abschreiben

GrammatikVerb · schreibt ab, schrieb ab, hat abgeschrieben
Aussprache
Worttrennungab-schrei-ben (computergeneriert)
Wortzerlegungab-schreiben
Wortbildung mit ›abschreiben‹ als Erstglied: ↗Abschreiber  ·  mit ›abschreiben‹ als Grundform: ↗Abschrift
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
eine Abschrift von etw. anfertigen
a)
etw. übertragen, kopieren
Beispiel:
alte Handschriften, Noten abschreiben
etw. ins Reine schreiben
Beispiele:
einen Text sauber abschreiben
er muss den Aufsatz noch einmal abschreiben
b)
etw. (von jmdm.) unerlaubt übertragen, entlehnen
Beispiele:
der Schüler hatte seine Hausaufgabe (vom Nachbarn) abgeschrieben
etw. wörtlich abschreiben
c)
veraltet, übertragen etw. nachbilden, abmalen
Beispiel:
Kann denn das bloße genaue Abschreiben der Natur jemals dahin führen [E. T. A. Hoffm.2,496]
2.
Kaufmannssprache
a)
etw. streichen, im Buch absetzen
Beispiel:
einen Betrag, eine Summe abschreiben
bildlich
Beispiel:
umgangssprachlich den, das habe ich (schon längst) abgeschrieben (= aufgegeben, als verloren betrachtet)
b)
den Anschaffungswert in der Bilanz herabsetzen
Beispiel:
eine Maschine abschreiben
3.
jmdm. schriftlich absagen
Gegenwort zu zuschreiben
Beispiel:
da ich verhindert war, musste ich (ihm) leider abschreiben
4.
etw., sich durch Schreiben abnutzen
Beispiele:
den Bleistift, die Spitze abschreiben
die Feder, der Bleistift ist abgeschrieben
die Feder schreibt sich rasch ab
salopp sich [Dativ] die Finger abschreiben (= durch vieles Schreiben ermüden)
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

