jagd sehr schwierig.
Hagenbeck, John u. Ottmann, Victor: Südasiatische Fahrten und Abenteuer, Dresden: Deutsche Buchwerkstätten 1924 [1924], S. 191
Erich Bornhaak begnügte sich, ihm der Form halber ein paar Posten abzustreichen.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 904
Zitationshilfe
„abstreichen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/abstreichen>, abgerufen am 14.11.2019.

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