schreiben · Schreiben · Schrieb · Schreiber · abschreiben · Abschrift · anschreiben · Anschreiben · Anschrift · ausschreiben · beschreiben · Beschreibung · einschreiben · Einschreiben · verschreiben · vorschreiben · Vorschrift · zuschreiben · Zuschrift
schreiben Vb. ‘Buchstaben, Worte, Zahlen, Zeichen, Noten hervorbringen’, ahd. scrīban (8. Jh.), mhd. schrīben ‘(auf)schreiben, verzeichnen, beschreiben, anordnen, verordnen, nennen, schildern, malen’, asächs. skrīƀan, mnd. schrīven, mnl. scrīven, nl. schrijven, aengl. scrīfan ‘anordnen, bestimmen, Beichte hören, Strafe auferlegen’, engl. to shrive ‘beichten, die Beichte abnehmen’, aschwed. skrīva ‘schreiben’, schwed. skriva sind Entlehnungen aus lat. scrībere ‘mit einem spitzen Griffel eingraben, einzeichnen, schreiben, (schriftlich) auftragen, anordnen, befehlen, ernennen, festsetzen, (Soldaten) anwerben, ausheben’, die im Germ. starke (nur aschwed. mitunter auch schwache) Flexion annehmen. Der Übergang ins Germ. macht zwei Entlehnungsvorgänge wahrscheinlich, und zwar einen früheren im Sinne von ‘anordnen, bestimmen’ (s. oben aengl. scrīfan und vgl. asächs. biskrīƀan ‘sich kümmern, sich zurückhalten’) und einen späteren im Sinne von ‘(lateinische Schriftzeichen) schreiben’. Die engl. Sonderentwicklung (s. oben) führt dazu, daß für ‘schreiben’ engl. to write eingetreten ist, die alte germ. Bezeichnung für das Einritzen der Runen (s. ↗reißen). Schreiben n. ‘Schriftstück, Brief’ (16. Jh.), substantivierter Infinitiv; dafür umgangssprachlich oft die nach Art der Verbalabstrakta ablautende Bildung Schrieb m. (um 1900). Schreiber m. ‘wer schreibt’, ehemals Berufsbezeichnung, ahd. skrībāri (8. Jh.), mhd. schrībære, auch ‘Kanzler, Notar, Schriftgelehrter, Dichter, Tafelaufseher’. abschreiben Vb. ‘kopieren, aus einem Schriftstück streichen’ (seit mhd. Zeit), ‘eine Summe abbuchen, streichen, schriftlich absagen’ (15. Jh.), ‘ein Schreibgerät abnutzen’ (17. Jh.), mhd. abeschrīben. Abschrift f. ‘Kopie’, mhd. abeschrift. anschreiben Vb. ‘sichtbar aufschreiben’, mhd. aneschrīben; dann auch ‘(eine Geldsumme) zu späterer Bezahlung notieren, Waren auf Kredit geben’ (15. Jh.), daher gut oder schlecht angeschrieben sein ‘einen guten oder schlechten Ruf haben’ (17. Jh.); heute auch ‘an jmdn. schreiben’ (20. Jh.), möglicherweise Neubildung zu Anschreiben n. ‘Brief’ (16. Jh.). Anschrift f. ‘Briefaufschrift’ (17. Jh., Zesen). ausschreiben Vb. ‘herausschreiben, (eine vakante Stelle u. dgl.) bekanntgeben, nicht abkürzen’, mhd. ūʒschrīben ‘herausschreiben, bekanntmachen’. beschreiben Vb. ‘mit Worten schildern, darstellen, mit Schriftzeichen bedecken’, mhd. beschrīben ‘schreiben, aufzeichnen, schildern, schriftlich auffordern zu kommen’; Beschreibung f. ‘Schilderung’, mhd. beschrībunge. einschreiben Vb. ‘schriftlich eintragen’ (15. Jh.); Einschreiben n. seit 1875 für Rekommandation ‘eine durch Aushändigung einer Empfangsbestätigung besonders registrierte Postsendung’, eigentlich ‘eine (zur sorgfältigen Beförderung) empfohlene Postsendung’. verschreiben Vb. ‘verordnen, beim Schreiben versehentlich Fehler machen’ (17. Jh.), sich jmdm., einer Sache verschreiben ‘verpflichten, übergeben’ (18. Jh.), mhd. verschrīben ‘(auf)schreiben, verzeichnen, schriftlich festsetzen, beschreiben, schriftlich mitteilen, zuerkennen’. vorschreiben Vb. ‘als Muster schreiben, Anweisung erteilen’ (16. Jh.), älter ‘vor etw. schreiben’, ahd. furiscrīban ‘an den Anfang schreiben’ (11. Jh.), mhd. vorschrīben. Vorschrift f. ‘Muster zum Nachschreiben’ (17. Jh.), ‘Anweisung für Verhalten und Tun’ (18. Jh.); vgl. ahd. forascrift ‘Vorangeschriebenes, Überschrift, Titel’ (um 1000). zuschreiben Vb. ‘jmdn. für den Urheber von etw. halten, erklären, etw. auf jmdn. zurückführen, ihn mit etw. in Verbindung bringen’ (16. Jh.), ahd. zuoscrīban ‘schriftlich hinzu-, anfügen’ (10. Jh.), spätmhd. zuoschrīben ‘schriftlich zusichern, melden’. Zuschrift f. ‘Hinzugeschriebenes’ (16. Jh.), ‘eine Art Vorwort an den Leser eines Buches’ (17. Jh.), ‘Brief’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
abgucken · ↗abkupfern · abschreiben · ↗kiebitzen · ↗mogeln · ↗schummeln  ●  abspicken  ugs. · ↗spicken  ugs. · spinxen  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
abschreiben  ●  abbimsen  ugs.
Synonymgruppe
abschreiben · ↗kopieren · ↗nachahmen · ↗plagiieren
Assoziationen
Synonymgruppe
(die) Hoffnung aufgeben, etwas wiederzufinden · (es) aufgeben zu suchen · (jemanden / etwas) abschreiben · als Verlust verbuchen · auf die Verlustliste setzen · auf die Vermisstenliste setzen · aufhören zu suchen · nicht weiter suchen (nach) · verloren geben  ●  nicht länger suchen (nach)  Hauptform
Assoziationen
  • (jemanden) für tot erklären (lassen)
  • nicht weiterverfolgen · ↗vergessen (können)  ●  (sich) aus dem Kopf schlagen (können)  fig. · ↗(sich etwas) abschminken  ugs., fig. · (sich etwas) in die Haare schmieren können  ugs., fig. · ↗abhaken (können)  ugs. · knicken können  ugs., salopp · nicht weiter d(a)rüber nachdenken  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anschaffungskosten Beteiligung Bilanz Buchwert Doktorarbeit Erinnerungswert Firmenwert Goodwill Hausaufgabe Herstellungskosten Kredit Kursverlust Marktwert Milliardenbetrag Nutzungsdauer Problemkredit Titelverteidigung Totalverlust UMTS-Lizenz Vermögenswert Wertpapier Wertverlust Wirtschaftsgut aktivieren degressiv komplett schreiben steuerlich voneinander vorschnell

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›abschreiben‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er wirft ihnen vor, ihn schon vor der Wahl abgeschrieben zu haben.
Die Welt, 19.09.2005
Auch sein Trainer schien ihn schon fast abgeschrieben zu haben.
Der Tagesspiegel, 26.04.2000
Nun sollte sie also Briefe abschreiben, die erledigt waren, völlig sinnlos, völlig unwesenhaft.
Baum, Vicky: Menschen im Hotel, München: Droemersche Verlagsanstalt 1956 [1929], S. 77
Seit zwei Jahren schreibe ich mit der linken Hand Ihre Märchen ab.
Altenberg, Peter: Mein Lebensabend, Mein Leben. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1919], S. 9264
Die niederländische Gestalt, die in unserer Ausgabe fast niemals fehlt, werde ich nur selten abschreiben.
Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. In: Bertram, Mathias (Hg.) Geschichte der Philosophie, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1910], S. 18240
Zitationshilfe
„abschreiben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://dwds.de/wb/abschreiben>, abgerufen am 16.10.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
Abschreckungswaffe
Abschreckungstheorie
Abschreckungsstreitmacht
Abschreckungsstrafe
Abschreckungspolitik
Abschreiber
Abschreibung
Abschreibungsbedarf
Abschreibungsbetrag
abschreibungsfähig